Prostatakrebs: "Früh erkannt ist fast immer heilbar"

Die Diagnose Prostatakrebs ist für jeden Mann ein Schock. Doch wird der Tumor früh erkannt, stehen die Heilungschancen gut. Welche Früherkennungsmaßnahmen unerlässlich sind und welche Behandlungsmethoden es gibt, lesen Sie hier.

Vorsorge schützt gegen Prostatakrebs. Bild: MonkeyBusiness - fotolia.com

Rund 65.000 Männer erkranken jedes Jahr an Prostatakrebs. Nach dem ersten Schock über die Diagnose stehen für sie wichtige Fragen im Raum: Wie geht es nun weiter? Welche Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung? Wie wird die Krankheit mein Leben verändern?

Informationen über die Erkrankung und das Leben mit Prostatakrebs geben Männern mehr Sicherheit im Umgang mit der Diagnose. Wie ein Prostatakarzinom heute behandelt werden kann, wie ein aktives und erfülltes Leben trotz der Erkrankung möglich ist und wie sie sich durch regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen gut behandeln lässt, darüber informierten die Experten am Lesertelefon zum Weltmännertag 2015. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Nachlesen.

Ab welchem Alter sollte ich zur Prostata-Früherkennungsuntersuchung gehen?

Dr. med. Eva Hellmis: Um Veränderungen an der Prostata so früh wie möglich zu entdecken, sollte jeder Mann ab dem 45. Lebensjahr regelmäßig zur Früherkennung gehen. Bei familiärer Vorbelastung ist das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, um das zwei- bis vierfache erhöht. Kommt ein Prostatakrebs bei einem Verwandten ersten Grades vor, zum Beispiel bei Bruder oder Vater, empfiehlt sich eine intensivere und frühzeitigere Vorsorge bereits ab dem 40. Lebensjahr.

Wie verläuft die Früherkennungsuntersuchung?

Dr. Hellmis: Die gesetzlich geregelte Früherkennung umfasst ein Gespräch mit dem Arzt, in dem dieser nach Beschwerden oder Symptomen fragt. Anschließend untersucht er die äußeren Geschlechtsorgane und Lymphknoten in der Leistengegend und tastet die Prostata vom Enddarm aus ab. Dabei führt er den behandschuhten Zeigefinger ein und tastet vorsichtig die Rückseite der Prostata ab. Ultraschalluntersuchungen sowie Bluttests sind in der gesetzlichen Früherkennung nicht enthalten. Da die meisten Tumorerkrankungen im Frühstadium keine Symptome verursachen, ist eine sinnvolle Erweiterung der Früherkennung durch Ultraschalluntersuchungen sowie bestimmte Blut- und Urintests empfehlenswert.

Mein Arzt hat mir einen PSA-Test empfohlen...

Dr. Hellmis: Der PSA-Wert wird über eine Blutentnahme bestimmt. Die Abkürzung PSA steht für "Prostata-spezifisches Antigen", ein Eiweiß, das von den Prostatazellen gebildet wird. Es ist normalerweise nur in sehr geringen Mengen im Blut vorhanden. Der Wert ist abhängig von der Größe der Prostata und individuell unterschiedlich. Ein erhöhter PSA-Wert kann schon in einem frühen Stadium der Erkrankung einen Hinweis auf eine bösartige Veränderung der Prostata liefern, wo andere Verfahren wie zum Beispiel Tastuntersuchungen und Ultraschall versagen. Der PSA-Test im Rahmen der Früherkennung ist normalerweise eine sogenannte IGeL-Leistung, also eine individuelle Gesundheitsleistung. Die Kosten hierfür werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt unbedingt über die möglichen Folgen von positiven oder negativen Testergebnissen, bevor Sie sich dafür entscheiden.

Was sagt der PSA-Wert aus und wie oft soll er bestimmt werden?

Dr. Hellmis: Der PSA-Wert liefert uns zwei Hinweise: Ist der absolute Wert hoch – der Grenzwert liegt derzeit bei 4,0 ng/ml – oder steigt der individuelle PSA-Wert im zeitlichen Verlauf schnell an, könnte ein Prostatakarzinom der Grund dafür sein. Aber es gibt auch andere, harmlose Gründe für einen PSA-Anstieg, zum Beispiel eine gutartige Vergrößerung der Prostata und eine akute oder chronische Infektion. Sinnvoll ist der Test ab einem Alter von 45 Jahren, bei erhöhtem Risiko bereits ab dem 40. Lebensjahr. Wie oft der Test wiederholt werden sollte, richtet sich nach dem Testergebnis. Wird ein Wert über 2 ng/ml gemessen, sollte jährlich kontrolliert werden. Für Männer über 70 Jahre und einem PSA-Wert unter 1ng/ml wird eine weitere PSA-gestützte Früherkennung nicht empfohlen.

Mit welcher Sicherheit kann eine Früherkennungsuntersuchung die Prognose bei Prostatakrebs verbessern?

Dr. med. Thomas Schneider: Wenn Krebserkrankungen frühzeitig erkannt und behandelt werden, bestehen oftmals gute bis sehr gute Heilungsaussichten. Auch beim Prostatakrebs gilt: Früh erkannt ist fast immer heilbar. Bei Männern ist Prostatakrebs die zweithäufigste Todesursache überhaupt. Ab 60 ist die Wahrscheinlichkeit, an einem Prostatakarzinom zu sterben, am höchsten. Das Risiko wird durch die Früherkennung erheblich reduziert.

Gibt es typische Anzeichen für einen Prostatakrebs oder entsteht er immer unbemerkt?

Dr. med. Jörg Klier: Typische Symptome, die frühzeitig auf einen bösartigen Prostatatumor hinweisen, gibt es nicht. In den Anfangsstadien treten häufig gar keine Beschwerden auf. Sie zeigen sich meist erst, wenn die Geschwulst schon so weit fortgeschritten ist, dass sich Tochtergeschwülste, also Metastasen, außerhalb der Prostata gebildet haben. Dies kann unter anderem zu Störungen bei der Blasenentleerung oder zu Knochenschmerzen führen. Meist ist es zu diesem Zeitpunkt für eine kurative, also heilende, Therapie zu spät.

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