Zentralabitur Schavans Heilmittel gegen das Bildungsgefälle

Zentralabitur (Foto)
Kritiker sind nicht überzeugt, dass das Zentralabitur das Bildungsgefälle zwischen den Ländern verbessert. Bild: ddp

Zuletzt badeten es hessische Schüler aus: Das Zentralabitur ist für seine Pannen bekannt. Doch davon lässt sich Bundesbildungsministerin Annette Schavan nicht einschüchtern. Sie fordert ein bundesweites Zentralabitur und handelt sich dafür viel Kritik ein.

Annette Schavan (CDU) hat ein deutschlandweites Zentralabitur gefordert. Dies würde «das eklatante Bildungsgefälle in Deutschland beheben helfen», sagte die Bundesbildungsministerin dem Magazin Cicero. «Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder - egal ob sie in Potsdam, Frankfurt oder Stuttgart zur Schule gehen - gleich gute Bildung bekommen.» Die Länder könnten bei der Ausgestaltung der Ausbildung deutliche Freiheiten behalten.

Für die Bundesministerin sei das bestehende Nord-Süd-Gefälle beim Abitur dauerhaft nicht akzeptabel. «Das macht Eltern zu Recht nervös.» Im internationalen Bildungswettbewerb müsse Deutschland die föderale Bildungspolitik überdenken und neue Wege beschreiten. Schavan sagte: «Wir brauchen einen modernen, souverän agierenden Föderalismus.»

Die CSU warnte davor, die Föderalismusreform zurückzudrehen. «Wir sollten die Chancen für alle Schüler in ganz Deutschland verbessern, statt Niveauangleichung ans Mittelmaß zu betreiben», sagte die stellvertretende CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär. «Wir haben in Bayern vorgemacht, wie man mit einem guten Bildungssystem exzellente Ergebnisse bei PisaInternationale Studie, die schulische Leistungen untersucht und seit dem Jahr 2000 regelmäßig in den meisten Mitgliedsstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) durchgeführt wird. und anderen Vergleichstests erreicht.»

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte Schavans Forderung «als haarscharf an den zentralen Problemen vorbei». Die GEW-Vizevorsitzende Marianne Demmer sagte: «Ein deutschlandweites Zentralabitur ist die geringste Sorge von Eltern.» Sie sorgten sich vielmehr darum, dass ihre Kinder in der Grundschule keine Gymnasialempfehlung bekämen und auch an Gesamtschulen nicht angenommen würden, weil konservative Landesregierungen den Ausbau verweigerten.

Zudem lasse sich «die leistungssteigernde Wirkung zentraler Prüfungen wie auch ein Nord-Süd-Gefälle beim Abitur wissenschaftlich nicht belegen», sagte Demmer weiter. Negative Wirkungen blieben ebenso unberücksichtigt. Bei einem Zentralabitur würden im letzten Schuljahr oft Wissen und Fähigkeiten, die für das Studium notwendig seien, nicht mehr vertieft, stattdessen würde «alle Lernzeit in die zentral geprüften Fächer investiert».

Statt das bundesweite Zentralabitur «wieder aus dem Winterschlaf zu holen», müssten sich die Union und Schavan «eher der Frage stellen, wie ein wohnortnahes Schulangebot bereitgestellt werden kann, das ohne Selektion nach der Grundschule alle Bildungswege bis zum Abitur offen hält», forderte Demmer.

Eine erste Übersicht über das diesjährige Anmeldeverfahren nach der vierten Grundschulklasse belege, dass sich die Eltern weiter von Hauptschulen abwendeten. Die Realschulen stagnierten. «Die Eltern wollen Schulen mit direktem Weg zum Abitur», sagte Demmer. In Bundesländern mit integrierten Schulformen meldeten mehr als 60 Prozent der Eltern ihre Kinder an Gymnasien, Gesamtschulen oder Gemeinschaftsschulen an. In Hamburg seien dies sogar über 80 Prozent. In Nordrhein-Westfalen müssten 30 Prozent der Anmeldungen an Gesamtschulen wegen fehlender Plätze abgewiesen werden.

ham/kat

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