Lesertelefon zu Keuchhusten Von wegen Kinderkrankheit

Erkältung
Gegen Husten sind Kräuter gewachsen
Eukalyptus (Foto) Zur Fotostrecke

Impfungen können gefährlichen Infektionskrankheiten wie Keuchhusten, Kinderlähmung, Tetanus und Diphtherie vorbeugen. Doch gerade bei Erwachsenen gibt es große Impflücken. Welche Schutzimpfungen empfohlen werden, beantworteten die Impfexperten an unserem Lesertelefon.

Warum sollte ich mich als Erwachsener gegen Keuchhusten impfen lassen? Das ist doch eine Kinderkrankheit.

Dr. Michael Albrecht: Die Keuchhusten-Impfraten bei Kindern bis zum Vorschulalter sind sehr gut – Jugendliche und Erwachsene haben dagegen erhebliche Impflücken. Die Keuchhusten-Erkrankung verlagert sich immer mehr ins Erwachsenenalter. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt deshalb allen Erwachsenen, sich bei der nächsten fälligen Tetanus-Diphtherie-Impfung einmalig gegen Keuchhusten impfen zu lassen.

Ich habe gelesen, dass Frauen im gebärfähigen Alter sich gegen Keuchhusten impfen lassen sollten. Warum das?

Dr. Alexander Lorscheidt: Hintergrund dieser Impfempfehlung ist der Schutz junger Säuglinge vor einer Keuchhusten-Erkrankung. Gerade Säuglinge, die noch zu klein sind, um einen vollständigen Impfschutz zu erreichen, müssen vor der Ansteckung geschützt werden. Erkranken sie, besteht die Gefahr von lebensbedrohlichen Atemstillständen. Die Empfehlung, sich impfen zu lassen, sofern in den letzten zehn Jahren keine Impfung gegen Keuchhusten erfolgte, schließt neben allen Frauen im gebärfähigen Alter weitere Kontaktpersonen zu Säuglingen ein – zum Beispiel Großeltern, Tagesmütter, Erzieherinnen oder Hebammen.

Ich hatte als Kind Keuchhusten. Bin ich jetzt ein Leben lang geschützt?

Albrecht: Nein, eine überstandene Keuchhusten-Erkrankung führt leider nicht zu einer lebenslangen Immunität. Diese ist individuell verschieden und liegt bei etwa zehn bis 15 Jahren. Auch für Menschen, die eine Keuchhusten-Erkrankung durchgemacht haben, gelten die allgemeinen Impfempfehlungen.

Kinderlähmung gibt es bei uns doch gar nicht mehr. Warum wird die Impfung immer noch empfohlen?

Lorscheidt: Zwar ist die Kinderlähmung, auch Polio genannt, bei uns ausgerottet. Doch solange sie noch irgendwo auf der Welt existiert, können eingeschleppte Viren selbst in erklärten poliofreien Regionen zu Krankheitsausbrüchen führen. Die STIKO empfiehlt die Polio-Impfung, wenn kein vollständiger Impfschutz – bestehend aus einer kompletten Grundimmunisierung und einer Auffrischimpfung – vorhanden ist. Zudem sollten Reisende in Regionen mit Infektionsrisiko eine Auffrischimpfung erhalten, wenn die letzte Auffrischimpfung länger als zehn Jahre zurückliegt.

Wenn ich Auffrischimpfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Polio brauche – muss ich dann vier Mal zum Impfen?

Albrecht: Nein, durch die Anwendung von so genannten Kombinationsimpfstoffen können Sie sich mit nur einer Spritze gleichzeitig gegen Keuchhusten, Polio, Tetanus und Diphtherie impfen lassen.

Sind für ältere Menschen noch weitere Impfungen wichtig?

Lorscheidt: Die STIKO empfiehlt allen Menschen ab 60 Jahren die jährliche Grippe-Impfung und einmalig eine Impfung gegen Pneumokokken-Erkrankungen.

Warum sind Grippe- und Pneumokokken-Erkrankungen für ältere Menschen so gefährlich?

Lorscheidt: Mit zunehmendem Alter lässt die Leistungsfähigkeit des Immunsystems nach. Erkrankungen wie die Grippe oder eine Infektion mit Pneumokokken-Bakterien können bei älteren Menschen deshalb besonders schwer verlaufen – in manchen Fällen sogar tödlich. Allein in Deutschland sterben jedes Jahr etwa 12.000 Menschen an den Folgen einer Pneumokokken-Erkrankung, von denen 80 Prozent älter als 60 Jahre sind. Die Grippe fordert hierzulande jährlich bis zu 11.000 Tote.

Welche Erkrankungen werden durch Pneumokokken ausgelöst?

Albrecht: Pneumokokken-Bakterien besiedeln bei vielen Menschen den Nasen-Rachen-Raum. Ein starkes Immunsystem hält sie dort normalerweise in Schach. Ist das Immunsystem aber geschwächt, können die Erreger Erkrankungen wie Lungen-, Hirnhaut- und Mittelohrentzündungen sowie Blutvergiftungen hervorrufen.

Übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Impfkosten?

Lorscheidt: Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für alle Impfungen, die von der STIKO empfohlen werden. Besuchen Sie die Praxis nur zum Impfen, entfällt auch die Praxisgebühr von zehn Euro. Ab Januar 2013 zahlen Sie bundesweit grundsätzlich keine Praxisgebühr mehr.

Impf-Informationen im Internet

Über die Startseite des Robert Koch-Instituts gelangen Sie unter dem Link «Impfen» zum Informationsangebot der Ständigen Impfkommission (STIKO).

Aktuelle und übersichtlich aufbereitete Informationen zum Thema Impfen bietet das Wissensportal des Impfstoffherstellers Sanofi Pasteur MSD. Unter anderem finden Sie hier die von der STIKO empfohlenen Impfungen für die unterschiedlichen Altersgruppen im Überblick.

Die Experten am Telefon: Dr. Michael Albrecht, Facharzt für Allgemeinmedizin, Akademische Lehrpraxis der Universität Köln; Dr. Alexander Lorscheidt, Facharzt für Innere Medizin und Allgemeinmedizin, Akademische Lehrpraxis der Universität Köln.

sca/news.de/pr.nrw

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig