Praxen schließen Ärzte wollen streiken

Im Kampf für höhere Honorare haben sich die Ärzte jetzt für den drastischen Weg entschieden. Sie wollen streiken. In einer Urabstimmung hat die große Mehrheit der Mediziner dafür gestimmt. Aber wie viel verdienen Ärzte eigentlich?

Besuch beim Doktor: Das macht einen guten Arzt aus

Eine deutliche Mehrheit der niedergelassenen Ärzte will ihre Praxen aus Protest gegen die Krankenkassen schließen. Die waren bei den Honorarverhandlungen vor zwei Wochen nicht auf die Forderungen der Mediziner eingegangen. Rund 75 Prozent der niedergelassenen Ärzte haben in einer Umfrage von Ärzteverbänden für die Praxisschließungen votiert. An der Abstimmung beteiligten sich nach Angabe der Verbände 49 Prozent der angeschriebenen Mediziner.

Voraussichtlich Ende September werde es für eine begrenzte Zeit Praxisschließungen geben. Den Patienten droht damit, dass ein großer Teil der knapp 90.000 Arztpraxen zeitweise geschlossen bleibt. Die Proteste der Ärzte richten sich gegen die gesetzlichen Krankenkassen. Die Mediziner beklagen, dass geplante Honorarsteigerungen fürs kommende Jahr zu gering ausfielen.

Getragen werden die Proteste vor allem von Fachärzten. Die Hausärzte sind überwiegend zögerlich, weil viele von ihnen auf Hausarztverträge mit einzelnen Krankenkassen setzen. Viele Hausärzte, die nicht durch solche Verträge gebunden sind, hätten sich an der Ärztebefragung aber auch beteiligt und für Streiks gestimmt, hieß es.

Was Ärzte verdienen

Zahlen des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2007 zufolge sind die Radiologen Spitzenreiter mit 264.000 Euro jährlichem Bruttoverdienst. Allgemeinmediziner verdienen mit einem durchschnittlichen Bruttoeinkommen von 116.000 Euro hingegen verhältnismäßig wenig. Im Mittelfeld liegenHals-Nasen-Ohren-Ärzte (144.000 Euro), Frauenärzte (145.000 Euro), Chirurgen (148.000 Euro), Hautärzte (155.000 Euro) und Internisten (158.000 Euro). Im Schnitt kassierten Ärzte im Jahr 2007 brutto 142.000 Euro. Laut Spitzenverband der Krankenkassen stieg der Ertrag bis 2011 auf 165.000 Euro.

Und was bleibt? Das monatliche Nettoeinkommen der Kassenärzte von gesetzlichen und privaten Kassen beträgt laut Kassenärztlicher Vereinigung im Schnitt 5442 Euro. Einem Allgemeinmediziner blieben demnach rund 5018 Euro pro Monat, einem Orthopäden 6344 Euro, einem Psychotherapeuten dagegen nur 2658 Euro.

Streikdrohungen schädigen das Ansehen der Ärzte

Der Spitzenverband der Kassen reagierte mit Unverständnis. «Kernproblem ist die Verteilungsungerechtigkeit zwischen den Arztgruppen», meinte der Verbandssprecher im Kurznachrichtendienst Twitter. «Streiks werden wohl kaum dabei helfen, dieses Problem zu lösen.» In den laufenden Honorarverhandlungen gab es bisher den Beschluss, dass die Ärzte aufgrund einer leichten Erhöhung der Preise für ihre Leistungen im kommenden Jahr 270 Millionen Euro mehr bekommen sollen. Gefordert hatten die Ärzte 3,5 Milliarden Euro zusätzlich, am Samstag verhandelt das entscheidende Gremium erneut.

Nach Ansicht des Vereins Demokratischer Ärztinnen und Ärzte beschädigen die lautstarken Proteste und Streikandrohungen das Ansehen der Mediziner. «Dass ein Berufsstand, der insgesamt gut verdient, sich so aufführt, ist schädlich für die gesamte Ärzteschaft», sagte der Vorsitzende Wulf Dietrich. Die Ärzte wehrten sich sonst stets, als Angestellte der Krankenkassen betrachtet zu werden - doch Streiks seien gerade ein Mittel von Angestellten. Dietrich rief protestierende Ärzte dazu auf, ihren teils harschen Tonfall zu mäßigen.

Hospiz Stiftung fordert Behandlung von Schwerkranken

Die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung ermahnte streikbereite Ärzte, Schwerstkranke von Protesten auszunehmen. «Es wäre für uns nicht zu akzeptieren, wenn Schwerstkranke auf einem Anrufbeantworter ihres niedergelassenen Arztes landen», sagte Vorstand Eugen Brysch in Berlin.

Sterbende und schwerstpflegebedürftige Patienten bräuchten weiterhin eine optimale Schmerztherapie und die Behandlung ihrer Symptome. «Deshalb müssen die Ärzte Patienten der Pflegestufe 2 und 3 oder in der Sterbebegleitung ausdrücklich aus dem Streik heraushalten.»

iwi/news.de/dpa/dapd

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Elster
  • Kommentar 2
  • 14.09.2012 07:34

Es streiken dann : Ärzte mit Studium und ohne Studium.

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  • Scarlotta
  • Kommentar 1
  • 13.09.2012 15:37

l: Unter dem Motto : Die Menschheit rottet sich selber aus ..

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