Schulkleidung in Deutschland Gleiche Klamotten machen keine besseren Schüler

Immer wieder gibt es Schulen in Deutschland, die einheitliche Schulkleidung einführen – ganz klar mit der Abgrenzung, dass es sich dabei nicht um eine Uniform handelt. Die einen wollen soziale Unterschiede abfangen, andere glauben an bessere Lernleistung.

Schulkleidung (Foto)
Schuluniformen können die Gemeinschaft stärken, aber nicht die Lernleistung verbessern. Bild: dpa

«Schuluniformen wären bundesweit an öffentlichen Schulen kaum umzusetzen», sagt Professor Oliver Dickmann vom Lehrstuhl Pädagogische Psychologie an der Universität Mannheim. Beide Kleidungsarten voneinander abzugrenzen, hält der Forscher deshalb für notwendig. «Bei Schulkleidung haben die Schüler immer noch eine gewisse Wahlfreiheit. Das ist ein psychologisch wichtiger Aspekt», so der Pädagoge gegenüber news.de.

Doch das bisweilen vorgebrachte Argument, dass vorgeschriebene Kleidung das Persönlichkeitsrecht der Schüler verletzte, sei deswegen noch lange nicht entkräftet. «Schule ist immer ein Eingriff in dieses Recht, das fängt schon bei der Schulpflicht an.» Ob eine einheitliche Kleidung hier ein wesentliches Recht verletzte, sei davon abhängig, wie weit ein solcher Schritt umgesetzt wird.

Schule im Blick: Lernen zwischen gestern und heute

Nicht wissenschaftlich belegbar sei dagegen die Behauptung, dass das Outfit die individuelle Entwicklung von Schülern beeinflusse. Eine Studie des Mannheimer Professors und seiner Kollegen ging der Frage nach, ob einheitliche Kleidung mit stärkerem Konformismus in einer Klasse einhergehe. «Doch das Schüler einheitlicher dachten oder der Überzeugung waren, ihre persönliche Meinung der ihrer Klasse hintenanstellen zu müssen, hat sich dabei nicht herausgestellt», so Dickmann.

Ohnehin ließe sich nicht pauschal sagen, dass sich eine identische Garderobe auf Schüler besonders positiv oder negativ auswirke. «Es gibt in Deutschland drei empirische Studien zu den Effekten. Doch die Befunde sind sehr gemischt», stellt Oliver Dickmann klar. In einer eigenen Studie in Hamburg habe sich gezeigt, dass das Tragen einheitlicher Kleidung mit einem positiveren Sozialklima einherging. «Zudem waren die Schüler überzeugt, dass ihre Lernziele dadurch mehr in den Mittelpunkt gerückt wären», sagt der Pädagoge.

Bei einer Längsschnittstudie in Bayern, bei der der Forscher die gleichen Instrumente verwendet habe, ließen sich die positiven Auswirkungen hingegen nicht nachweisen. «Das spricht dafür, dass die Randbedingungen, die an einer Schule herrschen, in Sachen Einheitskleidung großen Einfluss haben», berichtet der Forscher.

Insgesamt sei es nicht unplausibel, wenn man mit Schulkleidung den Markenterror eindämmen wolle. Es sei durchaus ein lohnenswerter Versuch. «An einer Schule allerdings, die solche Probleme nicht hat, kann solche Effekte nicht erwarten. Der Nutzen hängt immer mit den Bedingungen einer bestehenden Notlage zusammen», meint der Professor.

Doch dass sich die Lernleistung der Schüler verbessere, wenn alle gleiche Sweat- oder Polo-Shirts tragen, dafür gebe es keine Belege. Dies habe Dickmann bei einer Studie in Bayern geprüft. Untersucht worden seien dabei Vergleichsarbeiten in Mathematik und Deutsch. Ein Teil der Schüler trug Schulkleidung, der andere nicht. Das Ergebnis: «In Mathe waren die Schüler mit Einheitskleidung besser, in Deutsch war die Leistung bei beiden Gruppen gleich.»

Würde das Outfit eine Rolle spielen, hätten sich Verbesserungen in beiden Fächern zeigen müssen. «Die Ergebnisse aus Bayern sind deshalb eher ein Zeichen dafür, dass in Mathe der bessere Unterricht stattgefunden hat», betont Dickmann. Wer also behaupten wolle, mit Schulkleidung eine bessere Leistung der Schüler erlebt zu haben, könne das aus seinem isolierten Betrachtwinkel tun, habe dann aber nicht zu Ende gedacht.

kat/news.de

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