West-Nil-Virus 2019: Gefahr durch Mückenstiche! Virus-Seuche auf dem Vormarsch

Wissenschaftler rechnen nach dem milden Winter mit einer größeren Verbreitung des West-Nil-Virus 2019. Der Erreger befällt vor allem Vögel, kann aber auch Menschen und Pferden gefährlich werden. Das müssen Sie zu der Virus-Seuche wissen.

Eine Ausbreitung des West-Nil-Virus wird befürchtet. Bild: dpa

Für Raben- und Greifvögel endet das West-Nil-Virus meist tödlich, andere Vögel zeigen hingegen keine Symptome. Menschen und Pferde können erkranken und in seltenen Fällen sogar sterben. Das West-Nil-Virus, das von Mücken übertragen wird, könnte sich nach dem mildenWinter in Deutschland weiter verbreiten.

West-Nil-Virus 2019: Krankheit breitet sich schleichend in Europa aus

Das ursprünglich aus Afrika stammende Virus kommt auf allen Kontinenten außer der Antarktis vor. "In den letzten Jahren gab es in Süd- und Osteuropa immer wieder vereinzelte Ausbrüche mit 10 bis 100 Erkrankten", sagt der Rostocker Tropenmediziner Emil Reisinger. Das führte dazu, dass WNV in Europa zwar bekannt war, aber keine große Beachtung gefunden hatte.

So gefährlich ist das West-Nil-Virus tatsächlich

Dabei stecke in dem Virus ein gefährliches Potenzial, meint der Leiter der Abteilung für Tropenmedizin und Infektiologie der Unimedizin Rostock. "Eine Sterblichkeit von 2,5 bis 5 Prozent ist nicht wenig." Vor allem ältere und immunschwache Menschen können an der Infektion sterben. In Deutschland wurde aber bislang noch kein Fall gemeldet, bei dem sich ein Mensch durch eine Mücke angesteckt hat.

Kein Impfstoff gegen West-Nil-Virus für Menschen

Für Menschen gibt es bislang keinen Impfstoff, für Pferde schon. Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin empfiehlt, in diesem Jahr Pferde in Gebieten zu impfen, in denen das Virus bereits auftrat. "Die Wahrscheinlichkeit, dass das Virus in diesem Winter in Stechmücken überlebt hat, ist sehr groß", sagt die Virologin Ute Ziegler vom Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheitauf der Insel Riems bei Greifswald. Sie leitet das nationale Referenzlabor für WNV-Infektionen bei Vögeln und Pferden. Das Virus wird durch eine warme Umgebung begünstigt.

Erste West-Nil-Virus-Erkrankungen in Deutschland - nur Tiere, keine Menschen

In Deutschland wurden im vorigen Jahr die ersten WNV-Fälle bei Tieren entdeckt, vor allem bei Vögeln. In ihnen vermehrt sich das Virus besonders gut. "Sie stellen das natürliche Virusreservoir dar", erläutert Ziegler. Bei Nutzgeflügel ist bislang nur ein erkrankter Gänsebestand in Israel Ende der 1990-er Jahre bekannt geworden. Auch Säugetiere werden infiziert. Aber nur Menschen und Pferde können ernsthaft erkranken. Sie stecken andere jedoch nicht an.

West-Nil-Virus 2019: Symptome Fieber und Schweißausbrüche

Die Symptome ähneln beim Menschen anfangs einer Grippe. Zunächst zeige sich die Erkrankung mit Fieber und Schweißausbrüchen, erläutert Reisinger. Dann fühlten sich die Patienten wieder wohl. Aber das Fieber komme wieder und es werde höchste Zeit, zum Arzt zu gehen. Denn dann bestehe die Gefahr einer Gehirnhautentzündung.

Das erste Tier, das nachgewiesenermaßen an einer West-Nil-Infektion in Deutschland gestorben ist, war im August 2018 ein Bartkauz aus dem Zoo Halle/Saale. Insgesamt wurde diese anzeigepflichtige Tierseuche seither in Deutschland 14 Mal registriert, bei zwölf Vögeln und zwei Pferden, wie Ziegler erläutert. Einige Tiere überlebten.

West-Nil-Virus: Nachweise in Deutschland in Sachsen-Anhalt, Südbrandenburg und Nordsachsen

Das Virus vermehrt sich nach ihren Worten in den Stechmücken umso schneller, je wärmer die Umgebung ist. Habe das Virus zur Vermehrung 2017 im Schnitt noch 17 bis 21 Tage gebraucht, seien es im warmen Sommer 2018 in Mitteldeutschland oft nur 12 bis 14 Tage gewesen. Die WNV-Nachweise hätten sich 2018 auf die wärmsten Regionen konzentriert - auf Sachsen-Anhalt, Südbrandenburg und Nordsachsen.

Über 2.000 West-Nil-Virus-Infizierte in Süd- und Osteuropa

In Deutschland ist bisher kein Mensch an einer WNV-Infektion durch einen Mückenstich erkrankt. Allerdings infizierte sich ein Tierarzt in Bayern wahrscheinlich bei der Obduktion eines Vogels, er erkrankte nicht schwer. In Süd- und Osteuropa starben im vorigen Jahr 181 Menschen an einer WNV-Infektion, mehr als 2.000 erkrankten. Wie sich das Virus in Deutschland in diesem Jahr verbreiten wird, sei noch völlig offen, sagt Ziegler. Reisinger erwartet in den kommenden Jahren keinen größeren Ausbruch, geht aber von "gehäuften Einzelfällen" bei Menschen aus.

Gesundheitsbehörden, Veterinärämter, Tierärzte und Jäger in Deutschland wurden nach Angaben der Virologin im Hinblick auf den Erreger sensibilisiert. So seien Jäger gebeten worden, totes Federwild zu melden und einzuschicken. Weiterhin sollen neurologisch erkrankte Pferde möglichst auf das WNV untersucht werden.

fka/sba/news.de/dpa

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