Verbrennungen bei Kindern Die Weihnachtszeit ist mehr als brenzlig

Knisternde Kaminöfen, brennende Kerzen, dampfender Kinderpunsch: So faszinierend die Weihnachtszeit auf Kinder wirkt, so gefährlich ist sie. Verbrennungen und Verbrühungen sind bei ihnen die zweithäufigste Unfallursache. News.de erklärt, wie Sie die Kleinen schützen und Hilfe leisten.

Babybildung: Sicher durchs erste Jahr

Der Haushalt ist besonders zur kalten Jahreszeit ein heißes Pflaster: Jedes Jahr verbrennen oder verbrühen sich mehr als 30.000 Kinder in Deutschland so stark, dass der Arzt kommen muss. Bei 6000 von ihnen ist sogar ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus die letzte Rettung. Und die Zahlen bleiben konstant hoch.

Bereits eine zu heiße Wärmflasche im Bett reiche bei Kleinkindern aus, um sie schwer zu verletzen, warnt die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH). «Sind bei Kindern etwa zehn Prozent der Körperoberfläche verbrannt, kann sie dies bereits in Lebensgefahr bringen», erklärt Dr. Joachim Suß, Chefarzt der Kinderchirurgie am Wilhelmsstift in Hamburg.

Was die Ärzte tagtäglich zu sehen bekommen, beschreibt Dr. Ingo Königs von der Sektion für plastische und rekonstruktive Chirurgie und Brandverletzungen im Altonaer Kinderkrankenhaus: Auf die siebenjährige Carla ergoss sich ein umstürzender Wasserkocher – Verbrennungen dritten Grades waren die Folge. Alle Hautschichten waren so schwer betroffen, dass eine Hauttransplantation unvermeidlich war. Oder beim elf Monate alten Michael: Eine umgekippte Tasse mit heißem Kaffee reichte bei dem Kleinen aus, um 15 Prozent seiner Haut zu verbrühen.

Das Problem: Viele Eltern oder Angehörige unterschätzen Ausmaß und Tiefe der Verletzung beim Nachwuchs. Denn selbst gerötete Haut oder eine Brandblase können gefährlich sein. Wie Suß erklärt, ist bei Kindern im Vergleich zu Erwachsenen die Haut bis zu ein Fünftel dünner. Verbrüht oder verbrennt sich ein Kind, verliert die Haut ihre Schutzfunktion. Es kommt zum massiven Flüssigkeitsverlust, zudem wird der Elektrolythaushalt gestört. Dadurch verliert der Körper deutlich mehr Wärme als es bei Erwachsenen der Fall ist.

Deshalb sollten Suß zufolge die Eltern nach Brühunfällen des Nachwuchses auch im Zweifelsfall immer den Haus- oder Notarzt rufen oder in die Notaufnahme einer Klinik fahren. Denn nur der Arzt kann den Umfang der Verletzung einschätzen und eine Entscheidung über die weitere Behandlung fällen - beispielsweise, ob der Transport in ein Verbrennungszentrum notwendig ist.

Von Eis und Kühlpads die Finger lassen

Doch Angehörige und Betroffene könnten auch selbst Hilfe leisten, bevor der Arzt eintrifft. Suß empfiehlt, die verbrannte Stelle für etwa zehn Minuten mit Wasser zu kühlen. «Das ist sehr wichtig, um das sogenannte Nachbrennen zu verhindern.» Das Wasser dürfe jedoch nicht eiskalt sein, sondern sollte etwa 15 Grad haben. Denn durch den Kältereiz ziehen sich die feinen Gefäße im verletzten Hautareal zusammen. Dadurch kommt die Durchblutung zum Erliegen, was der Haut weiter schaden würde. Aus diesem Grund seien Kühlpads oder gar Eis entgegen landläufiger Meinung völlig ungeeignet und sogar gefährlich. Sinnvoll sei dagegen, feuchte, kühle Handtücher vorsichtig auf die verbannte Haut zu legen. «Aber auch hier nicht übertreiben – Kinder kühlen viel schneller als Erwachsene aus», warnt der Experte. Deswegen zusätzlich den kleinen Patienten immer warm einpacken.

Da die Brand- oder Brühverletzungen sehr schmerzhaft sind, sollten den Kindern Schmerzzäpfchen verabreicht werden. Kleinere, oberflächliche Verletzungen ersten Grades äußern sich durch gerötete Haut, verursachen aber keine Blasen. Sie heilen in der Regel folgenlos innerhalb von drei bis zehn Tagen auch ohne ärztliche Hilfe ab. Alle anderen Brandverletzungen gehören umgehend in die Hand eines Arztes, betont die Fachgesellschaft.

Augen auf im Haushalt

Um solche Unfälle erst gar nicht möglich zu machen, hat das Altonaer Kinderkrankenhaus einen Leitfaden zusammengestellt. Es geht vor allem darum, Gefahrenherde im Haushalt im Keim zu ersticken. Demnach sei ein Herdgitter unverzichtbar, damit die Kleinen nicht auf heiße Kochfelder zugreifen können. Denn die Sprösslinge ziehen sich meist am Herd hoch oder wollen ertasten, was auf der Platte munter vor sich herkocht.

Wer gerade kocht: Wenn Kinder in der Küche sind, immer darauf achten, die hinteren Herdplatten zuerst zu verwenden. Dadurch ist der Gefahrenherd weiter vom Nachwuchs entfernt. Zudem sollten die Pfannenstiele nach hinten gedreht werden. Das Kind könne sich sonst daran festhalten und sich hochziehen wollen.

Wer ein Kind im Arm oder auf dem Schoß hat: Nie etwas Heißes essen oder trinken. Das Kind könne aus Neugier nach dem Geschirr greifen.

Und sei das Kind noch so erkältet: Kochendes Wasser darf nie in Wärmflaschen gefüllt werden. Die Temperatur sollte maximal 50 Grad betragen.

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ham/news.de

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