Gepanschtes Wasser So dreist wird der Verbraucher belogen

Lebensmittel-Lügen
Mirabellentee ohne Mirabellen, Hackfleisch ohne Hack
Zum vierten Mal hatte die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch zur Wahl des Goldenen Windbeutels für die dreisteste Lebensmittel-Lüge aufgerufen. (Foto) Zur Fotostrecke

Schales Ergebnis entlarvt Verbrauchernepp: Die Stiftung Warentest hat 25 aromatisierte Wässer getestet. Das Fazit ist wenig geschmackvoll, eher ernüchternd. Statt echten Früchten sind nur Aromen und Zucker in den Erfrischungsgetränken enthalten.

Fruchtig-erfrischend: Wasser mit dem Geschmack von Erdbeeren, Äpfeln oder Zitronen erfreut sich größter Beliebtheit. Besonders Kinder lieben die fruchtigen Getränke. Doch wer glaubt, sich und seiner Familie damit etwas Gutes zu tun, der irrt. Denn statt frischen Früchten sind lediglich Kunstaromen und Zucker in den Wässern enthalten.

Von den bunten Abbildungen frischer, reifer Früchte auf dem Etikett sollten Verbraucher sich also nicht blenden lassen: In aromatisierten Wassersorten finden sich keine echten Fruchtnoten, sondern oft nur Kunstaromen. Zu diesem Ergebnis kommt die Zeitschrift test (Ausgabe 5/2013) nach einer Untersuchung von 25 Wässer in acht Geschmacksrichtungen.

Die Verpackung suggeriere Verbrauchern, dass das Aroma tatsächlich von Äpfeln, Zitronen und Beeren stamme, sagte test-Chefredakteurin Anita Stocker in Berlin bei der Vorstellung der Analyse. «Das ist irreführend: Volle Frucht, nennenswerten Fruchtsaft oder Fruchtmarkt enthält keines der Getränke

Aroma ist nicht gleich Aroma - Verbraucher müssen auf der Hut sein

«Meist ist nicht drin, was draufsteht. Dafür ist aber drin, was nicht draufsteht», kritisierte Stocker. Überwiegend sei bei den Inhaltsstoffen nur «natürliches Aroma» angegeben, ergänzte Birgit Rehlender, Projektleiterin für Lebensmitteluntersuchungen bei der Stiftung Warentest. In diesem Fall müsse der Geschmack aber gar nicht aus dem Apfel stammen, sondern könne aus anderen pflanzlichen oder tierischen Rohstoffen hergestellt sein.

Anders sieht es aus, wenn als Zutat «Apfelaroma» vermerkt ist: In diesem Fall müsse das Aroma zu 100 Prozent aus der Frucht stammen, bei «natürlichem Apfelaroma» zu mindestens 95 Prozent aus dem Apfel. Bis auf ein Produkt rochen und schmeckten die Wässer Rehlender zufolge auch nicht fruchttypisch und fehlerfrei, sondern überwiegend aromatisiert und nur fruchtähnlich.

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Schadstoffe in Eiern (Foto) Zur Fotostrecke

Krebserregnde Stoffe statt gesunder Kirscherfrischung

Im Hinblick auf Schadstoffe prüften die Warentester speziell fünf Produkte, die Benzoesäure enthalten. Das ist ein Konservierungsmittel, das dazu führen kann, dass das Getränk mit dem krebserzeugenden und keimzellenschädigenden Benzol belastet ist. In einem Wasser fanden sich laut Rehlender 0,6 Mikrogramm Benzol pro Liter. Der für Trinkwasser geltende Grenzwert liegt bei 1 Mikrogramm pro Liter.

Da alle vier Flüssigkeiten mit Kirschgeschmack im Test in großen Mengen den ähnlich wie Benzoesäure aufgebauten Aromastoff Benzaldehyd enthalten, überprüften die Tester auch diese Produkte auf Benzol.

In einem fanden sie die laut Rehlender «völlig inakzeptable Belastung» von drei Mikrogramm. Die Ergebnisse seien jedoch noch nicht endgültig geklärt und weitere Tests nötig. Die Stiftung wolle die endgültigen Daten so schnell wie möglich online veröffentlichen.

Die Gesamtnote «sehr gut» oder «gut» erhielt kein Produkt, nur sechs waren «befriedigend», fünf bekamen ein «mangelhaft». Fast allen war Zucker zugesetzt, am meisten den Getränken mit Erdbeeraroma. Dadurch können bis zu 200 Kalorien pro Liter enthalten sein. Die Preise pro Liter reichen von 33 Cent beim Discounter bis zu 1,45 Euro für ein Markenprodukt.

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Aromatisiertes Wasser schnell und leicht selber machen

Wasser mit echten Fruchtnoten ist im Handumdrehen selbst zubereitet. Verbraucher können zum Beispiel eine Tasse Früchtetee mit einem Liter kaltem Wasser mischen oder einen Schuss Fruchtsaft ins Wasser geben. Auch ein paar Gurkenstücke und Minzeblätter oder einige Zitronenscheiben und etwas Ingwer, die zehn Minuten im Wasser durchziehen, geben Aroma. Ebenfalls schmackhaft ist die Zugabe von Erdbeeren und Basilikum.

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som/loc/news.de/dpa

Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • Karl-Heinz Kasch
  • Kommentar 6
  • 27.04.2013 13:27

zu3.Gut,sie haben sich damit auseinandergesetzt!Und dann?Jetzt haben sie die Wahl zwischen vergiftetem Gemüse,gepanschtem Öl,belasteten(schönes Wort)Obst,"Betrüger" Eier,kranken Fischen,dreckigem Wein,verfaultem Fleisch,"belastetem" Trinkwasser,genmanipul. Getreide,...Und nun?Jetzt leben sie gesund und vermeiden die Risiken?Okay,dann sind sie 14 Tagen verhungert!Solange wir die Politverbrecher in Berlin dulden und den Versprechungen der korrupten Bande glauben,wird sich nichts ändern.A.Unal(Grüner in NRW) forderte die Streichung der Eidesformel:"Zum Wohle des deutschen Volkes". Noch Fragen?

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  • heinrichIV
  • Kommentar 5
  • 27.04.2013 12:13

Merkt Euch endlich mal, dass wir kein Staat mehr sind, sondern eine eingetragene Finanz-GmbH !!! Und eine solche GmbH kennt kein Volk noch Bürger, sondern nur Konsumenten und muss mit denen Geld verdienen. Will heißen, Profit für die Anbieter machen. Ihr seid nur die notwendigen Arbeitssklaven und Zahlmeister für diese GmbH und werdet manipuliert bis die Ohren tropfen. Ja, so siehts aus in unsrem deutschen Lande und Konsumenten-Paradies. Ihr wollt es ja nicht anders!

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  • Xafir
  • Kommentar 4
  • 26.04.2013 14:40

Die Lebensmittel-Prüfer sind doch volle Lobbysten. Da zählt nur Geld, um die Konsumenten über den Tisch zu ziehen. Alles andere ist für diese Nebensache. Skandale über Sakandale. Der Staat ist endlich gefordert.

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