Chirurgen warnen
Pflegemangel! OPs im Krankenhaus werden immer gefährlicher

Die Medizin entwickelt sich unaufhaltsam weiter. Trotzdem könne es bald erhebliche Defizite ind er Patientenversorgung geben, warne deutsche Chirurgen. Grund dafür sei jedoch nicht die Technik und Entwicklung.

Rund 6000 Teilnehmer wollen beim 134. Chirurgenkongresses (21. März bis 24. März) in München unter anderem über neue OP-Techniken und die Weiterentwicklung ihres Faches diskutieren. Bild: dpa

Chirurgen warnen davor, dass ein Mangel an Pflegekräften Behandlungserfolge gefährden könnte. "Trotz der enormen Fortschritte in der Chirurgie gibt es in Deutschland erhebliche Defizite in der Patientenversorgung", sagte Tim Pohlemann, Präsident des 134. Chirurgenkongresses (21. März bis 24. März) in München. Auf dem Kongress wollen rund 6000 Teilnehmer unter anderem über neue OP-Techniken und die Weiterentwicklung ihres Faches diskutieren. Patienten würden immer schlechter vor- und nachversorgt. "Das entscheidet auch über eine höhere oder geringere Komplikationsrate." Je öfter Pfleger den Patienten sähen, desto eher bemerkten sie eine negative Entwicklung.

Chirurgen warnen vor Gefahr für OP-Erfolge durch Pflegemangel

Nicht zuletzt der demografische Wandel mit immer älteren Patienten erfordere eine stärkere Betreuung. Dem stehe die pauschale Vergütung entgegen. Denn für jedes Krankheitsbild gibt es eine Fallpauschale - unabhängig davon, wie behandelt wird und wie aufwendig die Versorgung ist. Das System müsse flexibler dem Einzelfall angepasst werden. "Unsere Forderung ist, dass wir für jeden Betreuungsbedarf den geeigneten Honorierungsschlüssel bekommen."

Prof. Tim Pohlemann, Direktor der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des Universitätsklinikum des Saarlandes. Bild: dpa

"Die Pflege ist der größte Kostenfaktor in einem Krankenhaus"

Untersuchungen belegten, dass Deutschland bei der Personalausstattung in Kliniken im internationalen Vergleich abfalle. "Die Pflege ist der größte Kostenfaktor in einem Krankenhaus." Folglich werde hier immer weiter gespart. Auf einen Pfleger oder eine Schwester kämen hierzulande 8 bis 14 Patienten, in Skandinavien liege das Verhältnis bei 1:3 bis 1:5.

Deutschland liegt bei Gesundheitsversorgung in Europa vorne

Dabei stehe die Gesundheitsversorgung in Deutschland nach einer neuen Studie des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV) an der Spitze in Europa. Das deutsche Gesundheitssystem biete seinen Versicherten im europäischen Vergleich die kürzesten Wartezeiten, den schnellsten Zugang zu innovativen Arzneimitteln, die freie Arztwahl sowie einen umfangreichen Leistungskatalog. Das geht aus einer Untersuchung des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Termine beim Facharzt werden schnell vergeben

Demnach erhalten 76 Prozent der Patienten hierzulande am selben Tag der Anfrage oder am nächsten Tag einen Arzttermin. In häufig mit Deutschland verglichenen Staaten liege diese Quote darunter: in den Niederlanden bei 63 Prozent, in Schweden bei 58 Prozent oder in Frankreich bei 57 Prozent. Auf einen Termin beim Facharzt müssten in Deutschland nur drei Prozent der Befragten zwei Monate oder länger warten. In den Niederlanden seien es sieben Prozent, in der Schweiz neun Prozent und in Norwegen 28 Prozent.

Innovative Medikamente am schnellsten in Deutschland zugelassen

Bei innovativen Arzneimitteln vergehen demnach in Deutschland zwischen Zulassung und Markteinführung 3,5 Monate, in Großbritannien sind es 3,9, in den Niederlanden 9,7 und in Spanien fast 16 Monate.

Ein Indiz für die Zufriedenheit der Patienten mit ihrem Gesundheitssystem sind Behandlungen im Ausland. Im europäischen Vergleich variiere die Bereitschaft, zur medizinischen Behandlung ins Ausland zu reisen, sehr stark. In den Niederlanden ist sie nach der Studie mit 66 Prozent der Befragten am höchsten und in Deutschland mit 11 Prozent am niedrigsten.

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grm/news.de/dpa

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