Private Zusatzvorsorge Das steckt hinter dem «Pflege-Riester»

Gegenwärtig sind laut Gesundheitsminister Daniel Bahr 2,4 Millionen Menschen pflegebedürftig. (Foto)
Gegenwärtig sind laut Gesundheitsminister Daniel Bahr 2,4 Millionen Menschen pflegebedürftig. Bild: dapd

Die Bundesregierung will die private Pflege-Zusatzversicherung fördern. Die Vorsorge wird schon als «Pflege-Riester» betitelt. Doch was steckt dahinter und für wen eignet sich die Vorsorge? Hier gibt es die wichtigsten Antworten.

Wer bekommt den Zuschuss?

Den Zuschuss von monatlich 5 Euro ab 2013 soll bekommen, wer zusätzlich zur gesetzlichen Pflichtversicherung für den Pflegefall vorsorgt. Dann gibt es als Anreiz vom Staat im Jahr 60 Euro dazu - unabhängig vom Einkommen. Die Zusatzversicherung soll die Lücke zwischen den tatsächlichen Pflegekosten und den deutlich niedrigeren Geldleistungen der gesetzlichen Versicherung schließen.

Wer ist die Zielgruppe?

Abschließen können eine solche staatlich geförderte Police sowohl gesetzlich als auch privat Versicherte. Eine Altersbeschränkung wird es nicht geben. Kein Antragsteller darf von den Versicherern abgelehnt werden. Die Anbieter dürfen auch keine Gesundheitsprüfung verlangen. Allerdings soll es dem Vernehmen nach eine fünfjährige Karenzzeit geben. Leistungen werden also erst nach dieser Frist erbracht. Vorgesehen ist ein monatlicher Mindestbeitrag von 10 Euro.

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Warum ist eine Pflegeversicherung grundsätzlich notwendig?

Pflegebedürftigkeit wird zunehmend zum Problem, weil immer mehr Menschen immer älter werden. So nahm die Zahl derer, die sich allein nicht mehr helfen konnten, zwischen 1999 und 2009 um 16 Prozent auf 2,34 Millionen zu. Experten erwarten, dass die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2030 auf 3,4 Millionen steigt. Die Pflegeversicherung wurde 1995 als Pflichtversicherung eingeführt. Die Beiträge entrichten Arbeitgeber und Arbeitnehmer je zur Hälfte.

Warum sollen Bürger zusätzlich bei der Pflege vorsorgen?

Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt wie eine Teilkasko die Kosten nur zum Teil ab. Der größere Rest bleibt an den Betroffenen hängen. Derzeit gibt es für die Pflege in Heimen 450 Euro in Pflegestufe 1, 1100 Euro in Stufe 2 und 1550 Euro in Stufe 3. In dieser letzten Stufe würde ein Heimplatz für Pflegebedürftige in der Regel aber mehr als 3000 Euro im Monat kosten.

Was kostet eine private Pflege-Vorsorge?

Das hängt vom Alter und vom Geschlecht ab. Wer alle drei Pflegestufen absichern will, zahlt als Mann in den Altersstufen 25/35/45 Jahre monatlich derzeit etwa 11, 18 oder 29 Euro. Für 50-Jährige sind es bereits knapp 37 Euro. Für Frauen liegen die Beträge bei 17, 27 und 44 Euro, für 50-Jährige bei 57 Euro im Monat. Billiger wird es kommendes Jahr für Frauen mit Inkrafttreten der neuen «Unisex-Tarife». Im Gegenzug müssen Männer dann aber mehr bezahlen.

Wie viel Geld steht für die Förderung zur Verfügung?

Eingeplant sind für 2013 rund 100 Millionen Euro. Bei dieser Obergrenze soll es bleiben. Das Geld reicht rein rechnerisch für die Förderung von 1,67 Millionen Policen. Fraglich ist, ob die derzeit schon abgeschlossenen gut 1,9 Millionen privaten Pflege-Policen in die Förderung einbezogen werden.

Reichen die Mittel aus dem Bundeshaushalt?

Das wird die Nachfrage zeigen. Würden acht Millionen Bürger mitmachen, wären 480 Millionen Euro an Fördergeldern fällig. Bei 15 Millionen Verträgen - so viele Policen gibt es derzeit für die als Vorbild dienende Riester-Rente - wären es 900 Millionen Euro, die der Staat zuschießen müsste. Die Vorgabe, keinen Bewerber ablehnen zu dürfen, könnte die Prämien deutlich in die Höhe treiben.

Was sagen Kritiker?

Opposition, Gewerkschaften und Sozialverbände kritisieren die private Pflege-Zusatzversicherung als Klientelpolitik zugunsten der Versicherungswirtschaft. Geringverdiener könnten sich eine private Zusatzversicherung gar nicht leisten. Die Kritiker fordern, das zunehmende Pflegerisiko durch höhere Beiträge zur solidarischen Pflegeversicherung abzudecken. Im staatlichen Zuschuss sehen sie eine Vergeudung von Steuergeldern.

sca/loc/news.de/dpa

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Elster
  • Kommentar 2
  • 11.06.2012 19:10

Für die Rentner lohnt sich dies nicht ,die5 Euro einsetzen .Für die bleibt doch bloß !/11 zur Verfügung .Was soll denn dies dann ?

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  • radile
  • Kommentar 1
  • 08.06.2012 13:40

Die FDP betreibt seit sie in Regierungsposition lupenreine Klientelpolitik, beginnend bei der Hotelbesteuerung über das Blockieren der Finanztransaktionssteuer bis nunmehr zur Zusatzpflegeversicherung, wovon nur die Versicherungsgesellschaften profitieren. Die Gesellschafter bzw. Aktionäre sind hier fast ausschließlich FDP-Mitglieder. Machen Sie sich hierzu selbst Ihre Gedanken, liebe Leser.

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