Lesertelefon zu Schlaganfall und Herzinfarkt: Schutz für Herz und Hirn

Herzinfarkt und Schlaganfall sind nach wie vor die häufigsten Todesursachen und dies häufig schon im mittleren Alter. Doch etliche dieser Fälle wären mit rechtzeitigen und wirksamen Präventionsmaßnahmen vermeidbar. Wie man seine Risiken erkennen und im Griff behalten kann, wurde am Expertentelefon verraten.

Verantwortlich für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist Arteriosklerose, auch Arterienverkalkung genannt. Dabei entstehen an den Gefäßwänden Ablagerungen aus Fett und Kalk, die sie dicker und unelastischer werden lassen und den Durchmesser der Arterien verringern. Brechen solche Plaques auf, bildet sich ein Blutgerinnsel – die Ader kann verstopfen, und ein Herzinfarkt oder Schlaganfall eintreten. Als wichtigste Ursachen für die schleichende Verengung der Gefäße gelten Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen, Stress und in erster Linie Störungen im Fettstoffwechsel, hier vor allem erhöhte LDL-Cholesterinwerte. Doch kann man erhöhte Cholesterinwerte beeinflussen oder sind sie eher genetisch bedingt?

Wie kann man Herzinfarkt und Schlaganfall vorbeugen?

Zu den ärztlichen Empfehlungen, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen, gehören der Verzicht auf das Rauchen, das Vermeiden von Übergewicht, eine gesunde Ernährung und vor allem ausreichend Bewegung. Das gilt auch für ältere, gesundheitlich vorbelastete Menschen. Beim Thema Ernährung ist unter anderem eine gute Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren wichtig. Diese sind vor allem in Kaltwasserfischen wie Lachs, Makrele und Thunfisch enthalten, aber auch in bestimmten Pflanzenölen wie Soja-, Raps- oder Walnussöl sowie in Brokkoli. Dennoch muss man auf Leckereien wie Butter, Wurst oder Eier nicht komplett verzichten. Weitere Informationen gaben die Experten am Expertentelefon. In einer neuen Runde des Lesertelefons beanworteten folgende Experten die zahlreichen Fragen der interessierten Anrufer:

Dr. med. Peter Bosiljanoff, Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Nuklearmedizin in einer Gemeinschaftspraxis in München. Schwerpunkte: Prävention und Behandlung von Gefäßerkrankungen, Arteriosklerose, Lipidologie
Dr. med. Holger Leitolf, Facharzt für Innere Medizin, Oberarzt in der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie sowie Leiter der Lipidambulanz der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH)
PD Dr. med. Friedhelm Späh, Facharzt für innere Medizin und Kardiologie, Leitender Oberarzt in der Abteilung für Kardiologie des Helios Klinikums Krefeld. Schwerpunkte: Herzkatheterdiagnostik, Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Dr. med. Tobias Wiesner, Facharzt für Innere Medizin, Internist am MVZ Stoffwechselmedizin Leipzig. Schwerpunkte: Diabetologie und Endokrinologie

Die wichtigsten Fragen der Telefonaktion im Überblick

Meine Eltern hatten immer Übergewicht, sind aber mit über 80 noch gesund. Liegt es nicht doch eher an den Genen, ob man einen Herzinfarkt bekommt?

Dr. med. Peter Bosiljanoff: Das individuelle Zusammenwirken von genetischen Faktoren und beeinflussbaren Risikofaktoren macht das Ergebnis aus. Es gibt auch sehr alte Kettenraucher, die den bekannten Komplikationen bis ins neunte Lebensjahrzehnt ausweichen können. Das ist aber nicht der Normalfall. Insofern sollte den Risikoeinschätzungen und den daraus abzuleitenden ärztlichen Empfehlungen Folge geleistet werden.

Ich habe mein Cholesterin bestimmen lassen, aber so richtig verstehe ich die ganzen Werte nicht. Was bedeuten LDL, HDL und Triglyzeride?

Dr. Bosiljanoff: LDL und HDL sind Abkürzungen für die in den Körperzellen - vor allem in der Leber - gebildeten sogenannten Lipoproteine. Das sind relativ große Transportkörper mit Hunderten von Molekülen wie Proteinen, Enzymen und Vitaminen, die eben auch Cholesterin und Triglyzeride enthalten. Diese Transportkörper gibt es in verschiedener Form, etwa als LDL (Low Density Lipoprotein) und HDL (High Density Lipoprotein). Die Triglyzeride (Neutralfette) selbst sind Fettkörper, die aus Glycerin und drei angehafteten Fettsäuren bestehen. LDL-Cholesterin ist im Übermaß schädlich und wird daher häufig als «schlechtes» Cholesterin bezeichnet, während HDL-Cholesterin eher positive Effekte hat.

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Meine Mutter bekommt seit einiger Zeit ein Statin gegen ihren zu hohen Cholesterinspiegel, das sie aber schlecht verträgt. Gibt es Alternativen?

Dr. med. Holger Leitolf: Hier müsste man zunächst genau überprüfen, welches Statin in welcher Dosis nicht vertragen wird. Die sehr seltenen, aber möglichen Nebenwirkungen sind von Patient zu Patient verschieden und sowohl präparat- als auch dosisabhängig. Oft ist durch eine Verringerung der Dosis, einen Wechsel auf ein anderes Statin oder den Einsatz von Kombinationspräparaten eine verträgliche Therapie möglich. Bei Unverträglichkeit gegen alle verfügbaren Statine können Medikamente sinnvoll sein, die die Cholesterinaufnahme aus dem Darm beeinflussen und so eine Absenkung des Cholesterinspiegels bewirken.

Ich bin weiblich, 46, normalgewichtig und lebe gesund. Trotzdem ist mein Cholesterin zu hoch. Kann das sein, und muss ich nun Medikamente nehmen?

Dr. Leitolf: Die Höhe der Cholesterinwerte hängt nur zum Teil von der Zufuhr über die Nahrung ab und wird überwiegend von der körpereigenen Cholesterinproduktion in der Leber bestimmt. Daher können auch normalgewichtige Patienten mit völlig tadelloser Ernährung erhöhte Cholesterinwerte haben. Ab einer bestimmten Höhe sollte man bei solchen Menschen prüfen, ob eine erblich bedingte Fettstoffwechselstörung (familiäre Hypercholesterinämie) vorliegt. Dann ist eine Behandlung notwendig, um spätere Gefäßschäden zu vermeiden.

Mein Mann ist Diabetiker und seine Zuckerwerte sind gut eingestellt. Hat er trotzdem ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko?

Dr. Leitolf: Diabetiker haben ein deutlich erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko, das nicht nur vom Zuckerstoffwechsel abhängt. Mindestens genauso bedeutsam ist eine sorgfältige Behandlung der Cholesterinwerte und eines eventuell erhöhten Blutdrucks. Auf das Rauchen muss unbedingt verzichtet werden. Falls ein Übergewicht besteht, sollte auch der Versuch unternommen werden, dieses abzubauen. Das erhöhte Herz-Kreislauf-Risiko eines Diabetikers kann nur durch eine gleichzeitige Beachtung und gegebenenfalls Behandlung aller Risikofaktoren verringert werden.

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Ich bin 67 und Risikopatient. Mein Arzt sagt, ich soll Sport treiben. Ist es denn nicht gefährlich für mein Herz, wenn ich mich zu sehr anstrenge?

Dr. Späh: Gerade bei über 65-Jährigen führt regelmäßige körperliche Aktivität zu einer beachtlichen, über 30-prozentigen Abnahme der Sterblichkeit. Die beste Wirkung bei erhöhtem Blutdruck, erhöhtem Blutzucker oder Cholesterin hatte bei untrainierten Menschen nicht Leistungssport, sondern moderate körperliche Aktivität. Also tägliches Treppen steigen statt Aufzug fahren; weniger sitzen; mehrfach in der Woche Ausdauertraining wie Wandern, Radfahren oder Schwimmen, dazu vielleicht Tennis oder Golf, aber auch dosiertes Krafttraining und Dehnungsübungen. Nach und nach verbessert sich die Lebensqualität: durch eine bessere Belastbarkeit, höhere körperliche Fitness, mehr Zufriedenheit und Wohlbefinden.

Für eine herzgesunde Ernährung wird immer Fisch empfohlen. Den mag ich aber überhaupt nicht. Was kann ich denn stattdessen essen?

Dr. Späh: Fisch wie Lachs, Makrele und Thunfisch ist eine wichtige Quelle für Jod und Vitamin D, aber vor allem für Omega-3-Fettsäuren, die vom menschlichen Organismus nicht selbst hergestellt werden können. Doch auch bestimmte Pflanzenöle wie Sojaöl, Rapsöl oder Walnussöl enthaltenviele Omega-3-Fettsäuren. Auch Brokkoli ist ein guter Lieferant. Es genügt, zwei- bis dreimal pro Woche einen großen Salat mit Walnussöl oder Brokkoli in den Speiseplan einzufügen. Eine weitere Möglichkeit ist die Einnahme von Lachsölkapseln, die in der Regel ein Gramm Omega-3-Fettsäuren enthalten - einen ausreichenden Tagesbedarf. Jod und Vitamin D können bei Bedarf ebenfalls durch Tabletten ergänzt werden.

Mein Sohn ist Mitte 40, beruflich sehr erfolgreich, aber ständig im Stress und kommt nie zur Ruhe. Ist sein Herz in Gefahr, und was kann man dagegen tun?

Dr. med. Tobias Wiesner: In den letzten Jahren sind etliche Studien veröffentlicht worden, die zeigen, dass Stress zu ganz erheblichen Komplikationen am Herzen führen kann. Inzwischen wird angenommen, dass er einer der größten Risikofaktoren für Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist. Leider lassen sich die Ursachen von Stress nicht immer beheben, jedoch sollten alle Möglichkeiten genutzt werden, ihn zu minimieren, zum Beispiel durch Sport. Bereits 30 bis 60 Minuten Training können zu einer deutlichen Entspannung führen und auch den Schlaf positiv beeinflussen. Die wenigen Entspannungszeiten sollten außerdem nicht mit Fernsehen verbracht werden. Medikamente, die beruhigen oder Stressgefühle unterdrücken, sind nicht optimal und haben häufig nicht unerhebliche Nebenwirkungen. Stattdessen sollte man es lieber mit Entspannungstechniken versuchen.

Ich möchte möglichst gesund leben und auch auf meine Cholesterinwerte achten. Aber woher weiß ich, welcher Wert für mich richtig ist?

Dr. Wiesner: Ein guter Ansprechpartner ist immer der Hausarzt. Er kennt nicht nur Ihre Cholesterinwerte, sondern weiß auch, welche weiteren Erkrankungen bei Ihnen vorliegen. Denn wie hoch das LDL-Cholesterin sein darf, hängt von Ihrem individuellen Risikoprofil ab. Der Hausarzt und bei kritischen Werten gegebenenfalls auch ein Fettstoffwechselspezialist können dann den individuellen Zielwert aufgrund von Leitlinien und mit Hilfe von Risikokalkulatoren mit dem Patienten festlegen.

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loc/news.de/djd

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