Masern Deutschland 2017
Masern-Ausbruch! Wie oft muss man sich impfen lassen?

Es ist nur ein kleiner Pieks, doch noch immer lassen sich in Deutschland zu wenig Menschen gegen Masern impfen. Vor allem für Babys kann das sehr gefährlich werden. Impfungen können vor Ansteckung schützen.

Impfungen schützen vor gefährlichen Krankheiten. Doch die Deutschen sind impffaul. Bild: dpa

Das Berliner Robert Koch-Institut (RKI) rechnet in Deutschland für 2017 mit einem größeren Masern-Problem als im Vorjahr. "Wir befürchten, dass es in diesem Jahr wieder mehr Masernfälle geben wird", sagte Dorothea Matysiak-Klose, RKI-Expertin für Impfprävention. Bereits jetzt wurden 331 Fälle in Deutschland registriert. 2016 waren es insgesamt 326.

Masern 2017 auf Vormarsch - Fehlende Impfungen begünstigen Infektionen

Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit. Die Infektion ist hochansteckend und schwächt das Immunsystem. In seltenen Fällen endet sie sogar tödlich.

"Im Moment verbreiten sich Masern vor allem innerhalb von Familien. Aber auch Schulen sind betroffen", sagt die Expertin. Grund dafür seien vor allem Impflücken bei Kleinkindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Nur wenn die Immunität in einer Region hoch sei, habe das Virus schlechte Chancen. Dieser gemeinsam erzeugte Schutz bewahre dann auch Menschen vor Ansteckung, die aus unterschiedlichen Gründen nicht oder noch nicht geimpft werden konnten.

Kleinkinder können erst ab neun Monaten immunisiert werden. Deshalb sind Impfungen oder eine durchgemachte Erkrankung vor einer Schwangerschaft wichtig. Denn Schwangere, die selbst keinen Schutz gegen Masern haben, können ihn auch nicht weitergeben. Immunisierte Mütter sorgen hingegen in den ersten Monaten für einen Nestschutz bei ihren Babys. Während der Schwangerschaft darf nicht mehr gegen Masern geimpft werden.

Robert-Koch-Institut gibt Impfempfehlung für Kinder in Deutschland

Eine zweite Masern-Impfung sollte bis zum Ende des zweiten Lebensjahrs erfolgen. Allerdings sind nach RKI-Angaben nur rund 70 Prozent der Zweijährigen in Deutschland auch zweimal geimpft. Wünschenswert wären 95 Prozent. Bis zum Schulbeginn holen Eltern die Immunisierung oft nach - nach Meinung der Experten zu spät. Wie groß die Impflücken in Deutschland sind, zeigte sich zuletzt 2015. Mit über 2400 Masernfällen bundesweit war das ein Ausnahmejahr - der höchste Wert seit 2002. In Deutschland schwanken die Zahlen der Masernfälle sehr stark, so gab es 2004 nur 123 registrierte Erkrankungen.

Ein löchriger Impfschutz in der Bevölkerung wird auch sichtbar, wenn Masern aus anderen Ländern eingeschleppt werden. In einer ausreichend immunisierten Bevölkerung wäre eine große Ansteckungswelle nicht möglich. Nach RKI-Einschätzung wäre es bei dieser Lage sinnvoll, bei Kinderimpfungen den Masern-Status der Eltern gleich mit zu überprüfen - und Impfungen bei fehlendem Schutz nachzuholen. Bei jungen Erwachsenen wäre es empfehlenswert, sie bei Arztbesuchen nach dem Masern-Impfstatus zu fragen und ebenfalls nachzuimpfen, zum Beispiel beim Frauenarzt.

Kommt nun die gesetzliche Impfpflicht?

Das Problem mit den heutigen Lücken liegt auch an alten Impfempfehlungen. Für die Jahrgänge 1973 bis 2001 war zum Beispiel nur eine Masern-Impfung vorgeschrieben. Die zweite sollte nach dem heutigen Wissensstand bei Menschen, die nach 1970 geboren sind, nachgeholt werden.

Die hohe Anzahl an Masern-Infektionen löst erneute eine Debatte über eine gesetzliche Impfpflicht in Gang. "Alle tragen gemeinsam Verantwortung dafür, die Masern auszurotten", sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) gegenüber der "Bild"-Zeitung. "Impfungen gehören zu den wirksamsten Mitteln, um gefährlichen Infektionskrankheiten vorzubeugen und unsere Gesundheit und die unserer Mitmenschen zu schützen."

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bua/kad/news.de/dpa

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