17.04.2009, 14.39 Uhr

Biotechnologie: Gute Jobchancen für Master-Studenten

Die einen verbessern Waschmittel, andere arbeiten an Medikamenten, die nächsten forschen in der Gentechnik. Eines haben alle gemeinsam: Ihren Beruf haben sie in der Biotechnologie gefunden. Ein Arbeitsmarkt, auf dem qualifizierte Hochschüler gefragt sind.

Wer sich in der Biotechnologie spezialisiert, hatte gute Chancen auf einen Job. Bild: dpa

Es gibt rote, grüne und weiße Biotechnologie. Die Farben stehen für die einzelnen Zweige der Branche. Mindestens so vielfältig sind die Berufe: vom Laboranten bis zum Forscher, vom Techniker bis zum Marketing-Profi.

Die Aussichten auf einen Job - vor allem in der medizinischen und industriellen Biotechnologie - gelten als gut. «Es ist eine echte Zukunftsbranche», sagt Carsten Roller, Geschäftsführer des Verbandes Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland in München. So wird sich das Arbeitsplatzpotenzial von 260.000 Menschen im Jahr 2004 auf rund 600.000 im Jahr 2020 erhöhen. Davon geht eine Studie im Auftrag der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie und der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie aus.

«Biotechnologie heißt immer: Der Mensch verändert die Biologie zu seinen Gunsten», erklärt Dieter Reinscheid vom Fachbereich Angewandte Naturwissenschaften an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Wer in die Biotechnologie gehen möchte, sollte sich zunächst entscheiden, ob er eher ein Studium an einer Fachhochschule (FH) oder einer Universität aufnehmen möchte: Die meisten FH-Studiengänge seien ingenieurwissenschaftlich ausgerichtet, die universitären Ausbildungen eher naturwissenschaftlich, erklärt Roller.

An Hochschulen können sich Studenten schon früh spezialisieren. Davon rät Roller ab. Er plädiert für ein breit angelegtes Grundstudium, etwa der Biologie. Wer sich dann noch spezialisieren wolle, könne ein Master-Studium oder einen Aufbaustudiengang anhängen. «Man sollte auch nicht ein Mode-Studium wählen, nur weil es viele andere auch wählen», warnt Roller. So sei etwa das Biomedizin-Studium «zehnfach überzeichnet».

Besonders gute Zukunftsaussichten sieht die Biotech-Studie für die rote, also die medizinische Biotechnologie. Schon derzeit sind 80 Prozent der Beschäftigten in diesem Segment tätig. Die Firma Roche Diagnostics aus dem bayerischen Penzberg etwa hat nach Angaben ihres Personalleiters Andreas Martin in den vergangenen zehn Jahren ihre Mitarbeiterzahl nahezu verdoppelt: «Wir suchen ständig qualifizierte Fachkräfte.»

Auch in der weißen, der industriellen Biotechnologie, sehen die Zukunftsaussichten gut aus. Hier werden etwa Bakterien dafür verwendet, um vor allem chemische Produkte zu verbessern - beispielsweise Waschmittel. Die Deutsche Industrievereinigung Biotechnologie erwartet auch für die Zukunft Wachstum. Anders bei der grünen Biotechnologie, also in der Landwirtschaft: Wegen der restriktiven deutschen Gesetzgebung im Bereich Gentechnik gebe es kaum Stellen, erklärt Roller.

Auch wenn die Job-Aussichten in der Biotechnologie grundsätzlich gut sind, hat die Wirtschaft zum Teil hohe Anforderungen. So reicht für eine Karriere bei Roche das einfache Studium nicht. Aufbaustudien oder interne Weiterbildungen und Trainee-Programme sollen das nötige Management-Wissen vermitteln.

ham/ruk

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