Große Nachfrage Musical-Ausbildung ist begehrt

«Starlight Express» und «Cats» gehören zu den Rennern der Musical-Geschichte. Spätestens seit «Highschool Musical» und «Tarzan» wollen immer mehr junge Leute den Beruf des Musical-Darstellers ergreifen.

Große Nachfrage: Musical-Ausbildung ist begehrt (Foto)
Die Ausbildung zum Musical-Darsteller ist hart. Bild: dpa

Genährt durch TV-Casting-Shows wie Musical Showstar 2008 oder Ich Tarzan, Du Jane bewerben sich jedes Jahr Tausende von jungen Menschen nicht nur bei den Fernseh-Castingshows, sondern auch bei den großen Musical-Schulen direkt. Doch die Ausbildung dort ist kein Zuckerschlecken.

«Bei uns gehen pro Jahr etwa 500 bis 600 Bewerbungen ein», sagt Annette Bär von der Hamburger Stage School, die eine dreijährige Ausbildung in den Hauptfächern Tanz, Gesang und Schauspiel anbietet. Maximal 100 Plätze stehen zur Verfügung.

Die Konkurrenz der Joop van den Ende Academy des größten deutschen Musical-Anbieters Stage Entertainment in Hamburg verzeichnet nach Angaben von Sprecher Stephan Jaekel sogar 800 bis 1000 Bewerbungen. Höchstens 48 Plätze gibt es für das dreijährige Kurssystem. Die monatlichen Kosten beim Schulgeld liegen bei der Joop van den Ende Academy bei rund 900 Euro im Monat. Eine Bafög-Förderung ist möglich.

«Wir haben einen anderen Fokus als die Konkurrenz, wir sind breiter aufgestellt», sagt Annette Bär. Nicht von ungefähr versteht man sich als Schule für Performing Arts, also Darstellende Künste. Zu den prominenten Absolventen gehört Schauspieler Ralph Bauer genauso wie Sängerin Lucy von den No Angels.

Zwar stammen zahlreiche Darsteller auf den Musical-Bühnen in Hamburg, Stuttgart oder Bochum aus angelsächsischen Ländern, aber deutschsprachige Künstler sind auf dem Vormarsch. Bettina Mönch und Andreas Bieber, Hauptdarsteller im gerade angelaufenen Broadway-Stück The Producers im Ronacher Theater Wien, kommen zum Beispiel aus Deutschland. Die in Landsberg am Lech geborene Musical-Darstellerin hält große Stücke auf eine staatliche Musical-Ausbildung im deutschsprachigen Raum: «Die Ausbildung ist zunehmend professioneller geworden.»

Von 2000 bis 2004 absolvierte Bettina Mönch ihr achtsemestriges Studium mit Diplom-Prüfung am Konservatorium Wien. Vor allem die kleinen Lerngruppen mit nur acht Studenten haben es ihr angetan. Dagegen bevorzugt Harald Kratochwil größere Klassen. «Man braucht eine kritische Masse, damit es gut läuft. Das gilt vor allem für die Bewegungsfächer», sagt er. Der Tänzer und Choreograph hat in rund 30 Musical- und Tanzproduktionen mitgespielt und lehrt heute als freier Dozent an verschiedenen Musical-Schulen.

Die meisten der Musical-Absolventen durchlaufen entweder die großen privaten oder staatlichen Ausbildungsstätten. Dazu gehören auch die Folkwang-Schule Essen, die Universität der Künste in Berlin, die Bayerische Theaterakademie August Everding im Prinzregenten-Theater München und die Hochschule für Musik- und Theater in Leipzig. Doch selbst wer eine der Top-Schulen absolviert hat, muss den normalen Bewerbungs-Marathon, die sogenannte Audition, durchlaufen. Und wer danach für eine Hauptrolle engagiert wird, erhält in der Regel nur einen Halb- oder Einjahresvertrag.

Viele Darsteller melden sich zwischen den Engagements arbeitslos. Dabei übernimmt die Arbeitsagentur am Wohnort die finanziellen Leistungen, während die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) mit Büros in Berlin und Köln sich um die künstlerische Vermittlung kümmert. Allerdings gibt es eine Hürde: Wer es in die Kartei schaffen will, muss generell vorsingen, erklärt der Fachvermittler Thomas Georgi, der einst selbst Musical-Darsteller war. «Dann entscheiden wir, ob er oder sie durch uns vermittelbar ist.»

www.stageschool.de
www.stage-entertainment.de
www.folkwang-hochschule.de
www.udk-berlin.de
www.prinzregententheater.de
www.hmt-leipzig.de

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