Schlimmer als Krebs Wenn Ärzte rätseln und Therapie nicht lohnt

Pharmaforschung am Pranger: Vier Millionen Deutsche bekommen keine Medikamente gegen ihr Leiden, weltweit sind es Milliarden. Denn die Pharmaindustrie kümmert sich weder um seltene Krankheiten noch um die häufigsten - sie pickt sich die profitablen Rosinen raus.

Pharmaforschung: Vernachlässigte Krankheiten

Die Medizin «kennt» 6000 seltene Krankheiten. Aber eigentlich wird selbst ihre Anzahl grob zwischen 5000 und 8000 geschätzt. Selten heißt, dass von 2000 Menschen nicht mehr als einer daran erkrankt. Aber von diesem «nebensächlichen» Phänomen sind allein in Deutschland vier Millionen Patienten betroffen.

Sie laufen jahrelang verzweifelt von Arzt zu Arzt, ohne eine sichere Diagnose zu erhalten. Denn viele Ärzte sind komplett ratlos, wenn ihnen ein Krankheitsbild begegnet, das sie noch nie gesehen haben. Seltene Krankheiten verlaufen meist chronisch - sind unheilbar und Patienten dauerhaft auf Behandlung angewiesen.

Medikamente suchen die Betroffenen vergeblich, denn sie zu entwickeln, lohnt sich für die Pharmafirmen nicht. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums sind derzeit nur rund 50 Medikamente für alle seltenen Erkrankungen zugelassen. Es gebe einen zu kleinen Abnehmerkreis, um die millionenteure Forschung zu finanzieren. Heilung bleibt die Ausnahme, ein Glücksfall. Selbst für die Behandlung der Symptome fehlt geeignete Arznei.

Werbung der Pharmaforschung hat etwas Zynisches. Denn es geht ihr nur um den schnöden Mammon. Andererseits ist der Weg bis zu einem zugelassenen Medikament tatsächlich Dutzende Millionen Euro teuer. Daher müssen staatliche Zuschüsse die Forschung notdürftig unterstützen und Selbsthilfegruppen den Patienten und Ärzten bei der Diagnose auf die Sprünge helfen.

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Die häufigsten Krankheiten werden vernachlässigt

Immerhin gibt es hier Unterstützung. Weitaus schlimmer ergeht es dem «Rest» der Welt. Die Nonprofitorganisation «Medikamente gegen vernachlässigte Krankheiten» weist darauf hin, dass 90 Prozent der globalen Krankheitslast nahezu komplett ignoriert werden. Lediglich zehn Prozent der Forschung wird für die häufigsten Erkrankungen der Welt aufgewendet.

Während bei uns Krebs die größten Ängste schürt und Herzerkrankungen die Todesursache Nummer eins ist, sterben weltweit die meisten Menschen an gefährlichen Infektionskrankheiten, was zum Beispiel dem Klima, der Armut und der Hygiene geschuldet ist.

Aids und Tuberkulose bilden praktisch die gemeinsame Grenze, da sie den gesamten Erdball bedrohen. Selbst Malaria war vor wenigen Jahrzehnten noch in Südeuropa zu Hause, vor etwas mehr als hundert Jahren sogar in Deutschland und ist heute Thema für Urlauber.

Lesen Sie auf Seite 2, welche neue biblische Plage auf uns zukommen könnte.

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