Erasmus Mundus Die Welt kommt nach Europa

Erasmus Mundus ist längst nicht so bekannt wie Erasmus. Dabei holt das Hochschulprogramm der Europäischen Union einige der besten Studenten der Welt an deutsche Universitäten. Zum Beispiel zu den Global Studies in Leipzig.

Ausländische Studenten (Foto)
Viele afrikanische und asiatische Studenten kommen dank Erasmus Mundus nach Europa. Bild: dpa

Erasmus kennt jeder. Es gibt sogar Filme darüber, wie Studenten in diesem Austauschprogramm der Europäischen Union vor allem außerhalb der Universität das Ausland erkunden. Rund 250.000 junge Deutsche haben das in 20 Jahren selbst ausprobiert, insgesamt waren 1,6 Millionen Studenten beteiligt.

Erasmus Mundus ist ebenfalls ein Bildungsprogramm der Europäischen Union. Der ähnliche Name führt jedoch in die Irre. Mundus ist nicht die Ausdehnung des Erasmus-Prinzips auf die ganze Welt. Es gibt weniger Stipendien, insgesamt 6181 in den fünf Jahren, die das Programm nun läuft. Dafür sind sie mit 1600 Euro pro Monat und Student deutlich höher dotiert als die Erasmus-Stipendien, die nur einen Zuschuss von 200 Euro abwerfen. Außerdem schickt das Mundus-Programm nicht die EU-Studenten in die Welt, sondern ermöglicht erfolgreichen Studierenden aus Ländern jenseits der Europäischen Union ein Studium in Europa. Erst in der zweiten Phase, die in diesem Jahr startet, werden auch hiesige Studenten an ferne Unis geschickt.

Die Universität Leipzig ist eine von elf Hochschulen in Deutschland, die an so einem Erasmus-Mundus-Studiengang beteiligt ist. Zusammen mit Wien, Breslau und der London School of Economics an Political Science hat sie den Masterstudiengang Global Studies entwickelt. Die Mundus-Studiengänge sind anspruchsvolle, zweijährige Masterstudiengänge, die zum Teil extra für die ambitionierten Studenten aus der ganzen Welt konzipiert wurden.

Der Koordinator des Studiengangs in Leipzig, Matthias Middell, erklärt gegenüber news.de die spezielle Struktur von Erasmus-Mundus-Studiengängen. Sie entstehen im Konsortium mit mindestens zwei weiteren europäischen Universitäten und bündeln so die Stärken der jeweiligen Standorte. «Die Europäische Kommission hat gefordert, wenn wir das gut finanzieren, wollen wir auch den europäischen Mehrwert, der durch so eine Kooperation zustande kommt», erklärt Middell.

Dies solle europäische Universitäten auch zu einer Alternative zum Gang in die USA oder nach Australien machen, erläutert der Koordinator, und die hohe Förderung ermögliche eine Konkurrenz zum amerikanischen Foolbride-Stipendium. Insgesamt pumpte die Kommission bisher 230 Millionen Euro in das Programm. Die zweite Phase von 2009 bis 2013, für die im April neue Projekte ausgewählt werden, hat ein Budget von 940 Millionen Euro.

Lesen Sie auf Seite 2, wie ein Brite übers sächsische Großenhain zu Erasmus Mundus kam

Leipzig bringt in die Global Studies die historische Perspektive der Globalisierung ein und bietet dank seiner Fakultäten für Amerikanistik, Afrikanistik und Sinologie die Voraussetzungen für die Area-Studies, die gebietsspezifischen Studien. London kümmert sich um Wirtschaft und Wirtschaftsgeschichte, Wien um Kulturwissenschaften und Area-Studies und Breslau deckt Transformation und die Osterweiterung der EU ab. Praktisch studiert jeder Student an zwei Hochschulen.

Ian Mills ist Brite und einer der 50 Studenten, die mit Rucksack und Laptoptasche an der Schulter in Leipzig angekommen sind – und sich unter 1600 Bewerbern durchgesetzt hat. Nach Leipzig ist er über das sächsische Großenhain gekommen. Dort arbeitete er nach seinem Bachelor in Deutsch, Französisch und Europäischen Studien an einer Mittelschule. «Ich habe mich informiert über die Möglichkeit, in Deutschland mein Studium fortzusetzen, und war begeistert, den Erasmus-Mundus-Studiengang in Leipzig gefunden zu haben. So konnte ich meine Kenntnisse ausweiten und in Sachsen bleiben», erzählt Mills.

Für Mills geht das Konzept der europäischen Zusammenarbeit voll auf. «Durch die zahlreichen Hintergründe der anderen Studenten und Professoren entsteht eine viel breitere Ausbildung als in einem normalen englischen Universitätskurs. Jeder historische Zeitpunkt und jede politische Entscheidung wird in unterschiedlichen Ländern anders dargestellt», ist seine Erfahrung.

Er hat aber auch erlebt, dass sich die Wahrnehmung der weltweiten Entwicklung nicht auf nationale Hintergründe vereinfachen lässt. «Das hängt eher von der Lebenserfahrung ab, die jeder gesammelt hat. Da wir alle in Leipzig studieren, sind wir alle selbst auch ein Teil der Globalisierung. Ich persönlich bin nicht mehr britisch, denn ich habe eine gewisse deutsche Identität angenommen, und dazu kommt ein Teil von den Nationalitäten meiner Kommilitonen.»

Die kommen aus Asien, Afrika, Nordamerika und Osteuropa. Neben den europäischen Hochschulen haben die Global Studies vier weltweite Partner, in Sidney, Dalhousie in Kanada, dem kalifornischen Santa Barbara und Stellenbosch in Südafrika. Diese helfen, gute Studenten in ihrer Region zu finden. Wenn Erasmus Mundus in seine zweite Phase geht, werden sie auch europäischen Studenten ein Studium am anderen Ende der Welt ermöglichen. Eine weitere Neuerung der zweiten Phase ist, das künftig auch Doktoranden teilnehmen können.

Eine Doktorarbeit ist auch für Ian Mills eine Option. Ihn haben die Global Studies noch enger an Deutschland gebunden. Nach drei Jahren in Sachsen würde er gern hier bleiben, vielleicht auch eine Arbeit suchen. Die Vorzeichen für seine Karriere stehen in jedem Fall gut. Bisher haben alle Abgänger einen Job gefunden, sei es in der Wirtschaft, in NGOs oder an Universitäten, sagt der Leipziger Professor Matthias Middell.

gua

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