Hilfsmittel für Blinde Wunder der Technik

Auge (Foto)
Für Sehbehinderte und Blinde gibt es mittlerweile viele technische Hilfsmittel, die den Alltag erleichtern. Bild: iStockphoto

Von Clarice Wolter
Der Blindenstock war erst der Anfang. Mit der Evolution der Technik hat sich auch für Blinde und Sehbehinderte ein großes Feld der Hilfsmittel aufgetan. Sprechende Waagen und Geldscheinscanner sind einige der großartigen Entwicklungen, die auf der Hilfsmittelmesse «SightCity» zu sehen sind.

Sprechende Waagen, elektronische Lupen und ertastbare Messbehälter: Es sind die kleinen Dinge, die Blinden und Sehbehinderten den Alltag erleichtern können. Bei der europaweit größten Hilfsmittelmesse «SightCity» können sich Fachbesucher und Betroffene von Mittwoch bis Freitag (23. bis 25. Mai) in Frankfurt über das Angebot informieren, wie Ingrid Merkl, Leiterin des Organisationsteams, sagt. Mehr als 4000 Gäste und gut 130 Aussteller aus Europa, Amerika und Asien werden erwartet.

In Deutschland leben den Angaben der Messe zufolge etwa 500.000 sehbehinderte und rund 150.000 blinde Menschen. «Für sie hat sich mit den Hilfsmitteln eine Marktnische entwickelt», sagt Merkl.

Die Aussteller zeigen unter anderem Uhren, Thermometer und Telefone mit Sprachausgabe. Außerdem gibt es ein Gerät, das den Wert eines Geldscheins prüft und vorliest, wie Siegfried Höhnig vom Landeshilfsmittelzentrum Sachsen erläutert. Zudem zeige er viele Küchenhilfen wie Messbehälter, mit denen man die Menge «abfassen» kann, und ein Backofenhandschuh, der Hitze bis zu 315 Grad standhält. «Ein Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel zum Ertasten ist auch dabei», wie Höhnig berichtet. Ein Barcodescanner ist ebenfalls im Programm, er lässt sich auf ein spezielles Handy stecken und liest im Supermarkt Informationen zu Produkt, Zutaten und Menge vor.

Schrift aus der Zeitung, Beipackzetteln oder Büchern scannen

Veronika Alter von der Firma Optelec gehört auch zum Organisationsteam der Messe. Das Unternehmen aus den Niederlanden mit deutschem Sitz im mittelhessischen Schwalmstadt hat die ersten Module in der Blindenschrift Braille entwickelt. Ein solches Modul könne man sich wie eine Computertastatur vorstellen, «nur nicht mit Buchstabenknöpfen, sondern Punktschriftfeldern, aus denen dann zum Abtasten Stäbchen hochgedrückt werden».

Auf der Messe stellt die Firma eine neue elektronische Handlupe vor, «die einzige, die anderthalb- bis 18-fach vergrößern kann», betont Alter. Die meisten anderen elektronischen Handlupen gingen erst bei zwei- oder zweieinhalbfacher Vergrößerung los. Dadurch sei das Gerät besonders für an Retinitis PigmentosaErblich bedingte Erkrankung, die die Netzhaut zerstört. erkrankte Menschen geeignet. Bei dieser Augenkrankheit bildet sich die Netzhaut zurück, sodass eine fortschreitende Sehbehinderung eintritt.

Die Lupe erinnere äußerlich eher an einen Fotoapparat und vergrößere die Schrift mittels einer Kamera, erklärt Alter. «Das Display wird über das Papier geschoben und die Schrift gescannt - aus der Zeitung, Beipackzetteln oder Büchern.» Getestet habe es auch der Geschäftsführer - selbst blind.

Barrierefreie Führungen durch Frankfurt

Im Rahmen der Messe werden nicht nur Produkte präsentiert, sondern auch barrierefreie Führungen durch Frankfurt angeboten. Zudem erwartet die Besucher den Angaben zufolge ein Vortrags- und Diskussionsprogramm, Ärzte geben Rat, und Selbsthilfegruppen stellen sich vor. Neben der Beratung auf der Messe biete die «SightCity» eine Telefon-Hotline für medizinische Fragen zu Krankheitsbildern, Forschung und Therapiemöglichkeiten, betont Merkl. Den Organisatoren gehe es auch darum, dass Sehbehinderte und Blinde mit Alltagshilfen wie Handlupen und Vorlesesoftware weiter oder wieder einer Arbeit nachgehen könnten.

Zur Orientierung in Alltag und Beruf könne auch Etikettiergerät beitragen, sagt der Mitarbeiter des Deutschen Hilfsmittelvertrieb in Hannover, der mit dem Slogan «Uns können Sie blind vertrauen» wirbt. «Damit können Schriftstücke oder die CD-Sammlung markiert, aber auch Inhalt und Haltbarkeit einer Konservendose gekennzeichnet werden», erläutert er. Es sei, wie auf einen Anrufbeantworter zu sprechen. Das elektronische Etikett werde mit einem Code versehen, mit dem die Sprachaufnahme wiedergegeben werden könne. «70 Stunden Text lassen sich auf das Gerät sprechen», früher sei es zwar mithilfe der Brailleschrift auch möglich gewesen, Etiketten zu erstellen, «aber da hat natürlich nicht so viel drauf gepasst».

rzf/sca/news.de/dapd

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig