Lesertelefon Eine Diabetes-Schulung ist unerlässlich

Diabetes
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Diabetes ist eine der größten Volkskrankheiten in Deutshland. Bis 2030 werden schätzungsweise 1,5 Millionen neue Patienten hinzukommen. Anlässlich des Welt-Diabetes-Tages gibt es in unserem Lesertelefon alle Antworten zur chronischen Störung des Zuckerstoffwechsels.

Wie kann ich herausfinden, ob ich ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes habe?

Dr. Elmar Jaeckel: Es gibt eine Reihe von Risikofaktoren für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes. Zunächst die familiäre Vorbelastung: Ist ein Elternteil Typ-2-Diabetiker, liegt das eigene Erkrankungsrisiko bei 40 Prozent, sind beide Eltern betroffen sogar bei 60 Prozent. Daneben begünstigt ein ungesunder Lebensstil mit Übergewicht, mangelnder Bewegung und einer fett- und zuckerreichen Ernährung die Entstehung der Krankheit. Mit zunehmendem Lebensalter steigt das Erkrankungsrisiko generell an. Wenn Sie sich in Bezug auf Ihr persönliches Diabetes-Risiko unsicher sind, sollten Sie das Thema mit Ihrem Hausarzt besprechen.

Was tun, wenn mein Diabetes-Risiko erhöht ist?

Dr. Hans-Martin Reuter: Sie können viel dazu beitragen, Ihr Erkrankungsrisiko zu mindern: bei Übergewicht sollten Sie auf eine gesunde Ernährung mit kalorienreduzierter Mischkost und ausreichende Bewegung achten. Das ist jedoch leichter gesagt als getan. Die meisten Menschen brauchen bei einer solchen Umstellung ihres Lebensstils Unterstützung. Insbesondere die niedergelassenen Diabetologen bieten häufig Programme für Menschen mit einem erhöhten Diabetesrisiko an. Ihre Krankenkasse oder Ihr Hausarzt können Ihnen Informationen zu einem Angebot in Ihrer Nähe geben.

Wie ernähre ich mich richtig bei Diabetes und Übergewicht?

Reuter: Menschen mit Diabetes können sich aus dem ganz normalen Angebot an Lebensmitteln bedienen. Wichtig bei Übergewicht ist eine Mischkost aus Kohlenhydraten, Eiweiß und Fetten, die um etwa 500 Kalorien im Grundumsatz reduziert ist - da sind sich die Fachgesellschaften für Ernährung, Diabetologie und Adipositas einig. Diabetiker sollten sich möglichst ballaststoffreich ernähren und Weißmehlprodukte eher meiden.

Sollte ich als Diabetiker eine Ernährungsberatung in Anspruch nehmen?

Reuter: Das empfehle ich sehr. Das Thema Ernährung ist immer auch Bestandteil der Diabetiker-Schulungen, die unerlässlich für jeden Betroffenen sind! Haben Sie keine Schulung durchlaufen oder noch Fragen zum Thema, erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse, wo Sie ein Beratungsangebot in Anspruch nehmen können. Dies ist auch eine der Kernaufgaben der diabetologischen Schwerpunktpraxen. Bei einer Ernährungsberatung erhalten Sie individuelle Empfehlungen zu Zusammensetzung, Umfang und Häufigkeit Ihrer Mahlzeiten.

Warum wird ein Typ-2-Diabetes häufig erst spät diagnostiziert?

Jaeckel: Die Symptome für einen Typ-2-Diabetes sind unspezifisch und meist nicht so deutlich ausgeprägt wie bei einem Typ-1-Diabetes - daher werden sie von den Betroffenen nicht immer mit einer möglichen Erkrankung in Verbindung gebracht. Müdigkeit und Infektanfälligkeit, gesteigerter Hunger und Durst, verschwommenes Sehen oder ein Taubheitsgefühl in Händen und Füßen sowie häufiger Harndrang können auf eine Diabetes-Erkrankung hindeuten.

Mein Hausarzt hat gesagt, ich hätte «ein bisschen Zucker». Was heißt das jetzt genau?

Dr. Ludwig Merker: Ein bisschen Zucker ist wie ein bisschen schwanger! Hier sollten Sie noch einmal nachfragen, ob mit gesicherten Diagnosemöglichkeiten, wie einem Blutzuckerbelastungstest eine Diabetes-Erkrankung festgestellt wurde.

Bei mir wurde gerade ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert, was erwartet mich jetzt?

Dr. Tobias Ohde: In der Regel diagnostiziert der Hausarzt die Diabetes-Erkrankung und veranlasst, dass Sie an einer Diabetiker-Schulung teilnehmen. Hier erfahren Sie alles Wichtige zu Ihrer Erkrankung sowie notwendigen Änderungen von Lebensstil und Ernährung. In einer frühen Krankheitsphase reichen oft schon die konsequente Ernährungsumstellung und ein Bewegungsprogramm für eine zufriedenstellende Blutzuckerkontrolle aus. Treten Probleme bei der Zuckereinstellung auf, sollte der Hausarzt Sie im Idealfall zeitnah an einen Diabetologen überweisen. Er kann weitere Therapiemöglichkeiten hinzunehmen. Gut behandelt, haben Typ-2-Diabetiker heute einen weitgehend einschränkungsfreien Alltag.

Was kann ein schlecht eingestellter Diabetes bewirken?

Ohde: Dank der modernen Behandlungsmöglichkeiten lassen sich ernste Folgeschäden heute weit hinauszögern oder ganz vermeiden. Ein dauerhaft schlecht eingestellter Diabetes kann allerdings langfristig Blutgefäße und Nerven schädigen. Die Folge können ernste Erkrankungendes Herz-Kreislauf-Systems und der Nieren sein. Werden die Gefäße in den Augen geschädigt, kann es zur Erblindung kommen. Sind Nerven und Blutgefäße in den Beinen beeinträchtigt, können schwer heilende Wunden an den Füßen auftreten, die schlimmstenfalls eine Amputation erforderlich machen.

Mein Arzt hat mir neben den Medikamenten zur Blutzuckersenkung noch mehr Tabletten verschrieben. Warum?

Jaeckel: Wir wissen heute, dass bei Menschen mit Typ-2-Diabetes meist nicht nur die Blutzuckerwerte erhöht sind, sondern auch der Blutdruck und das Cholesterin. Die moderne Diabetestherapie ruht deshalb auf vier Säulen: Einer Veränderung des Lebensstils und der medikamentösen Behandlung des erhöhten Blutzuckers, des Bluthochdrucks und der Cholesterinwerte. So lassen sich etwa 50 Prozent aller Herzinfarkte verhindern.

Muss ich die Tabletten jetzt ein Leben lang nehmen?

Jaeckel: Sie müssen sich vor Augen halten, dass eine Diabetes-Erkrankung in der Regel 20 bis 30 Jahre bevor Sie behandlungsbedürftige Blutzuckerwerte entwickeln, beginnt. Die verordneten Medikamente sollten Sie dauerhaft einnehmen. Sie schützen die Insulin bildenden Zellen und senken das Risiko für Herzinfarkte und Krebs.

Wie hoch sollte mein Blutzuckerwert im Idealfall sein?

Merker: Abhängig von Ihrem Lebensalter und eventuellen Begleiterkrankungen wird Ihr Arzt einen individuellen Blutzuckerzielwert für Sie festlegen. Besonders aussagekräftig für die Erfolgskontrolle einer Diabetes-Therapie ist der sogenannte HbA1c-Wert: Er ist gewissermaßen unser „Blutzuckergedächtnis" und spiegelt die durchschnittliche Blutzuckereinstellung der letzten drei Monate wider. Das ideale Therapieziel ist ein HbA1c unter 6,5 Prozent, dieser Wert kann aber in Abhängigkeit von Alter und Begleiterkrankungen auch höher liegen. Der Arzt wird dies gemeinsam mit dem Patienten festlegen.

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Mein Arzt ist mit meinen Blutzuckerzielwerten nicht zufrieden. Ich kann aber berufsbedingt keine Unterzuckerungen riskieren und esse daher häufig kleine Zwischenmahlzeiten...

Merker: Unter einer zufriedenstellenden Therapie sollte es weder zu erhöhten Blutzuckerwerten noch zu Unterzuckerungen kommen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob eine Anpassung der Medikation die Situation verbessern könnte. Bei einigen der älteren Diabetesmedikamente, insbesondere bei den Sulfonylharnstoffen, können Unterzuckerungen häufiger vorkommen, denn sie bewirken eine vermehrte Insulinabgabe der Bauchspeicheldrüse – und zwar unabhängig vom tatsächlichen Blutzuckerwert. Moderne Medikamente wirken dagegen bedarfsgerecht: Beispielsweise wird unter einer Behandlung mit DPP-4-Hemmern Insulin nur dann ausgeschüttet, wenn der Blutzuckerspiegel – etwa nach Nahrungsaufnahme - steigt.

Muss ich irgendwann auch Insulin spritzen?

Merker: Entscheidend ist immer die gute Kontrolle der Blutzuckerzielwerte. Die Therapieziele lassen sich bei den meisten Menschen mit Typ-2-Diabetes über viele Jahre mit Medikamenten in Tablettenform erreichen. Produziert der Körper nicht mehr genug eigenes Insulin, wird eine Insulintherapie notwendig.

Hilfreiche Seiten im Netz

Hier informiert die unabhängige Organisation DiabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe sehr umfangreich zu allen Aspekten einer Diabetes-Erkrankung. Das Serviceangebot umfasst unter anderem regelmäßige Experten-Chats und einen Selbsthilfegruppen-Finder.

Der Deutsche Diabetiker Bund ist die größte Selbsthilfeorganisation von und für Menschen mit Diabetes. Der DDB bietet unter anderem regelmäßige Schulungs- und Infoveranstaltungen und versteht sich als Interessenvertretung der Diabetiker in Politik und Gesellschaft.

Die Patientenseite des Pharmaunternehmens MSD bietet aktuelle Informationen zu Typ-2-Diabetes und dem Therapieprinzip der DPP-4-Hemmung. Alltagstaugliche Tipps zu Ernährung und Fitness sowie ein Newsletterangebot und eine Diabetes-App runden das Angebot ab. Eine kostenfreie Hotline ist unter 0800 – 673 34 21 erreichbar.

Die Experten am Telefon: Dr. Elmar Jaeckel, Oberarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie & Endokrinologie, Medizinische Hochschule Hannover; Dr. Hans-Martin Reuter, Diabetologe und Ernährungsmediziner, zweiter Vorsitzender des Bundesverbandes niedergelassener Diabetologen (BVND), Jena; Dr. Ludwig Merker, Spezialist für Diabetes, Nieren- und Hochdruckerkrankungen, Diabetes- und Nierenzentrum Dormagen; Dr. Tobias Ohde, Internist und Diabetologe der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), Ambulantes Diabeteszentrum Essen.


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sca/news.de/pr.nrw

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