Teenager-Liebe Der erste Partner hat es bei den Eltern schwer

Wenn die Eltern die erste Liebe des eigenen Kindes ablehnen, ist Ärger im eigenen Haus unvermeidlich. (Foto)
Wenn die Eltern die erste Liebe des eigenen Kindes ablehnen, ist Ärger im eigenen Haus unvermeidlich. Bild: dpa

Die erste Liebe sorgt für Herzklopfen und schlaflose Nächte. Auch für viele Eltern, die gegen die Beziehung des Nachwuchses sind. Stress ist da vorprogrammiert. Die Einwände der Erwachsenen müssen Jugendliche nicht annehmen - aber anhören kann ja nicht schaden.

Eines von vielen Beispielen in der Bundesrepublik: Laura ist 15 und geht in die neunte Klasse einer Stuttgarter Realschule. Sie steht kurz vor ihrem Schulabschluss. Seit mehr als drei Monaten ist sie nun mit Tobias aus ihrer Nachbarklasse zusammen. Sie sind glücklich und unternehmen viel miteinander. «Das passt meinen Eltern gar nicht. Sie meinen, ich würde dadurch bloß die Schule vernachlässigen und nicht mehr wissen, was wichtig ist», sagt Laura.

Verliebt zu sein und einen Freund oder eine Freundin zu haben, ist eine wunderbare Erfahrung. Auf dem Schulhof Händchen halten, im Kino heimlich schmusen und immer vertrauter werden. Ein Zustand wie auf Wolke sieben. Nur die eigenen Eltern trüben mit ihrer Ablehnung die Stimmung.

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Die Streitpunkte beim Thema Beziehung seien zwischen Jugendlichen und ihren Eltern uferlos, sagt Beate Friese von der Nummer gegen Kummer in Wuppertal. Viele Eltern sorgen sich vor allem um eine ungewollte Schwangerschaft. Denn bei der Aufklärung gebe es mittlerweile eine neue Rollenverteilung: Die Eltern hätten ausgedient, stattdessen informierten sich die Jugendlichen im Internet. «Daher sind sich die Eltern einfach unsicher, wie viel ihre Kinder überhaupt über Verhütung und Sexualität wissen.»

Viele Jugendliche hätten darüber hinaus große Hemmungen, mit ihren Eltern über sexuelle Details zu reden. Vor allem bei so intimen Fragen wie «Mein Freund will mit mir schlafen, ich bin aber noch nicht bereit dafür». Denn in der Pubertät wollen sie ihr Leben alleine regeln und nicht mehr auf Ratschläge der Eltern hören.

Die 15-jährige Laura ist verzweifelt. «Ich traue mich schon gar nicht mehr richtig, Tobi mit nach Hause zu bringen.» Die Schülerin hat Angst davor, dass ihre Eltern irgendwann von ihr verlangen, die Beziehung zu beenden.

Selbstbewusst den Eltern Grenzen setzen

Für den Diplompädagogen Heinz Thiery von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung in Fürth ist das nichts Neues: «Viele Eltern haben ein Problem damit, dass ihre Kinder erwachsen werden. Der Sündenbock ist dann meistens der Partner des Kindes.» Er rate Jugendlichen dazu, den Eltern selbstbewusst gegenüberzutreten und ihre Argumente zu entkräften. So könne Laura ihren Eltern beispielsweise vorschlagen, erst einmal die nächsten Noten abzuwarten.

Auch Beate Friese hält es für eine gute Idee, den Eltern gegenüber klare Grenzen abzustecken. So könne man ihnen beispielsweise sagen: «Hört mal, ich werde erwachsen. Ich muss jetzt meine eigenen Erfahrungen sammeln und dazu gehört es, vielleicht Fehler zu machen.» Denn wenn Eltern erst einmal merkten, dass ihre Kinder verantwortungsbewusst sind, würden sie ihnen mehr erlauben.

Auch der 17-jährige Maximilian aus Chemnitz hat Probleme mit den Eltern seiner Freundin. «Ich bin jetzt schon seit fast zwei Jahren mit meiner Freundin zusammen, aber ihre Eltern haben mir noch nicht mal das ‹Du› angeboten.» Auch bei Familienfeiern sei er nicht eingeladen.

Lieber nicht die «Schwiegereltern» ansprechen

In einem solchen Fall sei es an der Freundin, darüber mit ihren Eltern zu reden. Das sei grundsätzlich besser, als wenn ihr Freund das Gespräch suche. «Lieber nicht, das erzeugt nur noch mehr Distanz», sagt Thiery. Denn die Eltern könnten wahrscheinlich nur schwer damit umgehen, wenn der Freund ihres Kindes ihnen das eigene Verhalten vorwerfe.

Erzwingen lasse sich ein entspanntes Verhältnis zwischen Eltern und Partner aber nicht. «Auf Konfrontation zu gehen, bringt nichts. Schließlich ist man als Teenager gewissermaßen abhängig von seinen Eltern.» Als Lösung bleibe nur, das Thema in einer ruhigen Minute mit den eigenen Eltern zu diskutieren.

Häufig hätten die Eltern ein falsches Bild vom Partner ihres Kindes - manchmal noch bevor sie ihn überhaupt richtig kennengelernt haben. In solch einem Fall könne es die Lage entspannen, wenn Eltern und Partner etwas miteinander unternehmen, sagt Thiery.

Die Erfahrung zeige, dass vor allem Väter oft mehr mit dem Partner ihrer Tochter gemeinsam hätten, als sie auf den ersten Blick denken. Ein kluger Schachzug sei deshalb, wenn die Tochter den ersten Schritt macht und nach Gemeinsamkeiten von Papa und Freund sucht. So kann sie ihnen vielleicht etwas vorschlagen, wie sie gemeinsam Zeit verbringen können.

sca/loc/news.de/dpa

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