Krebsfrüherkennung Wer nicht vorsorgt, soll draufzahlen

Mehr Krebsfälle in Deutschland (Foto)
hImmer mehr Krebsfälle: Umso wichtiger seien die Vorsorgechecks. Wer aber da nicht mitspielt, soll finanziell bestraft werden.   Bild: dpa

Ärzte schlagen Alarm: Die Zahl der Krebserkrankungen nimmt durch den demographischen Wandel pro Jahr massiv zu. Für 2012 werden 490.000 neue Krebsfälle prognostiziert. Jetzt will die Politik durchgreifen und hat es auf Vorsorgemuffel abgesehen.

Immer mehr Krebsfälle, dafür nimmt die Sterberate kontinuierlich ab - das ist die Botschaft des Zentrums für Krebsregisterdaten am Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin, das anlässlich des 30. Deutschen Krebskongresses in Berlin die neuen Zahlen veröffentlicht hat.

Während vor 1980 zwei Drittel der Erkrankten an Krebs gestorben waren, sei es inzwischen weniger als die Hälfte, wie Zentrumsleiter Klaus Kraywinkel erklärt. Durch verbesserte Therapien geht die Sterberate laut RKI seit 1999 zurück.

Unterdessen steigt die Zahl der Krebserkrankungen bundesweit weiter. Für 2012 sei Kraywinkel zufolge mit 490.000 Neuerkrankungen zu rechnen. Das sind 100.000 Patienten mehr als zehn Jahre zuvor. Das RKI stützt dabei aber nur auf Schätzungen. Denn nicht jedes Bundesland liefert belastbare Statistiken.

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Der Hauptgrund für den Anstieg der Neuerkrankungen ist laut RKI die demographische Entwicklung. Die meisten Fälle treten im Alter auf. Zudem seien durch die Einführung des Mammographie-Screenings zur Brustkrebsvorsorge mehr Erkrankungen erkannt worden. Gleiches gelte für die Früherkennung von Hautkrebs, sagt Kraywinkel. Frauen erkrankten 2008 wie in den Jahren zuvor am häufigsten an Brustkrebs. Bei den meisten Männern wurde Prostatakrebs diagnostiziert.

Versicherte mit Bonusprogrammen ködern

Die aktuellen Zahlen ruft auch die Politik auf den Plan. Wenn es nach dem Willen der schwarz-gelben Koalition geht, sollen die Bundesbürger weitaus regelmäßiger zur Krebsvorsorge gehen. Ähnlich wie beim Karies-Check. Es müsse gelingen, «dass es läuft wie beim Zahnarzt», sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn (CDU). Wer regelmäßig zur Zahnprophylaxe geht und dies in einem Bonusheft dokumentiert, bekommt von den gesetzlichen Kassen später für Kronen oder Brücken höhere Zuschüsse.

Spahn erläuterte, eine bereits bestehende Regelung zu Vorsorgeuntersuchungen etwa gegen Krebs solle verstärkt umgesetzt werden. Dabei werden chronisch kranke Versicherte finanziell bestraft, wenn sie Vorsorgeuntersuchungen nicht regelmäßig in Anspruch genommen haben. In diesen Fällen erhöht sich eine Belastungsgrenze, bis zu der Zuzahlungen gezahlt werden müssen. «Die Kassen müssen das umsetzen», forderte Spahn.

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Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sagte der Bild-Zeitung: «Nach dem Screening bei Brustkrebs wollen wir nun Ähnliches bei Darmkrebs und Gebärmutterhalskrebs erreichen. Die bestehenden Angebote müssen noch wirksamer und sicherer werden.» Denkbar sei ein Einladungsverfahren wie beim Brustkrebs. «Wir müssen nicht nur die Menschen erreichen, die zum Arzt gehen, sondern auch die anderen, die Gesunden.»

Bei der Krebsvorsorge werden zahlreiche Leistungen von den gesetzlichen Kassen bezahlt. Daneben gibt es zum Beispiel viele Tests auf Prostatakrebs, die von Ärzten als Leistungen zum Selbstzahlen angeboten werden. Kritiker weisen immer wieder darauf hin, dass es zu verkehrten Befunden kommen könne und Patienten sich dann in der falschen Sicherheit wiegen, keinen Tumor zu haben. Andere könnten von einem positiven Befund schockiert werden, obwohl keine akute Bedrohung da sei.

sca/news.de/dpa/dapd

Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • Pit
  • Kommentar 4
  • 23.02.2012 12:52

Ich bin 70 Jahre alt und da mein PSA Wert sehr hoch ist, hat vor ca. 2 Wochen mein Urologe eine Biopsie durchgeführt. Das Resultat war, dass ich ProstataKrebs habe im Anfang und muss bald operiert werden. Den PSA Wert habe ich seit ca. 10 Jahren nie bezahlen müssen, ausserdem habe ich in den 10 Jahren 4 x eine Biopsie durchführen lassen. Ich gehe zur Vorsorge aus dem Grund heraus, weil mein Schwager mit 50 Jahren an Prostatakrebs gestorben ist.

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  • Ramleh Effi
  • Kommentar 3
  • 22.02.2012 18:03

Ein Tusch dem Narren--hat der oder die "Repaesentanten" des Volkes das Ende der Fastnacht noch nicht bemerkt--oder ist der/Sind die auch sonst so bekloppt.Wohl erkannt wurde,daß zur Zunahme der Krebserkrankungen allerdings mit mehr Lebenserwartung durch die immer besseren Therapien führt--also müßte man da ansetzen;die Vorsorgemuffel kriegen dann keine Therapie mehr,wenn sie die nicht bezahlen können---und dann kommen wir der Endlösung der Rentenfrage immer näher.Helau-Helau

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  • kritiker
  • Kommentar 2
  • 22.02.2012 17:37

Die Kassen sollen bei Männern doch erst mal den PSA-test bezahlen. Solange dies nicht geschieht, ist das ganze doch nur eine Farce, um die Versicherten mit weiteren erhöhten Beiträgen zu drangsalieren.

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