Lebensmittel Das steckt hinter dem Mindesthaltbarkeitsdatum

Mindesthaltbarkeitsdatum  (Foto)
Eine Art Qualitätszusage: Das Mindesthaltbarkeitsdatum meint den Zeitpunkt, «bis zu dem ein Lebensmittel unter angemessenen Aufbewahrungsbedingungen seine spezifischen Eigenschaften behält». Bild: dpa

Elf Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland auf den Müll. Etwa die Hälfte davon schmeißen die Verbraucher weg - oft aus Unsicherheit über das Mindesthaltbarkeitsdatum. Doch ist der Joghurt wirklich schlecht und die Wurst ungenießbar, wenn das Datum überschritten wird?

Das Mindesthaltbarkeitsdatum auf Becherdeckeln und anderen Packungen im Kühlschrank ist in die Diskussion geraten. Jahr für Jahr landen in Deutschland tonnenweise Lebensmittel auf dem Müll, die noch völlig einwandfrei wären. Eine Aufklärungskampagne in mehr als 20.000 Supermärkten soll Kunden besser informieren, was das Datum genau bedeutet. Die Botschaft lautet: Der Tag auf dem Joghurtdeckel ist eine Qualitätszusage, eine Art «Noch-nicht-Wegwerfdatum». Hier einige Fragen und Antworten rund um das Mindeshaltbarkeitsdatum:

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Wie ist das Mindesthaltbarkeitsdatum rechtlich geregelt?

Laut Lebensmittelkennzeichnungsverordnung gehört bei den meisten Produkten ein Mindesthaltbarkeitsdatum auf die Packung. Das meint den Zeitpunkt, «bis zu dem ein Lebensmittel unter angemessenen Aufbewahrungsbedingungen seine spezifischen Eigenschaften behält». Gemeint sind Geschmack, Geruch, Farbe, Konsistenz und Nährwert in der ungeöffneten Packung. Der genaue Tag muss in wenigstens zwei Millimeter großer Schrift aufgedruckt werden. Bei langlebigen Produkten reicht eine Angabe wie «mindestens haltbar bis Ende 07/2013». Kein Mindesthaltbarkeitsdatum brauchen beispielsweise Obst, hochprozentiger Alkohol oder Zucker.

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Wer bestimmt das Datum und wie wird es überprüft?

Verantwortlich für das Datum sind die Hersteller. Dabei stützen sie sich auf Erkenntnisse, wie sich der Zustand des Produkts unter bestimmten Bedingungen verändert - etwa beim Vitamingehalt. Beim Joghurthersteller Danone beispielsweise ermittelt die Forschungs- und Entwicklungsabteilung den Tag X mit mehreren Methoden. Mindestens haltbar sind Joghurts dann etwa vier bis sechs Wochen. Zuständig für die Kontrolle der Kennzeichnungen sind die Lebensmittelbehörden der Bundesländer.

Wie geht es im Supermarkt weiter?

Wenn sie ins Geschäft geliefert werden, haben Produkte zeitlich «Luft» bis zum Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums. In die Regale kommen die Lebensmittel erst nach und nach. Beim Nachfüllen von Lücken werden die Haltbarkeitsdaten geprüft, wie es beim Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels heißt. Naht der aufgedruckte Tag, gebe es zwei Varianten: Die Ware wird heruntergesetzt und als Sonderangebot verkauft. Oder sie geht an Tafeln, die Lebensmittel an Bedürftige verteilen. Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht, wird die Packung aus dem Regal genommen. Dabei wissen viele Kunden, dass Produkte mit kürzerem Datum meist vorne stehen - und greifen lieber nach hinten.

Wäre eine andere Bezeichnung als «Mindesthaltbarkeit» besser?

Ob es einen treffenderen Begriff gäbe, ist umstritten. Manche Experten warnen, das aufgedruckte Datum werde zu oft als Wegwerffrist verstanden. Der Vorsitzende des Verbraucherausschusses im Bundestag, Hans-Michael Goldmann (FDP), schlug daher zwei andere Angaben für die Packung vor: «voller Genuss bis zum Tag X und essbar bis zum Tag Y». Die Formel «mindestens haltbar bis» sei eigentlich klar, argumentieren dagegen Handel und Hersteller. Das sieht auch Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) so. Sie bezweifelt, ob etwas das englische «best before» («am besten bis...») viel verständlicher wäre.

Was soll die Aufklärungsaktion bringen?

Rund vier Millionen Flugblätter und Infokarten sollen in 21.000 Supermärkten verteilt werden. Die Aktion mit dem Lebensmittelhandel ist für Aigner ein Baustein im Kampf gegen die enorme Verschwendung, die gerade eine Studie dokumentierte: Aus den privaten Haushalten stammen 6,7 Millionen von insgesamt 11 Millionen Tonnen Nahrung, die hierzulande jährlich im Müll landen. Jeder Bürger wirft im Schnitt knapp 82 Kilo Lebensmittel weg, dabei wären 53 Kilo noch genießbar.

Was unterscheidet Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum?

Ein Anliegen der Kampagne ist, den Unterschied des Mindesthaltbarkeitsdatum zum «Verbrauchsdatum» für leicht verderbliche Ware wie Hackfleisch klar zu machen. Das Verbrauchsdatum ist im Unterschied zum Mindesthaltbarkeitsdatum speziell vorgeschrieben bei «sehr leicht verderblichen Lebensmitteln, die nach kurzer Zeit eine unmittelbare Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellen könnten» - also etwa Hackfleisch. Die Datumsangabe «verbrauchen bis...» sollte nicht überschritten werden, danach darf ein Produkt nicht mehr verkauft und verspeist werden.

rzf/sca/ham/news.de/dpa

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Christine
  • Kommentar 3
  • 05.06.2012 10:35

Ich werfe keine Lebensmittel weg, entweder werden sie haltbar gemacht - so wie früher - oder gleich verbraucht. Meist kaufe ich sogar reduzierte Lebensmittel und habe gesundheitlich noch keinen Schaden genommen. Bei der Tafel werden solche Lebensmittel an Bedürftige abgegeben - sind die Menschen schlechter als andere, weil die teilweise auf solche Lebensmittel angewiesen sind? ... und eben, ich kann doch wohl selbst erkennen ob ein Lebensmittel noch gut ist oder nicht und wenn ich das nicht erkennen kann, dann liegts oft an der Verpackung - da erkenne ich nicht was darin ist, wies aussieht.

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  • Wutbürger
  • Kommentar 2
  • 20.05.2012 10:07
Antwort auf Kommentar 1

Ich hab's jedem gesagt. "Freunde", hab' ich gesagt, "Andreas aus Frauentausch hat Recht.". Gelacht haben sie, sie haben gesagt ich sei ekelig. Ich würde altes, schlechtes Essen schlingen. Was denn dabei wäre, wenn ich mir einfach etwas Frisches kaufe. Man sagt ja nichtmehr neu, man sagt jetzt frisch. Klingt auch viel netter, denn unfrische Ware möchte ja keiner verzehren, wobei neu immer so einen fahlen Beigeschmack hat. ;)

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  • Paul Herchenbach
  • Kommentar 1
  • 19.05.2012 16:06

Das Mindesthaltbarkeitdatum ist nur von Bürokraten erfunden worden,damit es auch von Bürokraten überwacht werden muss.Eine gigantische Arbeitsbeschaffungsmassnahme zur Vermehrung der Bürokraten !!! Die Hausfrauen u.Hausmänner werden einfach als zu dumm dargestellt , selbst zu erkennen ob ein Lebensmittel noch geniessbar ist,oder nicht. Eine regelrechte Entmündigung !!! Für wie schlau hält sich die Bürokratie eigentlich??? Was die leisten,kann man ja täglich erleben !!

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