Organspendeskandal ...und schuld bist du!

Leben oder Tod: Prominente Organspender und -empfänger
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Diese Manipulationen waren zumindest in der Regensburger Zeit des Mediziners wohl noch sehr einfach zu bewerkstelligen: Gemeldet werden Transplantationsfälle mit den Laborwerten der Patienten an die Stiftung «Eurotransplant» in den Niederlanden. Der Mediziner habe auf den Formularen für Eurotransplant schlechtere Laborwerte seiner Patienten eingetragen, damit sie auf der Warteliste nach vorn rutschten, sagt der FDP-Gesundheitsexperte im bayerischen Landtag, Otto Bertermann, selbst ein Mediziner. Seit 2007 müssen Ärzte die originalen Laborbefunde an Eurotransplant schicken, so dass diese Art der Manipulation inzwischen ausgeschlossen scheint.

Gesundheitsminister Bahr lädt zu Gesprächen

Bleibt die Frage, wer bei der Kontrolle versagt hat. Die erste und unmittelbare Aufsicht über «Doktor O.» hatte in Regensburg Hans Schlitt, der seit Donnerstag beurlaubte Direktor der chirurgischen Klinik. Schlitt ist eine international anerkannte Kapazität auf dem Gebiet der Transplantationsmedizin, er hatte den Oberarzt selbst nach Regensburg geholt. Nun wird geprüft, ob Schlitt seine Aufsichtspflicht verletzte. Die von Montgomery gepriesene ärztliche Selbstverwaltung merkte nach 2005 offenbar jahrelang nichts - von irgendwelche Hinweisen an die Behörden ist jedenfalls nichts bekannt.

FDP-Gesundheitsexperte und Arzt Bertermann meint deswegen: «Der Staat ist sehr wohl in der Verantwortung, Montgomery ist auf dem Holzweg.» Eine Schwächung der staatlichen Aufsicht hält Bertermann für keine Lösung. «Dann muss der Staat handeln, wenn die ärztliche Selbstverwaltung dazu nicht in der Lage ist.»

Inzwischen hat auch das Gesundheitsministerium reagiert. Wie eine Sprecherin bestätigte, lädt Gesundheitsminster Daniel Bahr für den 27. August Vertreter der Ärzteschaft, der Krankenhäuser und Krankenkassen sowie Transplantationsexperten zu einem Gespräch über mögliche Konsequenzen aus dem Skandal um Organspenden. Auch im Gesundheitsministerium würden derzeit Ideen gesammelt. Allerdings sei es vor allem Aufgabe der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen, Vorschläge vorzulegen, betonte die Sprecherin.

wam/news.de/dpa/dapd

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