Lesertelefon Grauer Star Besserer Service für Kassenpatienten

Rund 400.000 Deutschen werden jährlich wegen ihres Grauen Stars operiert - die trübe Augenlinse wird durch eine künstliche ersetzt. Doch die Auswahl ist groß. Und die Krankenkasse erstattet nicht alle Kosten. Was die einzelnen Linsen leisten und wer sie zahlen muss, das wurde in unserem Lesertelefon geklärt.

Zum Wohl des Patienten: Ein neues Gesetz verbessert die Situation von Kassenversicherten. (Foto)
Zum Wohl des Patienten: Ein neues Gesetz verbessert die Situation von Kassenversicherten. Bild: Carolin Nolte public & scientific relations

Was ist der Graue Star?

Der Graue Star ist ein Alterungsprozess, in dessen Verlauf sich die Augenlinse zunehmend eintrübt. Er tritt meist nach dem 60. Lebensjahr auf und betrifft früher oder später fast alle Menschen dieser Altersgruppe. Symptome sind eine schlechter werdende Sicht, die Umwelt erscheint wie hinter einem grauen Schleier und es treten starke Blendungserscheinungen auf. Die Operation stellt die klare Sicht wieder her.

Wie läuft eine Katarakt-Operation genau ab?

Beide Augen werden an unterschiedlichen Tagen operiert und der Eingriff erfolgt meist ambulant. Das Auge wird nach einer lokalen Betäubung mit einem winzigen Schnitt eröffnet. Die getrübte Augenlinse sitzt in einer Linsenkapsel. Mittels Ultraschall zerkleinert der Operateur den Linsenkern und saugt ihn anschließend ab. Die Kunstlinse wird in die Linsenkapsel eingeführt und dort mit Hilfe zweier elastischer Bügel verankert.

Gibt es noch andere Therapieoptionen beim Grauen Star?

Nein, der Austausch der körpereigenen Linse durch eine Kunstlinse - auch Intraokularlinse genannt - ist die einzige Behandlungsmöglichkeit.


Was ist nach der Operation zu beachten?

Für eine gute Heilung ist es notwendig, alle Anweisungen des Augenarztes zu befolgen: Also die verordneten Medikamente, in der Regel sind das Infektions-hemmende Augentropfen, regelmäßig anzuwenden, in den ersten Tagen das operierte Auge keinesfalls zu reiben und vor Wasser zu schützen. Fragen Sie Ihren Arzt, wie lange Sie auf körperliche Anstrengungen und Sport verzichten sollten.

Wie lange dauert es, bis ich wieder Arbeiten und Autofahren kann?

Das hängt überwiegend davon ab, wie groß die körperliche Belastung Ihrer Arbeit ist - und ob es notwendig ist, eine neue Brille anzupassen. Meist können die Patienten schon einige Tage nach dem Eingriff wieder arbeiten und Autofahren. In wenigen Fällen dauert es nach der Operation einige Wochen, bis sich die letztendliche Sehschärfe einstellt, dann kann entweder ganz auf eine Brille verzichtet werden oder die Sehhilfe muss noch einmal neu angepasst werden.

Welche unterschiedlichen Linsenmodelle gibt es?

Patienten können zwischen einfachen Einstärkenlinsen (Monofokallinsen), Mehrstärkenlinsen (Multifokallinsen) und torischen Einstärken- oder Mehrstärkenlinsen wählen. Jede dieser Linsenarten kann noch über weitere Merkmale verfügen - so zum Beispiel die Fähigkeit, blaues Licht zu filtern, was die Netzhaut schützt.

Warum kann ich nach Einsetzen einer Einstärkenlinse nur in einem Entfernungs-bereich scharf sehen?

Die junge, gesunde Augenlinse kann stufenlos von Nah auf Fern scharf stellen, da sie durch die Augenmuskeln verformbar ist. Diese Fähigkeit wird auch Akkommodation genannt. Eine künstliche Augenlinse ist dazu nicht in der Lage. Sogenannte Einstärken- oder Monofokallinsen bündeln Lichtstrahlen in einem Punkt, daher kann der Patient hinterher nur in einem Entfernungsbereich scharf sehen, meist in der Ferne. Zur Nah- und Fernkorrektur ist nach der Implantation eine Lese- oder Gleitsichtbrille notwendig.

Wie funktionieren Mehrstärkenlinsen?

Sogenannte Multifokal- oder Mehrstärkenlinsen haben mehrere Brennpunkte. Sie erzeugen gleichzeitig mehrere scharfe Bilder auf der Netzhaut. Das Gehirn wählt automatisch das jeweils passende und blendet die anderen aus. Diese sogenannte Pseudoakkommodation ermöglicht die klare Sicht im Nah- und Fernbereich.

Ich bin altersweitsichtig. Brauche ich nach Einsetzen einer Mehrstärkenlinse noch eine Brille?

Mehrstärkenlinsen korrigieren gleichzeitig zum Grauen Star auch die Altersweitsichtigkeit. In der Regel benötigen Sie nach der Operation keine Brille mehr.

Was ist eine torische Kunstlinse?

Sogenannte torische Intraokularlinsen sind so beschaffen, dass sie durch ihre spezielle Linsenoberfläche eine Hornhautverkrümmung kompensieren können. Mit ihnen lässt sich eine Fehlsichtigkeit korrigieren, was lebenslange Brillenträger von ihrer Sehhilfe befreien kann.

Welche Kosten übernimmt meine gesetzliche Krankenkasse, wenn ich zur Behandlung meines Grauen Stars statt einer Einstärkenlinse eine Sonderlinse wähle?

Seit Januar 2012 bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen in diesem Fall den Anteil der Rechnung, der auch bei Implantation einer Standardlinse entstanden wäre. Hintergrund ist eine Änderung des Versorgungsstrukturgesetzes mit Einführung einer Mehrkostenregelung: Der Patient muss jetzt nur noch die Kosten für den ärztlichen Mehraufwand und den Differenzbetrag zwischen Standard- und Sonderlinse selbst zahlen.

Ich habe eine Hornhautverkrümmung aber keinen Grauen Star - übernimmt die Krankenkasse auch in diesem Fall einen Teil der Kosten?

Nein, die Mehrkostenregelung gilt nur für Menschen mit Grauem Star. Der so genannte refraktive Linsentausch, also der Austausch einer nicht getrübten Linse zum alleinigen Zweck der Unabhängigkeit von einer mechanischen Sehhilfe ist nach wie vor eine reine Selbstzahlerleistung.

Wertvolle Seiten zum Nachlesen

Patienteninformationen zum Grauen Star und seiner Behandlung finden Betroffene auf der Webseite des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands (BVA): unter den Menüpunkten Augenheilkunde, Augenerkrankungen und hier unter Grauer Star (Katarakt). Eine Liste mit Augenkliniken und niedergelassenen Operateuren in Ihrer Nähe erhalten Sie über den Augenarzt-Finder auf der Startseite unter dem Punkt Anwenderlisten Refraktive Chirurgie (Excimer, LASIK u.a.) der KRC.

Umfangreiche Informationen zum Thema bietet auch diese Webseite des Pharmaunternehmens Novartis. Interessierte können sich hier insbesondere über die verschiedenen Arten von Intraokularlinsen und deren Nutzen ausführlich informieren.

Die Experten am Telefon: Dr. Lutz Bauer, Facharzt für Augenheilkunde, leitender Arzt des AugenZentrumBauer, Bremen; Dr. Hans-Peter Buchmann, Facharzt für Augenheilkunde, Geschäftsführer und Leiter des Qualitätsmanagements Augenklinik Theresienhöhe, München; Dr. Ralph Herrmann, Facharzt für Augenheilkunde, Hildesheimer Augenzentrum, Hildesheim; Dr. Omid Kermani, Facharzt für Augenheilkunde, Ärztlicher Leiter der Augenklinik am Neumarkt, Köln; Dr. Matthias Müller-Holz, Augenarzt, Augenzentren Fetscherplatz und Lockwitzgrund, Dresden; Roland Ritzel, Facharzt für Augenheilkunde im AugenZentrumBauer, Bremen; Dr. Tony Walkow, Facharzt für Augenheilkunde, Centro Klinik Oberhausen.

Sind Sie schon Fan von news.de auf Facebook? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

sca/news.de/pr.nrw

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • anna73
  • Kommentar 1
  • 17.11.2012 15:13

Mach doch ganz einfach einen kostenlosen Vergleich auf: **http://privatekrankenkversicherung-vergleich.de** Da findest du zu 100% den günstigsten Tarif!

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig