Patientenverfügung So kommen Patienten zu ihrem Willen

Wie behandeln mich Ärzte, wenn ich nach einem schweren Unfall meinen Willen nicht mehr äußern kann? Immer mehr beschäftigen sich damit und entscheiden sich für eine Patientenverfügung. Worauf Sie dabei achten müssen und welche anderen Optionen es gibt, hat news.de zusammengefasst.

Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten werden zur Stimme des Patienten, wenn dieser sich nicht mehr äußern kann. (Foto)
Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten werden zur Stimme des Patienten, wenn dieser sich nicht mehr äußern kann. Bild: dpa

In gesunden Tagen denken die wenigsten gern daran, dass sie mitunter nach einem Unfall oder durch eine schwere Erkrankung im Krankenhaus liegen, ohne selbst über ihre Behandlung entscheiden zu können. Dass Angehörige im vermeintlichen Sinne des Patienten agieren dürfen, ist ein Irrglaube - das belegen nicht zuletzt aktuelle Gerichtsentscheide.

Ärzte sind dazu verpflichtet, das Leben ihrer Patienten zu erhalten - es sei denn, der Patient selbst lehnt lebensverlängernde Maßnahmen oder bestimmte Behandlungsmethoden strikt ab, idealerweise in schriftlicher Form. Dann ist der Arzt an den Wunsch des Kranken gebunden.

Das Thema Patientenverfügung ist für die Mehrzahl der Bundesbürger kein unbekanntes Thema: Umfragen zufolge wissen über 90 Prozent der Deutschen, dass die Möglichkeit besteht, ein solches Dokument aufzusetzen. 15 Prozent der Befragten haben bereits für den Ernstfall vorgesorgt und eine Patientenverfügung verfasst, weitere 40 Prozent haben dies vor. Damit Mediziner den Willen schwer erkrankter Patienten befolgen können, müssen beim Niederschreiben der Verfügungen einige Punkte beachtet werden.

Standardfloskeln helfen im Notfall nicht

Allgemeinplätze wie «Ich möchte nicht an medizinische Apparate angeschlossen werden» oder «Ich möchte in Würde sterben», helfen Medizinern nicht weiter, da jeder Mensch diese Aussagen anders für sich interpretiert. Nutzen Sie deshalb keine vorgedruckten Formulare für Ihre Patientenverfügung, sondern verfassen Sie Ihre Wünsche mit eigenen Worten. Das dauert zwar mitunter länger, erspart behandelnden Ärzten aber Probleme und stellt sicher, dass Sie Ihre gewünschte Therapie erhalten.

Wer unsicher ist, kann auch im Vorfeld ein klärendes Gespräch mit seinem Hausarzt führen. Er erläutert genauer, was es mit künstlicher Ernährung auf sich hat oder welche lebensverlängernden Maßnahmen es gibt. So können Patienten ihren eigenen Standpunkt besser finden und zu allgemein gehaltene Formulierungen in der Patientenverfügung vermeiden.

Da sich der eigene Gesundheitszustand und die Kenntnisse der Medizin ändern können, sollte eine Patientenverfügung alle zwei Jahre aktualisiert werden. Eine zusätzliche Unterschrift eines Zeugen, zum Beispiel des Hausarztes, ist von Vorteil. Dieser kann bekräftigen, dass der Patient zum Zeitpunkt der Unterschrift urteilsfähig war.

Vorsorgevollmachten sichern umfangreicher ab

Mitunter stehen Angehörige vor dem Dilemma, dass sie im Namen eines erkrankten Angehörigen weitere Entscheidungen treffen sollen. Nahe Verwandte dürfen dies jedoch nicht automatisch - es sei denn, sie wurden vom Patienten als Vorsorgebevollmächtigte eingesetzt. Andernfalls bestimmt das zuständige Gericht einen Betreuer.

Deshalb empfiehlt sich eine Vorsorgevollmacht neben der Patientenverfügung. Dieses Dokument beschränkt sich nicht allein auf Gesundheitsfragen. Auch Entscheidungen rund um Behörden, Vermögen, Wohnungsangelegenheiten und gerichtliche Belange sind in der Vollmacht enthalten. Ob und in welchem Umfang der Bevollmächtigte in diesen Punkten stellvertretend entscheiden darf, kann jeder selbst entscheiden und niederschreiben.

Als Bevollmächtigter kann sowohl ein Familienmitglied als auch eine befreundete Person eingesetzt werden. Auch die Ernennung zweier Bevollmächtigter ist sinnvoll, falls einer im Ernstfall verhindert sein sollte. Besonders ausschlaggebend ist die persönliche Vertrauensbindung - schließlich soll der Bevollmächtigte im Notfall wichtige Entscheidungen im Sinne des Patienten treffen. Die Auswahl erfordert also sorgfältiges Abwägen und Gespräche im Familien- und Freundeskreis.

Ebenso wie eine Patientenverfügung wird eine Vorsorgevollmacht idealerweise von einem Notar bestätigt - so ist das Dokument juristisch bindend. Mit Rückfragen sind Verbraucher ebenfalls am besten bei einem Notar aufgehoben. Wie eine Vorsorgevollmacht aussehen kann, verrät das Bundesministerium für Justiz: Im Internet gibt es vorgefertigte Formulare zum Download.

Damit im Notfall rasch im Sinne des Patienten gehandelt werden kann und nicht erst das große Rätselraten losgeht, ob der Patient eine Vorsorgevollmacht hat, sollte das Dokument im Zentralen Vorsorgeregister hinterlegt werden. Dafür gibt es ebenfalls Anträge im Netz.

Dritte Option: Die Betreuungsverfügung

Für den Fall, dass ein Patient durch eine schwere Erkrankung keine eigenständigen Entscheidungen mehr treffen kann, gibt es außerdem die Betreuungsverfügung. Bevor ein Gericht einen Betreuer bestätigt, wird geprüft, ob die vom Patienten vorgeschlagene Person ihre Aufgabe erfüllen kann. Der Betreuer wird außerdem regelmäßig vom Gericht kontrolliert und ist an gesetzliche Vorgaben gebunden - das ist der auffälligste Unterschied zu einem Vorsorgebevollmächtigten.

In formeller Hinsicht empfiehlt sich auch für Betreuungsverfügungen, den Text möglichst individuell und nicht komplett nach Vordrucken zu formulieren. Immerhin kann der persönliche Wille anders aussehen als vorgefertigte Textbausteine. Eine regelmäßige Aktualisierung, bestätigt durch die eigenhändige Unterschrift, macht das Ganze juristisch bindend.

loc/sca/news.de/dpa

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Elster
  • Kommentar 2
  • 23.09.2012 08:34

Korrektur: hinfällig und Gruß muß es heißen..

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  • Elster
  • Kommentar 1
  • 23.09.2012 08:30

Setze ich die Vertrauensperson ein in der Vollmacht ,dann frage ich mich persönlich :Hat die Person die Garantie ,daß Sie lebt noch ,wenn mir was passiert?Die kann eher von der Erde hier gehen und dann ist dies huinfällig .Ist halt so ! Schönen Ruß auch .

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