Beruf DAK-Report: Büro-Stress als Ursache von Herzinfarkten

Hunderttausende Menschen erleiden jedes Jahr Herzanfälle, oft endet es tödlich. Eine Ursache könnte im Büroalltag liegen: Starker Arbeitsdruck bei geringer Bezahlung oder miesem Klima schadet. Um sich zu schützen, brauchen Arbeitnehmer einen Ausgleich.

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DAK-Report: Büro-Stress als Ursache von Herzinfarkten Bild: dpa

Berlin (dpa) - Hunderttausende Menschen erleiden jedes Jahr Herzanfälle, oft endet es tödlich. Eine Ursache könnte im Büroalltag liegen: Starker Arbeitsdruck bei geringer Bezahlung oder miesem Klima schadet. Um sich zu schützen, brauchen Arbeitnehmer einen Ausgleich.

Forscher warnen vor zunehmendem Büro-Stress als einer Ursache für die jährlich mehr als 207 000 Herzinfarkte in Deutschland. Das geht aus dem am Dienstag (14. Februar) in Berlin veröffentlichten DAK-Gesundheitsreport hervor. Den Angaben zufolge leiden 9,3 Prozent der Beschäftigten in der Bundesrepublik unter einer Krise, die von steigendem Arbeitsdruck bei gleichzeitig als mangelhaft empfundener Anerkennung oder Bezahlung herrühre. «Rauchen, Bluthochdruck, erhöhte Bluttfettwerte - das sind alles Risikofaktoren, die uns geläufig sind», sagte Studienautor Hans-Dieter Nolting.

15 Prozent der Befragten gaben an, sie hätten eine Verschlechterung der Arbeitssituation erfahren. Rund 22 Prozent litten stark unter häufigem Zeitdruck. Über zu wenig Lohn klagen rund 23 Prozent, über mangelnde Anerkennung durch Chefs und Büro-Umfeld rund 17 Prozent.

DAK-Gesundheit-Chef Herbert Rebscher machte deutlich, dass er es für plausibel hält, dass wachsende psychosoziale Belastung am Arbeitsplatz zu Herzinfarkten führen könne. Auch die ständige Verfügbarkeit durch neue Technologien, etwa mobiles Internet, könne zu den Ursachen zählen.

«Bei Stress steigen unter anderem der Puls und der Blutdruck, und es werden die Stresshormone Adrenalin und Cortisol freigesetzt», erläutert Norbert Smetak, Bundesvorsitzender des Bundesverbands Niedergelassener Kardiologen in München. Der hohe Hormonspiegel könne kurzfristig dazu führen, dass Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen platzen und einen Infarkt auslösen. Langfristig hätten Menschen mit hohem Cortisolwert schlechte Blutzucker-, Blutfett- und Blutdruckwerte. Diese Faktoren gelten ebenfalls als Risiken für Herzkreislauf-Erkrankungen. «Stress hat eine verstärkende Wirkung», warnt Smetak. Workaholics seien daher gefährdeter als andere Menschen.

Um sich zu schützen, sollten Arbeitnehmer sich einen Ausgleich suchen und den Büro-Stress regelmäßig abbauen. «Stress gehört zum Leben, wir können ihm nicht immer ausweichen. Wichtig ist aber, dass wir eine Balance zwischen Belastung und Entlastung finden», sagt Smetak. Geschieht das nicht, könne akuter Stress im schlimmsten Fall zum Herzinfarkt führen.

Wichtig sei es daher, die sogenannte Work-Life-Balance auszutarieren. Das heißt, nicht nur wie besessen zu arbeiten, sondern sich auch genug Zeit zum Erholen zu nehmen. Zum Ausgleich empfiehlt Smetak außerdem ein Bewegungsprogramm mit dreimal wöchentlich Sport und einer ausgewogenen Ernährung. Doch das sei oft ein Problem: «Stressgeplagte sind nicht so stark: Sie greifen eher mal zur Schokolade, die den Körper Glückshormone ausschütten lässt, und zur Zigarette, die vermeintlich Stress abbaut.»

Wer dem Stress nicht ausweichen kann, sollte Entspannungsmethoden wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen erlernen. «Von diesen Dingen halte ich sehr viel, weil sie einen nach wenigen Minuten von der Anspannung runterholen.». Ein guter Zeitplan, gute Organisation und gute Vorbereitung seien weitere Aspekte, die das Leben stressfreier machten.

Die Forscher des Berliner IGES-Instituts hatten für den Gesundheitsreport die Daten von 2,4 Millionen Mitgliedern der Krankenkasse DAK ausgewertet, 3035 Erwerbstätige mit Online-Fragebögen befragt sowie zusätzlich mit Experten gesprochen.

DAK-Gesundheitsreport

Online-Beratung für Herzkranke

Rund 60 000 Herzinfarkt-Tote im Jahr

Nach der jüngsten Erhebung gab es in Deutschland zuletzt 207 691 akute Herzinfarkte im Jahr, die im Krankenhaus behandelt wurden. 56 226 Menschen starben daran, davon 30 934 Männer und 25 292 Frauen. Dazu kommen fast 4000 Tote wegen rezidivierenden, also wiedergekehrten Infarkten. Diese Angaben stammen nach Angaben der Deutschen Herzstiftung aus dem «Herzbericht 2010» von Ernst Bruckenberger.

news.de/dpa

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