Entspannt reisen Die Flugangst in den Griff kriegen

Flugangst besiegen (Foto)
Wer unter Flugangst leidet, den Flieger aber wegen des Jobs nicht meiden kann, hat ein Problem. Bild: dpa

Wer unter Flugangst leidet, den Flieger aber aus beruflichen Gründen nicht meiden kann, steckt in einem Dilemma. Hilfe können spezielle Seminare bringen, bei denen sich lernen lässt, die Angst vor dem Fliegen zu beherrschen.

Als Kind ist Veit Hemmeter häufiger geflogen, hatte nie damit Probleme. Alles ging gut bis vor sieben Jahren, als Hemmeter von Berlin nach Estland zum Segeln fliegen will. Kurz nachdem die Maschine die maximale Flughöhe erreicht hat, schalten sich die Triebwerke aus und das Flugzeug geht in einen steilen Sinkflug.

Hemmeter und die anderen Passagiere sind überzeugt: Jetzt stürzen sie ab. Im Nachhinein stellt sich heraus, dass ein Teil des Flugzeuges abgerissen war. Die Folge: Der Druckausgleich in der Kabine funktionierte nicht mehr. Da der Pilot rechtzeitig reagierte, konnte er die Maschine in Berlin notlanden. Doch bei Hemmeter hat der Flug Spuren hinterlassen, seitdem hat er kein Flugzeug mehr betreten.

Vor kurzem aber hat er seine eigene Firma gegründet. Hatte der 25-Jährige in den letzten Jahren Urlaubsziele gemieden, die nicht mit dem Auto zu erreichen sind, wird er in Zukunft aus beruflichen Gründen viel fliegen müssen. Um seine Angst davor in den Griff zu kriegen, besuchte er im März ein Seminar zur Flugangstbewältigung.

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Die Angst im Nacken
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Solche Seminare gibt es überall in Deutschland: Hemmeter war bei der Münchner Agentur Texter-Millott, die mit der Lufthansa zusammenarbeitet. Zu weiteren Anbietern zählen Coaching-Agenturen wie beispielsweise Flugangst Service, Skycair oder Flugangst-Coaching, die solche Seminare in Kooperation mit Fluggesellschaften wie Air Berlin, Condor und Germanwings durchführen.

Das Fliegen allein ist nicht das Problem

Wer unter Flugangst leidet, sollte sich zunächst einmal damit auseinandersetzen, was das Gefühl Angst eigentlich genau ist. «Es ist hilfreich, ein Verständnis für die eigene Angst zu entwickeln, um sie bewältigen zu können», sagt Diplom-Psychologin Inga Schlattmann. Nicht immer ist es die eigentliche Situation, sprich das Fliegen, wovor sich die Betroffenen fürchten. Häufig sind es die Symptome der Angst wie Schwindel, Herzrasen und Schweißausbrüche, die als bedrohlich empfunden werden. Für Betroffene ist es wichtig zu lernen, dass die Angst selbst zwar etwas Unangenehmes ist, aber nichts Gefährliches.

Beim Fliegen können mehrere Ängste zusammenkommen: Die Angst vor Enge, vor Höhe, vor Kontrollverlust. Während die meisten beim Autofahren oder Zugfahren das Gefühl haben, einen Rest Kontrolle zu behalten, wird das Fliegen von einem Gefühl begleitet, als wäre der Passagier ausgeliefert. Laut einer Umfrage des Portals Treffpunkt Flugangst äußert sich Flugangst bei Männern am häufigsten durch Symptome wie schnelle Atmung und Zittern. Frauen reagieren vor allem mit Verkrampfung und Unwohlsein. Das soll mit einem Seminarbesuch bald der Vergangenheit angehören.

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Als Vorbereitung zeigt Seminarleiterin Schlattmann den Teilnehmern Lockerungsübungen und Entspannungstechniken, die sie vor und während eines Fluges anwenden können. Eine davon ist der sogenannte Muskelpanzer, eine Form der progressiven Muskelentspannung. Dabei werden verschiedene Muskelpartien kurzzeitig angespannt. Durch den starken Kontrast wird die daraufhin eintretende Entspannung viel intensiver wahrgenommen.

Vielen Betroffenen hilft es, sich mit der Bauweise eines Flugzeugs auseinanderzusetzen. In Büchern, Internetportalen und Seminaren zum Thema Flugangst wird erläutert, warum ein Flugzeug überhaupt fliegt, wie die Ausbildung eines Piloten aussieht und wie ein Flugzeug ausgestattet ist. So sind zum Beispiel alle wichtigen Instrumente an Bord zwei- bis dreimal vorhanden.

sca/rzf/news.de/dpa

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