26.04.2009, 09.03 Uhr

Bergbau-Ingenieur: Mineralischen Rohstoffen auf der Spur

Dass sie wie Maulwürfe unter der Erde arbeiten, stimmt nicht ganz. Bergbau-Ingenieure sind seltener als Kumpel unter Tage unterwegs. Oft sind sie in Ingenieurbüros anzutreffen und prüfen die Umweltverträglichkeit von Projekten.

Bergbau-Ingenieure haben es in ihrem Job oft mit technischen Giganten zu tun. Bild: dpa

Den traditionellen Steinkohlebergwerken in Deutschland droht auf absehbare Zeit das Aus. Doch die Jobaussichten für Bergbau-Ingenieure gelten als hervorragend. Prof. Oliver Langefeld von der Technischen Universität (TU) Clausthal weist darauf hin, dass «der Bedarf an diesen Fachkräften weltweit längst nicht gedeckt ist».

«Der Markt braucht Fachleute», sagt auch Prof. Carsten Drebenstedt von der TU Bergakademie Freiberg. Voraussetzung für ein Bergbaustudium ist das Abitur beziehungsweise die fachgebundene Hochschulreife. «Wie in allen Ingenieurberufen muss ein besonderes Interesse an Mathematik vorhanden sein», betont Johann Mandelartz, der in Aachen studiert und anschließend promoviert hat. Heute arbeitet er beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI) in Düsseldorf und befasst sich unter anderem mit Fördertechniken.

Drei deutsche Universitäten bilden derzeit Ingenieure in den Fachrichtungen Bergbau aus: Freiberg, Clausthal und die Technische Hochschule Aachen. Die Regelstudienzeit beträgt neun Semester. «Es ist eine breit aufgestellte Ausbildung», sagt Mandelartz. «Ich würde sie wieder machen.»

An der 1765 gegründeten TU Bergakademie Freiberg, der ältesten noch bestehenden Bergakademie der Welt, gibt es den Studiengang Geotechnik und Bergbau. In den Vorlesungen der ersten vier Semester bis zum Vordiplom werden den Studierenden die Grundlagen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Geowissenschaft, Ingenieurswissenschaften sowie Betriebswirtschaft und Recht vermittelt. Außerdem ist ein Praktikum von 60 Tagen zu absolvieren.

Nach bestandener Vorprüfung beginnt mit dem fünften Semester das Hauptstudium. Freiberg hat die Fachrichtungen Bergbau, Bohrtechnik und Fluidbergbau, Geotechnik sowie Spezialtiefbau im Angebot. Dazu kommen Pflichtexkursionen beispielsweise in den Kiessandabbau oder den Braunkohletageabbau. Die Reisen führen auch ins Ausland. Ferner stehen Fachpraktika auf dem Programm.

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Während in Aachen und Clausthal - gemäß des sogenannten Bologna-ProzessesDie Pläne sehen vor, die Abschlüsse mit der Umstellung auf das Bachelor- und Mastersystem international vergleichbarer zu machen, zu fördern, dass Studenten und Lehrende an verschiedenen Hochschulen aktiv werden, die Qualität der Studienangebote zu verbessern und die Studiendauer zu verkürzen. - die Studiengänge auf BachelorNiedrigster akademischer Abschlussgrad. An den deutschen Hochschulen wird dieser Abschluss in der Regel nach drei Studienjahren (sechs Semester) erreicht. und MasterIn europäischen Staaten der zweite erreichbare akademische Grad. In der Regel ist dazu ein ein- bis zweijähriges Studium notwendig, dass Studenten oft direkt nach dem Bachelor-Abschluss beginnen. umgestellt sind, bleibt Freiberg beim traditionellen Diplom. «Wir erfüllen aber auch alle Bologna-Anforderungen», sagt Drebenstedt. Viele Absolventen promovieren anschließend an den drei Unis.

Häufig sind Bergbau-Ingenieure nicht in Gruben oder anderen Abbaustätten anzutreffen. In Behörden sind sie ebenso gefragt wie in der Industrie, in Ingenieurbüros und in der Forschung. «Bergbaumaschinen aus Deutschland haben auf dem internationalen Markt einen hohen Stellenwert. Deutschland ist auf dem Weltmarkt führend», so Drebenstedt. An der Entwicklung der Maschinen arbeiten die Bergbau-Ingenieure mit.

Diese Fachleute sind auch auf Gebieten tätig, auf denen man sie nicht unbedingt vermutet. Sie kümmern sich um Fragen der Entwässerung, helfen bei der Rekultivierung ehemaliger Abbauflächen wie den erschöpften Braunkohlelagerstätten in Sachsen und prüfen die Umweltverträglichkeit von Projekten im Bergbau. Zu ihren Aufgaben gehören auch Bauvorhaben wie Tunnel, Kavernen, Stollen, Brunnen oder Deponien. Auch bei der Förderung von Erdöl und Erdgas haben sie längst ihren festen Platz. Lange Zeit war der Bergbau eine Männerdomäne. Heute sind unter Tage auch Frauen anzutreffen. Von den Studierenden bei Professor Langefeld in Clausthal sind knapp 16 Prozent weiblich.

«Mineralische Rohstoffe sind die materielle Grundlage unseres Lebens», sagt Prof. Drebenstedt. Allein in Deutschland gibt es rund 4000 verschiedene Abbaustätten, von der Kreidegewinnung auf Rügen bis zu den großen Braunkohlerevieren. «Weltweit steigt die Bergbauproduktion stetig.»

So blicken auch internationale Konzerne auf den deutschen Markt, wenn sie Spezialisten für den Bergbau suchen. Einen der Absolventen Drebenstedts hat ein australisches Großunternehmen verpflichtet. «Für 60.000 Euro Anfangsgehalt pro Jahr», wie der Professor weiß. In Deutschland können Berufseinsteiger nach Marktbeobachtungen mit Jahresgehältern zwischen 40.000 und 50.000 Euro rechnen. Diese steigen, je höher die Bergbauexperten auf der Karriereleiter klettern. «Besonders gefragt sind Ingenieure mit guten betriebswirtschaftlichen Kenntnissen», sagt Langefeld.

ham/ruk

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