Streit um Honorare Ärzte bekommen mehr Kohle - und streiken

Besuch beim Doktor
Das macht einen guten Arzt aus

Ärzte und Krankenkassen haben sich auf einen Anstieg der Honorare geeinigt. Gestreikt wird trotzdem. Denn Tausende Ärzte fordern darüber hinaus, das System der Bezahlung komplett zu reformieren. Vor allem Fachärzte-Praxen können heute geschlossen bleiben.

Trotz einer Einigung im Honorarstreit zwischen Ärzten und Kassen wollen Tausende Ärzte heute deutschlandweit auf die Straße gehen. «In 34 Orten sind Protestaktionen geplant», sagte der Koordinator des Aktionstages, Sean Monks. Er rechne mit bis zu 30.000 Teilnehmern und gehe zudem davon aus, dass zahlreiche Praxen geschlossen blieben. Derzeit sieht es jedoch aus, als nähmen weniger Ärzte an den Streiks teil als erwartet.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hatten sich am Vorabend auf einen Anstieg der Honorare um 1,15 bis 1,27 Milliarden Euro im kommenden Jahr für rund 150.000 niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten geeinigt - eigentlich ein Durchbruch. Ärtzevertreter forderten allerdings weitergehende Schritte, um mehr Klarheit in das System der Bezahlung zu bringen.

Streikende fordern feste Preise für Ärzteleistungen

Noch am späten Dienstagabend entschieden sich die Ärzteverbände, die an den Verhandlungen selbst nicht teilgenommen hatten, für eine Fortsetzung der Protestaktionen. «Diese Einigung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass das grundsätzliche Problem von fehlenden festen Preisen und unbezahlten Leistungen der Ärzte und Psychotherapeuten damit nicht gelöst ist», sagte der Sprecher der Allianz der Berufsverbände, Dirk Heinrich, im ARD-Morgenmagazin.

Heinrich kritisierte die einheitliche Bemessungsgrundlage für das Ärztehonorar, den sogenannten Orientierungspunktwert. Er ist Teil des komplizierten Verfahrens, nach dem Ärzte teils pauschal, teils abhängig von den Behandlungen und Diagnosen bezahlt werden. Heinrich forderte, dass stattdessen sämtliche medizinische Leistungen in der Praxis vergütet werden sollten. Die Honorarregeln hatte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) selbst mitentwickelt.

Hilfe ohne Arztbesuch
Die Wehwehchen-Praxis

Streiks vor allem bei Fachärzten

Mit Praxisschließungen sei vor allem im technischen Bereich zu rechnen, wo Ärzte für Untersuchungen Assistenz benötigten. Fachbereiche wie Kardiologie, Orthopödie und Gastroenterologie werden laut Monks daher vermutlich stark betroffen sein. Er empfehle allen Patienten, vor dem Arztbesuch in der Praxis anzurufen.

Wie viele Praxen geschlossen blieben, könne er jedoch nicht sagen. Die Schwerpunkte der Protestaktionen sollen laut Monks in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Bayern liegen. Der Bayerische Fachärzteverband hatte bereits in der Nacht die Teilnahme an dem Aktionstag erklärt.

Einigung nach stundenlangen Verhandlungen

Nach dem Verhandlungsmarathon über die Ärztehonorare zeigten sich KBV-Chef Andreas Köhler und der stellvertretende GKV-Vorsitzende Johann-Magnus von Stackelberg zufrieden. Die sogenannte Grundversorgung solle um 270 Millionen Euro steigen, wie bereits in ersten Verhandlungen entschieden worden war. Ferner sollen die Kosten für die Psychotherapie zukünftig aus dem Gesamtbudget herausgelöst werden.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) kommentierte, die Verhandlungen seien «leider kein Glanzstück» gewesen. Die erzielte Einigung von Krankenkassen und Ärzten bezeichnete er als eine tragbare Grundlage für Ärzte, Patienten und Beitragszahler. «Jetzt geht es darum, den gefundenen Kompromiss so umzusetzen, dass die gute medizinische Versorgung für die Menschen in Deutschland gewährleistet und weiter verbessert wird», sagte Bahr.

AOK-Chef Uwe Deh kritisierte die geplanten Praxisschließungen scharf. Die freien Ärzteverbände schadeten damit vor allem den Patienten, die auf eine reibungslose Versorgung angewiesen seien, sagte Deh. «Jeder, der jetzt meint, weiter auf Protest und Verunsicherung der Menschen setzen zu müssen, ist auf dem falschen Weg.» Wichtig sei umso mehr, «dass die, die am Verhandlungstisch sitzen, zu einer Einigung gekommen sind».

Pro Monat verdienen Kassenärzte im Schnitt 5442 Euro netto - mit großen Unterschieden. Für Ärzte-Honorare stiegen die Kassenausgaben 2011 um gut zehn Prozent auf 33,7 Milliarden Euro.

iwi/news.de/dapd/dpa

Leserkommentare (9) Jetzt Artikel kommentieren
  • Bärbel Elstermann
  • Kommentar 9
  • 11.10.2012 13:24
Antwort auf Kommentar 8

Regneroer Sie sprechen an : Unternehmer ,ja ist er mit.Ganz einfach formuliert der Patient ist Kunde beim Arzt . Ich bezahle ja den Arzt .Jeder Arzt ist bestrebt eine guten Ruf zu haben ,na da klingelt,auf deutsch gesagt ,auch kaufmännisch gesagt die Kasse . beim Arzt. Viele Patienten viel Einkommen . Auch vom Kassenpatienten !!!

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  • Bärbel Elstermann
  • Kommentar 8
  • 11.10.2012 12:47
Antwort auf Kommentar 7

Ein Arzt ist Diener der Natur ,sprich Person ist der Patient .Er wird durch einen Kassenpatienten auch bezahlt und der Patient zahlt Krankenkassenbeitrag . Jeder Mensch hat das Recht sich zu äußern,egal wer es ist . Meinugsfreiheit ist angesagt Neid kenne ich persönlich nicht ,ich achte jeden Menschen und wenn ein Mediziner was kann ordne ich Ihm dies auch zu . Habe kein Problem damit .Schönen Gruß auch !

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 7
  • 11.10.2012 10:24

Die Kommentatoren werden zur Objektivität aufgerufen. Es ist doch absolut unverständlich, wenn wegen einem einzelnen Vorfall o wegen Neid die Ärzteschaft kritisiert wird u das auch noch mit Platitüden durch Hinweise auf Politik, Ethik oder Moral. Mediziner verantworten den Lebenswert des Menschen, seine Gesundheit also, zumindest mit. Der Arzt ist aber auch Unternehmer, daher hat sein kaufmännisches Resultat zu stimmen. Leistung u Gegenleistung müssen gleichwertig sein. Beutelschneider o Schmarotzer - ob als Politiker o Kassenpatient - sind die Letzten, die hierzu gehört werden dürfen.

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