Von news.de-Redakteurin - 26.08.2018, 14.22 Uhr

Kokosöl besser als Palmöl?: Deshalb schmiert das Trendöl so richtig ab

Kokosöl liegt im Trend. Es soll eine gesündere und nachhaltigere Alternative zu Palmöl sein. Doch der Schein trügt. Kokosnussöl hat sogar in mehrfacher Hinsicht negative Auswirkungen. Das sollten Sie wissen.

Kokosöl wird aus dem Kopra, dem weißen Fruchtfleisch der Kokosnuss, gewonnen.  Bild: Fotolia/Tim UR

Kokosöl kursiert oft und gern als Alternative für Palmöl. Denn das ist in den vergangenen Jahren in Verruf geraten: Zu ungesund und alles andere als nachhaltig, ja sogar eine ökologische Katastrophe. Da scheint Kokosöl gerade willkommen für das gute Gewissen. Aber weit gefehlt. Denn Kokosnussöl steht bei genauerer Betrachtung gar nicht gut da.

Kokosöl gesund? Was ist dran an dem Trendöl?

Kokosöl liegt als vegane und laktosefreie Alternative zu anderen Ölen und Fetten im Trend. Es soll leicht verdaulich sein, gilt als Schlankmacher und ist reich an Vitaminen, Spurenelementen und Aminosäuren. Aber es findet nicht nur innerlich Anwendung, sondern ebenso äußerlich. Im Internet kursieren unzählige Rezepte für die Haar- und Hautpflege mit Kokosöl. Trockene Haut soll es lindern, das Haarwachstum anregen und gegen Schuppen helfen.

Von wegen Schlankmacher! Gesättigte Fettsäuren machen Kokosöl zum Risikofaktor

Aber Kokosöl hat eben nicht nur Vorteile. Größter Minuspunkt sind gesättigte Fettsäuren, die in dem Öl enthalten sind - und das nicht gerade wenig. Während Schweineschmalz nur auf 39 Prozent und Butter auf 63 Prozent gesättigte Fettsäuren kommt, sind es im Kokosnussöl 82 Prozent. Bereits im Oktober 2016 warnte die British Nutrition Foundation davor, zu große Mengen Kokosöl zu sich zu nehmen. Eine Studie, die die American Heart Association (AHA) 2017 veröffentlicht hat, rät sogar gänzlich davon ab.

Kokosnussöl erhöht Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Eigentlich soll Kokosöl Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen. Problematisch ist allerdings der hohe Anteil an gesättigten Fettsäuren, genauer gesagt Laurinsäure. Die erhöht nachweislich das LDL-Cholesterin, das als schlechtes Cholesterin gilt. Es verursacht Gefäßverkalkung (Arteriosklerose), was wiederum das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöht. Sowohl die AHA als auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfehlen, gesättigte durch ungesättigte Fettsäuren auszutauschen.

Schlimmer als Palmöl! Herstellung von Kokosöl zerstört den Regenwald

Neben den gesundheitlichen Aspekten spielt zudem der Anbau eine große Rolle für die Negativbilanz von Kokosöl. Kokospalmen werden vornehmlich in Regenwaldgebieten in Indonesien, Indien, Tansania, Brasilien, auf den Philippinen, Sri Lanka und Papua Neuginea angebaut. Nicht nur, dass dafür überhaupt Regenwald abgeholzt wird, es wird mehr gerodet. Ilka Petersen der Umweltschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) erklärt im Gespräch mit Deutschlandfunk, dass der Anbau für Kokosöl noch fataler ist als der für Palmöl. Während man pro Hektar Anbaufläche 3,3 Tonnen Palmkernöl erwirtschaftet, sind es auf derselben Fläche nur 0,7 Tonnen Kokosöl. Das wird aus dem sogenannten Kopra, dem getrockneten Fruchtfleisch der Kokosnuss gewonnen. Eine Kokospalme liefert im Jahr etwa 10 bis 20 Kilogramm Kopra, wie "regenwald.org" erklärt.

Orang Utans und Sumatra-Tiger werden verdrängt

Rettet den Regenwald e.V. weist darauf hin, dass mit der erhöhten Nachfrage nach Kokosöl auch der Anbau von Monokulturplantagen steigt, ähnlich wie bei Palmöl. Es würden noch mehr Flächen gebraucht und Regenwald dafür gerodet werden. Das hätte ebenfalls Auswirkungen auf die Biodiversität der erzeugenden Länder. Tierarten würde aus ihrem natürlichen Lebensraum verdrängt werden, etwa Orang Utans oder Sumatra-Tiger.

Kokospalmen-Anbau setzt Kleinbauern unter Druck

Hinzukommt, dass Kokosöl vom Erzeuger zum Verbraucher nach Europa große Strecken zurücklegen muss, was hohe CO2-Emissionen verursacht. Neben den ökologischen Bedenken kommen noch soziale hinzu. Das betrifft in erster Linie die Kokosbauern, die durch den Handel unter Druck geraten. Sie können von ihren Erträgen kaum leben und ihre Gewinne gehen überwiegend an die Zwischenhändler ab. Auf den Philippinen leben 60 Prozent der Kokosbauern unter der Armutsgrenze, wie Ilka Petersen erklärt.

Alternativen zu Kokosöl: Heimische Öle sind deutlich gesünder

Dabei gibt es durchaus heimische und gesündere Alternativen zu Kokosöl. Rapsöl etwa enthält nur zehn Prozent gesättigte und 90 Prozent ungesättigte Fettsäuren - quasi das umgekehrte Verhältnis von Kokosöl. Die Stiftung Warentest empfiehlt stattdessen andere Öle, neben Raps- auch Oliven-, Walnuss- oder Leinöl, die mehr einfache und ungesättigte Fettsäuren liefern.

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kad/kns/news.de

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