Lesertelefon Erst beraten, dann impfen lassen

Andere Länder, andere Sitten - und auch andere Krankheiten: Nicht nur bei Fernreisen empfiehlt es sich, über gezielte Reiseimpfungen nachzudenken. Selbst im europäischen Ausland kann der fehlende Impfschutz schwerwiegende Folgen haben. Unsere Experten am Telefon geben Rat.

Reisekrankheit und Gaming Sickness: Spielend gegen den Brechreiz

Vor welchen Reisen sollte ich mich gegen Hepatitis A und B impfen lassen?

Dr. Albrecht von Schrader-Beielstein: Ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit Hepatitis A und B besteht nicht nur bei Fernreisen in tropische Länder, sondern auch im Mittelmeerraum und Teilen Osteuropas. So stammt mehr als die Hälfte der nach Deutschland eingeschleppten Hepatitis-A-Infektionen aus mediterranen Ländern. Planen Sie eine Reise in Regionen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko, empfiehlt die STIKOStändige Impfkommission die Impfung gegen Hepatitis A, bei längerem Aufenthalt und engem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung auch die Impfung gegen Hepatitis B. In Deutschland besteht für alle Säuglinge, Kinder und Jugendlichen eine generelle Impfempfehlung gegen Hepatitis B.

Muss ich mein Kind vor unserer Türkeireise unbedingt gegen Hepatitis A impfen lassen? Ich habe gelesen, dass kleine Kinder sich häufig symptomfrei infizieren und so auf natürlichem Wege eine lebenslange Immunität erwerben...

von Schrader-Beielstein: Bei Kindern verläuft die Erkrankung häufiger symptomfrei als bei Erwachsenen – aber eben nicht immer! Das Restrisiko eines schwereren Krankheitsverlaufs mit mehrwöchiger Gelbsucht besteht. Die Impfung von Kindern unter zehn Jahren gegen Hepatitis A dient außerdem der Vermeidung von Umgebungsinfektionen nach der Rückkehr. Denn wenn sie nur leichte Symptome wie Durchfall entwickeln, geben sie die Infektion oft unbemerkt an Mitglieder ihrer Kindergartengruppe oder Schulklasse weiter – was die komplette Schließung der betroffenen Gruppen durch das Gesundheitsamt zur Folge haben kann. Die Türkei zählt zu den Regionen mit einem hohen Hepatitis-A-Risiko, die türkische Gesundheitsbehörde empfiehlt die Impfung generell für alle Kleinkinder im 18. und 24. Lebensmonat.

Was ist Hepatitis eigentlich genau?

PD Dr. Karl-Heinz Herbinger: Die Hepatitis ist eine Entzündung der Leber. Viren der Typen A bis E können der Auslöser sein. Hepatitis A und E sind akute Formen, die in der Regel vollständig ausheilen. Nur in seltenen Fällen verlaufen sie tödlich. Besonders gefährlich ist die Infektion mit Hepatitis B und C, da hier das Risiko für eine Chronifizierung besteht. Bei der Hepatitis B kommt es bei etwa zehn Prozent der Betroffenen zu einem chronischen Verlauf, die Wahrscheinlichkeit ist umso höher, je jünger der Patient bei Infektion war. Daher ist die Impfung in Deutschland seit 1996 für alle Säuglinge empfohlen.

Bei der Hepatitis C gehen etwa die Hälfte der Infektionen in chronische Formen über. Bei diesen chronischen Verläufen kann es nach Jahren zu Leberversagen infolge einer Zirrhose oder auch zu Leberkrebs mit Todesfolge kommen. Das Hepatitis-D-Virus ist unvollständig und kann nur aktiv werden, wenn es im Körper des Infizierten auf das Hepatitis-B-Virus trifft.

Wie wird Hepatitis übertragen?

Dr. Burkhard Rieke: Hepatitis A und E wird über verunreinigte Nahrungsmittel und Getränke übertragen: Meeresfrüchte, ungeschältes Obst oder unzureichend gegartes Gemüse sowie Eiswürfel in Kaltgetränken sind häufige Infektionsquellen. Hepatitis B, C und D wird über Blut oder bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr übertragen – also wie HIV, aber leichter. Ungeschützter Sex sowie medizinische oder kosmetische Eingriffe am Urlaubsort bergen ein hohes Infektionsrisiko, beispielsweise der Besuch im Nagelstudio.

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