Sex nach Herzinfarkt Die Lust bringt keinen um

Dem Tod gerade noch von der Schippe gesprungen - wer denkt da schon daran, nach einem Herzinfarkt mit der körperlichen Anstrengung beim Sex sein Leben erneut zu gefährden? Doch die Enthaltsamkeit muss nicht sein. Außer, es ist eine neue Flamme im Spiel.

Nach einem Herzinfarkt vermeiden viele Patienten, sexuell aktiv zu werden. Aus Angst, beim Liebesspiel einen plötzlichen Herztod zu erleiden. (Foto)
Nach einem Herzinfarkt vermeiden viele Patienten, sexuell aktiv zu werden. Aus Angst, beim Liebesspiel einen plötzlichen Herztod zu erleiden. Bild: dpa

Nach einem Herzinfarkt ist Ruhe angesagt - körperlich als auch geistig. Denn der Verschluss eines Herzkranzgefäßes und die daraus resultierende Lebensbedrohung muss erst einmal verkraftet werden. Betroffene geben sich zurückhaltend, vor allem beim Sex, weil sie sich die körperliche Anstrengung nicht mehr zutrauen.

Eine aktuelle US-Studie macht die zwanghafte Enthaltsamkeit deutlich. Demnach fahren jeder zweite Mann und 60 Prozent aller Frauen ihr Sexleben nach einer Herzattacke herunter. Jeder zehnte Patient traue sich gar kein intimes Liebesspiel mehr zu, berichten die Wissenschaftler aus Chicago. Zu groß ist die Angst, beim Sex einen plötzlichen Herztod zu erleiden.

«Wichtig ist es, sich klar zu machen, dieses Gefühl der Sorge ist völlig normal! Doch Herzinfarkte oder Todesfälle beim Liebesakt sind auch bei Herzkranken so selten, dass es nicht lohnt, sich darüber Sorgen zu machen», beruhigt Kardiologe Christian Leuner in seinem Aufsatz zu der Problematik. Das bestätigt auch die Studie aus den Vereinigten Staaten. Allen Befürchtungen zum Trotz gab es bei den Patienten, die bereits einem Monat nach dem Herzkollaps wieder Sex hatten, nicht mehr Todesfälle als bei den Betroffenen, die sich sexuell verweigerten.

Fit im Job: Tipps für herzgesundes Arbeiten

Sex nach sieben Tagen ist möglich

Die US-Forscher gehen sogar noch weiter: Stabile Patienten, die keine Komplikationen haben, können schon eine Woche nach dem Infarkt wieder Gas im Schlafzimmer geben. Jedoch mit einer Einschränkung: Der Partner sollte der Gleiche wie vor der Attacke sein. Denn bei einer neuen Flamme befürchten die Experten größere Wallungen beim Liebesspiel.

Das Problem der Patienten: Leuner zufolge nehmen sie in den ersten Monaten nach dem Herzinfarkt-Trauma ihre Atmung, ihren Herzschlag und die Muskulatur besonders bewusst wahr. Und glauben, dass das Liebesspiel mehr Energie benötigt als andere körperliche Aktivitäten. Dies lege laut Experten an der Fehleinschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit oder an einer seelischen Verstimmung, die bisher unerkannt geblieben ist.

Klagt der Betroffene über Müdigkeit sowie Schlaflosigkeit, hat zudem keinen Appetit und bringt sich immer weniger in den sozialen Alltag ein, können dies die ersten Anzeichen für eine depressive Verstimmung sein. In den meisten Fällen verschwindet diese aber nach rund drei Monaten. Wenn nicht, ist eine psychologische Beratung mehr als ratsam.

Ansprechpartner Hausarzt

Wenn sich der Sex nicht mehr so anfühlt wie vor der Herzattacke, liegt das oft an den Medikamenten der Patienten. Präparate, die den Blutdruck senken, harntreibend, beruhigend oder antidepressiv wirken, können beim Liebesspiel ordentlich dazwischen funken. So kann es vorkommen, dass bei Männern die Erektion erschwert wird oder mitunter ganz ausbleibt. Das andere Extrem ist, dass der Mann zu früh kommt, der Samenerguss jedoch ausbleibt.

Bei Frauen hingegen können die Präparate dazu führen, dass beim Sex zu wenig Scheidenflüssigkeit produziert wird - die Vagina ist zu trocken, was Schmerzen beim Beischlaf zur Folge hat. Zudem kann auch hier ein Orgasmus ausbleiben.

Wichtig ist, dass die Patienten nicht die Medikamente absetzen, sondern mit ihrem Hausarzt darüber reden. Letztere müssen das Thema Sexualität viel offener ansprechen, damit Irrtümer nicht entstehen. Die Realität lässt aber noch zu wünschen übrig: Der US-Studie zufolge sprachen nur 41 Prozent der sexuell aktiven Männer und nur 24 Prozent der Frauen sexuelle Bedenken nach dem Infarkt an.

ham/loc/news.de

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • putinfanatiker
  • Kommentar 4
  • 03.06.2013 10:54

z K Es tut mir so sehr LEID Dein Komentar und ich mnuss Dir dazu folgendes sagen ! Ich hatte vor ca. 35 Jahren einen Versteckten Herzinfakt gehabt und ich waere dabei fast ueber die Klinge gersprungen und anschliessend hatte ich 18 Monate ( lange Zeit ) keinen Sex mit meiner Frau und meine Frau stand hinter mir wir beide haben es GEMEINSAM GEMEISTERT wobei ich sagen muss , bei meiner Frau ist Sex sehr wichtig , bei mir natuerlich auch aber in den 18 Monaten da haben wir uns GEGENSEITIG die Haende gehalten und zusammen diese sehr sehr schlimme Zeit DURCHGESTANDEN !!!!

Kommentar melden
  • Andrea S.
  • Kommentar 3
  • 12.05.2013 23:18

Jetzt bin ich durch Zufall auf diese Seite gelangt. Ich selbst hatte keinen Herzinfarkt, sondern mein Partner. Es war eine schlimme Zeit, doch wir haben sie überwunden. Doch was ganz ausblieb war der Sex. Immer wieder gab es da Gespräche, aber er hat sie nie so ganz richtig angenommen. Körperlich lief überhaupt nichts mehr, es gab keinen körperlichen Kontakt mehr. Nach über zwei Jahren habe ich mich nun getrennt. Ich konnte diese Belastung für mich nicht mehr aushalten. Den Grund für seine kommplette Enthaltsamkeit??? Ich habe sie nie erfahren, leider!!!

Kommentar melden
  • Roland .B
  • Kommentar 2
  • 21.03.2013 16:21

Ich bin und werde nichtmer der, der ich war Es war mein zweiter infag Der Kampf ist schwer

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig