Schulbücher Teuer kaufen oder schäbig leihen

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Großformatig und gerade für jüngere Kinder ziemlich bunt: Schulbücher. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Das Internet mag dem Buch vielfach den Rang abgelaufen haben. Doch aus Schulen sind die nicht gerade preiswerten Druckwerke nicht wegzudenken. Preiswerte Alternative sind Leihschulbücher. Doch die sind nicht immer aktuell.

Neue Bücher sind etwas besonderes. Sie riechen nach frischer Druckerschwärze, haben keine Eselsohren und wurden nicht als Notizzettel missbraucht. Anders ist das bei Schulbüchern, vor allem wenn es sich um Leihexemplare handelt. Die sind oft muffig, bekleckst und beschmiert.

In vielen Bundesländern – darunter Sachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen – können sie kostenlos ausgeliehen werden. Rheinland-Pfalz gibt hingegen Lernmittelgutscheine aus, die an eine Einkommensgrenze gekoppelt sind. Und Baden-Württemberg fährt zweigleisig. Neben der Lernmittelfreiheit wird dort ein Bonus-System praktiziert: «Dabei übernimmt der Schulträger einen Teil der Kosten, wenn die Eltern die Schulbücher selbst anschaffen», erklärt Hansjörg Blessing vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport. Zum Kauf gezwungen werde niemand.

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Gerade für Familien, die wenig Geld und mehr als ein schulpflichtiges Kind haben, sind Leihexemplare günstige Alternative. Neuanschaffungen können sich pro Schuljahr auf 200 Euro und mehr summieren.

Wie groß die Leihbestände sind, hängt von der Schulgröße ab. «In der Regel sind aber mindestens zwei Klassensätze vorhanden», sagt Roman Schulz, Sprecher der sächsischen Bildungsagentur, Regionalstelle Leipzig. Es gebe zwar Ausnahmen, doch der Pflichtlesekanon für den Deutschunterricht sei meist vorrätig.

Buchwahl ist keine Willkür

Verlangen Lehrer, ein Buch zu kaufen, habe das nichts mit Willkür zu tun: «Im Unterricht ist es einfacher, wenn alle Schüler einheitlich ausgestattet sind. Hat einer die Ausgabe einer Lesereihe und der nächste die Taschenbuchversion, geht bei gemeinsamen Analysen die große Suche nach der richtigen Seite los», erklärt Schulz. Das verwirre und koste in den knappen Stunden zu viel Zeit.

Ähnlich sei es wenig sinnvoll, Arbeitshefte zu verleihen. Selbst wenn nur mit Bleistift geschrieben werde, seien diese selten zweimal zu gebrauchen. Alternative sind Kopien, doch die müssten die Eltern ebenfalls bezahlen. Hinzukommen Atlanten und Tafelwerke. «Die brauchen die Schüler meist bis zum Ende ihrer Schulausbildung. Und von Kaufexemplaren können auch Geschwisterkinder profitieren», plädiert Schulz.

Welche Schulbücher genutzt werden, hat etwa Berlin im Schulgesetz geregelt. Entscheidend sind die Rahmenlehrpläne für Unterricht. Dass Lernmittel bereitgestellt werden, dafür sorgten die bezirklichen Schulämter, sagt Kenneth Frisse von der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung. «Welche Schulbücher aber letztlich angeschafft werden, entscheiden die Schulen.» Genauer gesagt: die Fachkonferenzen der Lehrer.

Goethe hat kein Verfallsdatum

Doch anders als auf dem freien Lesemarkt, geht es bei Schulbüchern nicht um die neuste Ausgabe. Die Lehrplangeneration entscheidet. In Sachsen sind das derzeit Bücher aus dem Jahr 2003/2004. «Grundsätzlich arbeiten Schulen so lange mit Lehrbüchern, bis sie unaktuell sind. Das kann schon mal 10 bis 15 Jahre dauern», so Schulz.

Im Osten Deutschlands ist manches nicht älter. «Nach der Wende musste viel ausgetauscht werden, weil es politisch nicht tragbar war», erinnert sich der Sprecher der sächsischen Bildungsagentur. Anders sei es mit DDR-Lesebüchern gewesen. Die habe es bis weit in die 1990er Jahre gegeben. «Klassiker wie Goethes Willkommen und Abschied haben kein Verfallsdatum, und Mathematik für Realschulen ist heute nicht anders als vor einem Jahrzehnt.»

Dennoch. Weil öffentliche Kassen selten prall gefüllt sind, leidet die Schulbuchausstattung. «Dass die Investitionen höher sein sollten, steht außer Frage. Doch der Schulbetrieb erwirtschaftet seine Ausgaben nicht. Wer also für die Anschaffung von Lernmitteln mehr Geld fordert, muss auch sagen, woher es kommen soll», sagt Schulz. Und eine verstopfte Toilette zu reparieren, hat Vorrang vor der Anschaffung eines neuen Schulbuchs.

Dass manche Fakten längst überholt sind, sei normal. «Wenn im Lehrbuch steht, dass die EU zwölf Mitgliedsstaaten hat, ist es Aufgabe des Lehrers, aktuelle Quellen, etwa das Internet, heranzuziehen», sagt Schulz. Beim rasanten Weltgeschehen könne ein Schulbauch kaum mithalten. Zudem sei Wissen nichts Statisches, sondern sollte stets aktuell akkumuliert werden.

Ohnehin sei die Zeiten des Schulbuchs als einzige Lernquelle vorbei. «Der Einsatz neuer Medien gehört zum Unterricht», sagt Roman Schulz. «Arbeiten Lehrer medienübergreifend , ist das für Schüler eine wichtige Lektion. Sie lernen, sich aus verschiedenen Quellen zu informieren.»

Das Ende des Buchzeitalters an den Schulen ist das aber nicht. «Notebooks, wie auch alle anderen Computergeräte, sind keine Alternative zu den üblichen Lernmitteln», betont Hansjörg Blessing. Sie seien lediglich Ergänzung.

kat/news.de

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