25.08.2019, 20.30 Uhr

Ärztemangel: Die deutsche Versorgungs-Katastrophe kommt!

Derzeit herrscht noch Ruhe auf dem Campus - in einem Monat beginnt das universitäre Wintersemester. Nicht wenige haben sich für ein Medizinstudium entschieden. Doch sind es genug für die medizinische Versorgung Deutschlands?

Steht Deutschland vor dem Ärztenotstand? Bild: picture alliance/Patrick Seeger/dpa

Die Deutsche Ärztekammer sieht mit Sorgen in die Zukunft: Gäbe es nicht die ausländischen Mediziner, würden bereits heute viele Regionen Deutschlands ohne Arzt auskommen müssen. Jeder achte Arzt kommt aus dem Ausland! Nach Angaben der Bundesärztekammer stammten im Jahr 2018 nicht weniger als 48.672 Mediziner (+7,3 %) nicht aus der Bundesrepublik. Sie sind vornehmlich in Krankenhäusern und ambulanten Praxen tätig. Dennoch: Immer weniger Studienabgänger entscheiden sich für eine niedergelassene Praxis.

Der Landarzt stirbt aus

Derzeit gehen 392.402 Mediziner ihrem lebensnotwendigen Dienst an der deutschen Bevölkerung nach. Nach Angaben des Präsidenten der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, ist jedoch in den kommenden Jahren mit vielen Ruhestandsversetzungen zu rechnen sowie aufgrund der immer älter werdenden Bevölkerung mehr Behandlungsbedarf gegeben. Montgomery fordert deshalb mindestens zehn Prozent mehr Studienplätze für Mediziner. Einige Bundesländer gehen inzwischen den Weg, Studienbeihilfen zu vergeben, sofern der Student sich mit Erlangung der Approbation verpflichtet, für mehrere Jahre eine Landarztpraxis zu betreuen. Auch wird in einem solchen Fall der Numerus Clausus nicht mehr so eng wie früher als Zulassungskriterium bewertet.

 

Wandel des Arztbildes

Obgleich 2018 die Zahl der praktizierenden Ärzte um 1,9 Prozent leicht angestiegen ist, sehen immer weniger ihre Zukunft in einer eigenen Praxis - vor allem bei den Allgemeinmedizinern. Sei es aufgrund des finanziellen Risikos beim Aufbau der Praxis, der Anzahl der Notdienste oder auch den Vorgaben der Krankenkassen, sodass das Behandeln von Patienten zur Fliessbandarbeit degradiert wird. Viele scheuen zudem den bürokratischen Aufwand. Deshalb entscheidet sich ein hoher Anteil zu einer Anstellung in einer Praxis mit geregelten Arbeitszeiten bzw. gar zu Teilzeit und damit weitaus weniger Aufwand. Der Marburger Bund (Lobby der angestellten Ärzte) bezeichnet die Einzelpraxis inzwischen als "Auslaufmodell". Aus den genannten Gründen steigt ferner die Zahl der Fachärzte an.

 

Regionaler medizinischer Notstand droht

Während nach einer Veröffentlichung des Bundesarztregisters vom 31. Dezember 2018 etwa im Stadtstaat Bremen 296,2 niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten auf 100.000 Einwohner kommen, sind es im Landkreis Coburg nur 84,3! Die ländlichen Kreise sind besonders vom altersbedingten Ruhestand betroffen. Zirka ein Fünftel der niedergelassenen, freiberuflichen Ärzte ist zwischen 60 und 65 Jahre alt, jeder Zehnte gar älter. Etwa 45 % zählen zur Altersgruppe der 50-59-jährigen. Einzig der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, erkennt ein Licht am Horizont: „Für viele in der Praxis angestellte Ärzte stellt die Selbstständigkeit zu einem späteren Zeitpunkt eine interessante Option dar!" Dennoch werden in Bayern einige Regionen mit nur einem Praxis-Allgemeinmediziner auskommen müssen, während sich Mecklenburg-Vorpommern diesbezüglich nicht beklagen kann.

 

Zugewanderte Ärzte - ein moralisches Problem

Viele der zugewanderten Mediziner stammen aus Ost- und Südosteuropa bzw. dem Nahen Osten. Neben sprachlichen Barrieren ist in den Herkunftsländern zumeist die Ausbildung bzw. der Stand der Medizin nicht auf solch hohem Niveau wie in Deutschland. Somit müssen die Zuwanderer zumeist nochmals die Schulbank drücken und können vorerst nur in Krankenhäusern eingesetzt werden. Zudem fehlen sie in ihren Herkunftsländern. Moralisch sehr bedenklich.

US/add/news.de

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