Diagnose Burnout Rechtzeitig die Notbremse ziehen

Mit dem Stress im Job steigt das Burnout-Risiko, deshalb brauchen Mitarbeiter freie Wochenenden zum Reservenauftanken. (Foto)
Mit dem Stress im Job steigt das Burnout-Risiko, deshalb brauchen Mitarbeiter freie Wochenenden zum Reservenauftanken. Bild: dpa

Deutschlands neue Volkskrankheit: In den vergangenen Jahren hat die Diagnose Burnout massiv zugenommen. Arbeitnehmer fühlen sich durch Mattheit, Depression und Dauerstress blockiert und arbeitsunfähig. Wie können Erwerbstätige der chronischen Erschöpfung vorbeugen? News.de hat Tipps.

Seit 2004 ist die Zahl der krankheitsbedingten Fehltage aufgrund von Ausgebranntsein um knapp 1400 Prozent gestiegen: Im Jahr 2004 wurden bei 100 Versicherten wegen Burnouts 0,6 Fehltage im Jahr gezählt, sieben Jahre später waren es bereits neun Tage. 

Der chronische Erschöpfungszustand, der ein konzentriertes Arbeiten unmöglich macht, ist der internationalen Klassifikation von Erkrankungen zufolge keine Krankheit, sondern eine Zusatzdiagnose. Bemerkbar macht sich die Entkräftung durch Energielosigkeit, Antriebsschwäche, Reizbarkeit und Gleichgültigkeit. Auch nach Feierabend schaffen es Betroffene nicht, sich zu entspannen. Als Auslöser machen Mediziner langanhaltenden Stress verantwortlich, den die Betroffenen nicht angemessen bewältigen können. Die auslösende Belastung kann sowohl privater als auch beruflicher Natur sein.

Burnout
Ausgebrannte Promis

Burnout als Begleitdiagnose

Burnout geht oft mit psychischen Erkrankungen einher - zu den häufigsten zählen depressive Episoden, somatoforme Störungenkörperliche Beschwerden, die nicht hinreichend auf organische Erkrankungen zurückzuführen sind , Reaktionen auf schwere Belastungen, Angststörungen und Schlafstörungen ohne organische Ursachen. Knapp die Hälfte aller 2011 diagnostizierten Burnout-Fälle standen in Verbindung mit psychischen Erkrankungen.

Auch körperliche Beschwerden stellen sich häufig in Zusammenhang mit Burnout ein - hier spricht der Mediziner von psychosomatischen Erkrankungen. Zu den meistdiagnostizierten zählen neben Schlafstörungen, Kopf- und Nackenschmerzen auch Rückenbeschwerden und Tinnitus. Zudem sind Burnout-Patienten anfälliger für Alkohol- und Drogenmissbrauch, erhoffen sich durch die Suchtmittel einen Ausweg aus der Stress-Spirale.

Anfangssymptome erkennen und gegensteuern

Die Anfänge eines Burnout-Syndroms sind oft schleichend. Viele Betroffene engagieren sich zunächst überdurchschnittlich im Job, leisten freiwillig Überstunden und sehen sich als unersetzbares Rad im Getriebe der Firma. Darunter leiden meist die privaten Kontakte und Hobbies, irgendwann gibt es nur noch den Job. Bleiben dann Lob und Bestätigung am Arbeitsplatz aus, ist der Abwärtsstrudel schon in vollem Gange.

Bevor Arbeitnehmer aufgrund von anhaltendem Druck in der Burnout-Sog geraten, empfehlen Experten, genau auf die Signale des eigenen Körpers zu hören. Sie sind schon morgens nach ausreichend Schlaf wie gerädert? Die Arbeit macht nicht mehr so viel Spaß wie früher? Kollegen und Kunden, die Ihnen immer sympathisch waren, nerven nur noch? Sie haben das Gefühl, dass Ihre Arbeitsleistung nichts mehr wert ist? Gedanken an den Job gehen Ihnen auch nach Feierabend nicht aus dem Kopf?

Burnout-Experten raten dazu, rechtzeitig die Notbremse zu ziehen und auf Ablenkung zu setzen. Sportliche Betätigung an der frischen Luft, Kino- und Theaterbesuche und vor allem gefestigte Beziehungen im Privatleben sind optimal, um auf andere Gedanken zu kommen. Ein Gespräch mit dem Hausarzt ist ebenfalls empfehlenswert, um eine Verschlimmerung der Symptome einzugrenzen. Halten die Beschwerden jedoch an oder verschlimmern sich, ist professionelle Hilfe vonnöten.

Therapie von Burnout braucht Zeit

Im Rahmen einer Psychotherapie, die sowohl ambulant als auch stationär möglich ist, können Burnout-Patienten den Weg aus der Spirale von Ausgebranntsein und Depression lernen. Es dauert jedoch seine Zeit, bis Betroffene mit einer kognitiven Verhaltenstherapie ihre negativen Gedanken in positive umgewandelt haben. Konflikt- und Stressbewältigung steht meist ebenso auf dem Therapieplan wie Strategien für den Umgang mit Druck. Oftmals ist der ergänzende Austausch mit Betroffenen in einer Gruppentherapie hilfreich.

loc/sca/news.de/dapd

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