19.07.2019, 12.45 Uhr

Masern: Impfpflicht für Kitas, Schulen und Asylunterkünfte

Die endlosen Diskussionen haben ein Ende: In Kitas, Schulen und Asylunterkünften besteht ab dem kommenden Jahr Impfpflicht! Auch für das dort arbeitende Personal!

Impfpflicht für fast alle Bild: picture alliance/Lukas Schulze/dpa

Mit März 2020 wird das Masernschutzgesetz in Kraft treten. Ab diesem Zeitpunkt müssen Kinder, Jugendliche und Asylwerber gegen Masern geimpft werden. Auch Lehrer, Betreuer, Kindergartenhelferinnen und all das restliche Personal, das in Kitas, Schulen oder Flüchtlingsunterkünften arbeitet, muss eine Immunisierung gegen die Krankheit nachweisen können. Ansonsten droht bei erfolgter Infektion und Ausbruch der Krankheit nicht nur ein mindestens zwei- bis dreiwöchiger Krankenstand, sondern auch ein Bußgeld von bis zu 2.500,- € bzw. ein Kita-Ausschluss der Kleinen. Ausgenommen von dieser Regelung sind Menschen, die nicht geimpft werden dürfen, die die Krankheit bereits hatten und alle vor dem Jahr 1970 Geborenen. Dies beschloss das Bundeskabinett in seiner dieswöchigen Sitzung.

Masern - damit ist nicht zu spaßen


Mit den Masern meldet sich eine Kinderkrankheit wieder massivst zurück, die in Deutschland eigentlich nahezu als ausgestorben galt. Masern sind hochinfektiös - bereits ein Erkrankter reicht für die Ansteckung von 18 anderen Personen aus - bei der Grippe sind es gerade mal vier! In den ersten Monaten des laufenden Jahres wurden deutschlandweit schon 400 Neuerkrankungen gemeldet.

Erkrankung im Kindesalter - kurz aber heftig

Der Erreger wird durch direkten Körperkontakt oder Tröpfchen (Aerosol) zumeist über die Atemwege, in manchen Fällen auch die Bindehaut des Auges aufgenommen. Rasend schnell vermehrt sich der Virus dann in den Lymphknoten - bereits 48 Stunden nach Infektion ist über die Blutbahn der komplette Körper kontaminiert. Es folgt der bekannte Hautausschlag und ein Fieberschub. Der Erkrankte ist schon drei bis fünf Tage vor dem Ausbruch und bis zu vier Tage nach Abklingen der Erkrankung hochansteckend.

Folgen der Masern - fatal bzw. tödlich

Bei den meisten Kindern bleibt die Krankheit ohne weitere Folgen. Sehr gefährlich jedoch ist sie bei Erwachsenen und immungeschwächten Menschen. Hier besteht die Gefahr einer Entzündung des Gehirns (Enzephalitis), die in rund 20 % der Fälle tödlich endet - bei 30 % mit einer Behinderung. Auch eine chronische Gehirnerschütterung (SSPE) bzw. eine Hirnhautentzündung (Meningitis) können folgen. Lungenfachärzte beobachteten zudem eine Lungenentzündung mit anschließendem Lungenversagen! Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben täglich weltweit nicht weniger als 330 Menschen an den Folgen der Krankheit. 

Es geht nicht nur um den Einzelnen

Mit der Impfpflicht soll zwar jede(r) Einzelne, hauptsächlich aber die Gemeinschaft vor einer Masern-Erkrankung geschützt werden. Dieser Gemeinschaftsschutz verhindert die Weiterverbreitung des Viruses. Allerdings ist dies erst ab rund 95 % an geimpften Einwohnern möglich. Davon ist Deutschland noch weit entfernt!

US/add/news.de

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