Pillen gegen Übergewicht Dickes Problem lässt sich nicht wegschlucken

Im Kampf gegen Übergewicht und Diabetes reichen Diäten und Bewegung oft nicht aus. Ärzte und Patienten erhoffen sich von medikamentösen Appetitzüglern entscheidende Hilfe. Doch die Erfahrung zeigt: Es sind bittere Pillen für die Patienten - wenn nicht sogar tödliche.

Die Fettsucht einfach wegschlucken. Was sich bei Appetitzüglern so einfach anhört, ist es aber nicht. (Foto)
Die Fettsucht einfach wegschlucken. Was sich bei Appetitzüglern so einfach anhört, ist es aber nicht. Bild: dpa

Die Fettsucht und Diabetes einfach wegschlucken. Was sich bei Appetitzüglern einfach anhört, ist es nicht. Im Gegenteil: Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) gibt sich mittlerweile mehr als zurückhaltend, wenn neue Medikamente auf den Markt kommen und als Wunderwaffe beworben werden. Denn die Vergangenheit hat den Hormonforschern eines gezeigt: So erfolgversprechend die Medikamente angepriesen wurden, so fatal waren die Folgen. Aufgrund heftiger Nebenwirkungen, die in zahlreichen Fällen sogar zum Tode führten, wurden die Präparate vom Markt genommen.

Der Blick auf die noch zugelassenen Präparate gestaltet sich daher sehr übersichtlich. In Deutschland ist derzeit nur noch das Medikament Xenical verfügbar, wie DGE-Pressesprecher Professor Helmut Schatz aus Bochum in einer Pressemitteilung zitiert wird. «Dessen Wirkstoff Orlistat hemmt die Fettverdauung im Darm und senkt dadurch die Kalorienzufuhr», so der Hormonforscher. Zwar habe sich Schatz zufolge das Medikament als sicher erwiesen, «ist aber wegen seiner abführenden Wirkung nicht sehr beliebt».

Dickes Deutschland: Zahlen mit Gewicht

Das ist eine vergleichsweise harmlose Nebenwirkung. Vor zwei Jahren wurde nach Schatz' Angaben das Medikament Reductil vom Markt genommen, weil es erhebliche Risiken für Herz und Kreislauf beinhaltete. Als ebenso gefährlich entpuppte sich das Präparat Acomplia. Dieses hat so schwere psychische Krisen bis hin zu Selbstmordgedanken verursacht, dass die Europäische Arzneimittelkommission im Oktober 2008 entschieden hatte, die Zulassung zu stoppen.

Neue Wundermittel aus den USA?

Verständlich, dass die Euphorie bei Einführung eines neuen Medikaments der Ernüchterung gewichen ist. Derzeit richten die Hormonforscher ihre Blicke auf die Vereinigten Staaten, wo zum ersten Mal seit zehn Jahren innerhalb von wenigen Wochen gleich zwei Präparate zur Gewichtsreduktion auf den Markt gekommen sind. Es handelt sich dabei um die Appetitzügler Belviq und Osymia - die DGE geht davon aus, dass diese auch im europäischen Raum in naher Zukunft zugelassen werden.

Der Belviq-Wirkstoff aktiviere Schatz zufolge Nervenzellen im Gehirn, die den Appetit hemmen. Jedoch mit Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Übelkeit und Verstopfung können die Folge sein. Qsymia hingegen setze sich aus zwei bekannten Wirkstoffen zusammen, deren bisherige Nebenwirkung zum Ziel führen soll. «Bei diesen bereits seit längerer Zeit für andere Krankheitsbilder eingesetzten Medikamenten wurde als Nebenwirkung eine Gewichtsabnahme beobachtet», berichtet der Bochumer Hormonforscher.

Appetitzügler sind keine Lifestyle-Medikamente

Der Effekt sei allerdings begrenzt: In den klinischen Studien hätten die Probanden die Medikamente diätunterstützend verabreicht bekommen und etwa zehn Prozent ihres Gewichtes verloren. Jedoch betont Schatz, dass diese Wirkstoffe keine Lifestyle-Medikamente seien, mit denen die Übergewichtigen ohne eine Diät schnell Pfunde verlieren würden.

Übergewicht: Ausreden bis die Schwarte kracht

«Beide Wirkstoffe sind nur bei Fettleibigen zugelassen, deren Body-Mass-Index über 30 angestiegen ist», klärt der Experte auf. Allerdings gibt es Ausnahmen: «Wenn zusätzliche Risikofaktoren wie Bluthochdruck, ein Diabetes oder hohe Cholesterinwerte vorliegen, ist ein Einsatz bereits ab einem BMI von 27 erlaubt», ergänzt der Bochumer.

Doch darin kann auch ein entscheidendes Problem liegen. Qsymia lässt das Herz schneller schlagen. Wenn Schwangere das Präparat trotz Einnahmeverbots weiterhin konsumieren, erhöhe sich Schatz zufolge das Risiko, dass das Kind mit einer Lippen- oder Gaumenspalte zur Welt kommt. Zudem gab es bei den Tierversuchen Krebsfälle, was sich aber bei den klinischen Studien nicht bestätigen ließ.

Auch wenn die Patienten sich Hilfe von den Präparaten erhoffen, mahnt die DGE zur Vorsicht. Frankreich ist dabei das abschreckendste Beispiel. Bis 2009 war im Nachbarland das Medikament Mediator trotz bekannter Risiken zugelassen. Die Folge: Schätzungsweise sind bis zu dieser Zeit 1300 Menschen an Herzklappenfehlern gestorben - weitere 3000 Patienten mussten ins Krankenhaus. Seit Mai dieses Jahres läuft der Prozess gegen den Hersteller.

loc/ham/news.de

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • anke
  • Kommentar 1
  • 07.09.2012 15:55

Ich habe schon alles probiert, um abzunehmen. Mein Tipp: schau dir das hier an http://www.deutschland-abnehmen.de damit hab ich es dann endlich geschafft abzunehmen PS:Lautsprecher anmachen

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