Falscher Sündenbock Die fette Cholesterin-Lüge 

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Von news.de-Redakteur Frank Willberg
Millionen «Patienten» schlucken Medikamente gegen ihren vermeintlich zu hohen Cholesterinspiegel, obwohl der Zusammenhang mit koronaren Herzkrankheiten nicht bewiesen ist. Cholesterin ist vielmehr lebensnotwendig und gesunde Muttermilch besonders reich daran.

Koronare Herzkrankheiten (KHK) sind Todesursache Nummer eins bei uns. Das ist Fakt. Herzinfarkt & Co. haben Infektionen längst an der Spitze abgelöst. Aber Cholesterin taugt nicht als Buhmann.

Erstens gibt es nur bei Männern bis 45 Jahren zwischen den Werten des LDL-Cholesterinspiegels und der Anzahl der KHK-Erkrankungen einen zahlenmäßig ähnlichen Verlauf - sonst nicht mal das.

Zweitens ist dies nicht mit einem kausalen Zusammenhang zu verwechseln. Denn es gibt auch dort, wo weniger Störche leben, weniger Babys. Wollen wir deshalb den alten Aberglauben wiederbeleben, dass Adebar uns den Nachwuchs bringt?

Zugegebenermaßer sind die Ablagerungen in den Blutgefäßen stark cholesterinhaltig. Aber das macht Cholesterin keinesfalls zum Verursacher. Vielmehr stabilisiert es die Zellwände unserer Körperzellen und ist demnach wichtiger Bestandteil der Membranen.

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Neben Gehirn und Nebennieren braucht das gesunde Herz große Mengen Cholesterin. Ein niedriger Cholesterinspiegel schmählert unsere Gedächtnisleistung. Wahrscheinlich sind gestillte Kinder später intelligenter, weil Muttermilch reicher an Cholesterin ist als Kuhmilch und Babynahrung. Auch der Cholesterinspiegel der Mutter muss erhöht sein, ansonsten steigt das Risiko von Frühgeburt und Untergewicht.

60 Jahre Cholesterin-Lüge 

Der amerikanische Ernährungsforscher Ancel Keys behauptete 1953 den Zusammenhang zwischen Fettkonsum und Tod durch koronale Herzkrankheiten. Allerdings schummelte Keys und veröffentlichte nur die Datensätze, die seine Hypothese stützten.

Daran hat sich bis heute erstaunlicherweise nicht viel geändert. Zumindest ignoriert die Mehrzahl der Kardiologen standhaft, dass es zwischen Cholesterinspiegel und Sterblichkeit keinen Zusammenhang gibt. Selbst wenn Laborwerte sich in einigen wenigen Fällen ändern - zum Beispiel durch Cholesterinsenker - der Gesundheitszustand der «Patienten» bleibt eher unverändert.

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Total vernächlässigt wird außerdem, dass der Einfluss der Ernährung viel geringer ist, als oft angenommen. Eine großangelegte Studie zur Ernährungsumstellung zeigte 2006, dass sich der Cholesterinspiegel binnen acht Jahren lediglich um 2,7 mg/dl senkt.

Dazu kommt, dass unser Organismus 90 Prozent seines Cholesterin-Bedarfs selbst herstellt. Die Aufnahme über die Nahrung macht also nur zehn Prozent aus, und Schwankungen werden entsprechend ausgeglichen.

Die «Patienten» sind gesund!

Der vor zwanzig Jahren festgelegte Grenzwert für Cholesterin im Blut liegt bei 200 mg/dl. Aber damit schob die Cholesterin-Initiative - ein exklusiver Zirkel von 13 Medizinprofessoren - faktisch alle Deutsche in die Risikogruppe. Denn zwei Untersuchungen in Bayern förderten einen Durschnittswert von 245 beziehungsweise 260 Milligramm Cholesterin je Deziliter Blut zu Tage.

Alternative Gesundheitstherapeuten wittern umgehend Betrug und Verschwörung seitens der Pharmaindustrie. Die verdient sich zumindest eine goldene Nase mit Cholesterinsenkern. 2004 waren es 27 Milliarden Dollar. Kein Bereich des Pharmamarktes erzielt weltweit einen höheren Umsatz.

Statine als übliche Cholesterinsenker haben nicht nur einen bestenfalls bescheidenen Effekt, sie haben sogar gefährliche Nebenwirkungen: Muskelbeschwerden, Diabetes Typ 2, Verminderung der Gedächtnisleistung. Warum reduziert die moderne Medizin Gesundheit fahrlässig auf einzelne Laborwerte?

Auch der Blutwert des neuerdings «bösen» LDL-Cholesterins oder das Verhältnis zum «guten» HDL-Cholesterins haben kaum Prognosekraft bezüglich des Infarktrisikos. Der Cholsterinspiegel sollte nicht als Krankheit angesehen und nicht medikamentös bereinigt werden. Er ist ein überbewertetes Schreckgespenst.

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wif/kls/news.de

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