Fieber Wenn die Kinderstirn glüht

Fieber bei Kindern nicht um jeden Preis senken (Foto)
Fieber an sich ist keine Krankheit. Es zeigt, dass das Immunsystem gegen Viren und Bakterien kämpft. Bild: dpa

Von Bettina Levecke
Das Kind hat Fieber, Mama und Papa sind besorgt. Besonders bei kleinen Kindern, die ihren Zustand noch nicht beschreiben können, sind Eltern verunsichert, wenn ihr Liebling überhitzt. Doch bitte nicht sofort zum Zäpfchen greifen. News.de weiß, wie sich Eltern bei Fieber richtig verhalten.

Berthold Koletzko von der Münchner Stiftung Kindergesundheit versteht die Ängste der Eltern: «Aus Sorge glauben viele, dass sie mit fiebersenkenden Medikamenten eingreifen müssen, sobald ihr Kind steigende Temperaturen hat.» Doch der Kinder- und Jugendarzt warnt davor, Fieber früh zu senken. Denn es erfülle eine wichtige Funktion.

Viele Studien hätten ergeben, dass das Fieber die stärkste Immunreaktion des Körpers im Kampf gegen eine Krankheit ist, sagt der Experte: «Die nützlichen Reaktionen des Organismus gegen eingedrungene Krankheitserreger laufen am besten bei einem Fieberzustand zwischen 39 und 40 Grad ab.» In dieser Temperaturzone würden die sogenannten PhagozytenFresszellen , die die Bakterien unschädlich machen, am besten arbeiten.

Hausmittel
So bekommen Sie Fieber in den Griff
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Wer diesen Prozess mit Fieberzäpfchen frühzeitig unterbinde, stoppe damit die Selbstheilungskräfte des Körpers, warnt Koletzko: «Kleine Kinder vertragen hohe Temperaturen in der Regel viel besser als Jugendliche oder Erwachsene. Selbst hohes Fieber über 40 Grad macht ihnen teilweise nichts aus.»

Nach einem Tag zum Arzt

Fieber, besonders wenn es hoch ist, kann ein beeindruckendes körperliches Symptom sein. Kopf und Körper sind heiß, die Augen glasig. Aber: «Generell ist Fieber zuallererst etwas Gutes», bestätigt auch Tim Niehues, Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin am Helios Klinikum Krefeld. Auch Niehues rät Eltern, nicht gleich zur Zäpfchenpackung zu greifen: «Solange es dem kleinen Patienten gut geht, können Eltern den Fieberverlauf abwarten.»

Dauert das Fiebern länger als einen Tag, sollte das Kind dem zuständigen Kinderarzt vorgestellt werden. Mit ihm sollte man auch das weitere Vorgehen besprechen. «Es ist immer sinnvoll, die Gabe von fiebersenkenden Medikamenten mit dem Arzt zu besprechen», sagt Niehues. «Man darf nicht vergessen, dass auch die niedrig dosierten Kinderarzneien Nebenwirkungen haben und nicht grundlos gegeben werden sollten.»

Wadenwickel und viel trinken

Auch wenn Fieber nur ein Symptom und nicht die Krankheit ist, auf Dauer wirkt es erschöpfend auf den Körper. Fiebernde Kinder sollten daher viel trinken, um durch das Schwitzen verlorene Flüssigkeit wieder auszugleichen, empfiehlt Koletzko.

Wird das Fieber zur Belastung, kann man zunächst versuchen, mit klassischen Hausmitteln zu reagieren, rät Fachkollege Niehues: «Wadenwickel sind zum Beispiel eine sehr gute Sache.» Auch sanfte Waschungen mit kühlen Tüchern oder Wickeln würden von vielen Kindern als angenehm empfunden, so Koletzko. Lehnen die kleinen Patienten diese Therapien aber ab, zum Beispiel weil sie frösteln, könne eine warme Decke oder eine kleine Wärmflasche der heilsamere Weg sein.

In diesen Fällen sofort zum Arzt

So wertvoll Fieber als natürliche Krankheitsbekämpfung auch sei - es gebe Regeln und Fälle, in denen ein Kind sofort zum Arzt muss, sagt Koletzko: «Babys mit Fieber gehören in jedem Fall zum Kinder- und Jugendarzt.» Auch wenn kleinere Kinder nicht mehr trinken wollen, plötzlich sehr viel schlafen oder Symptome der Austrocknung zeigen, sollte man nicht zögern. «Ernstzunehmende Begleitsymptome sind Bauchkrämpfe, Ohrenschmerzen, Atmungsbeschwerden oder Hautveränderungen», so der Mediziner.

Bei rund einem Prozent aller Kinder käme es durch einen sehr rasanten Fieberanstieg zu einem Fieberkrampf, sagt Niehues: «Das ist ein häufiges Phänomen, bei dem die Kinder kurz bewusstlos werden und am ganzen Körper krampfen.» Der Fieberkrampf sehe zwar beängstigend aus, sei aber harmlos und bleibe in den allermeisten Fällen ohne Folgeschäden, beruhigt Niehues: «Trotzdem sollte das Kind nach so einer Situation zur Sicherheit umgehend ärztlich untersucht werden.»

So misst man richtig die Temperatur

Bei kleinen Kindern sollte die Körpertemperatur möglichst immer «rektal», also im Po gemessen werden, empfiehlt Koletzko und warnt: «Bei der Messung im Mund besteht die Gefahr, dass das Kind auf das Thermometer beißt und sich dabei verletzt.» Das Messen unter der Achselhöhle sei bei den Kleinen aufgrund von Bewegungen häufig noch zu ungenau.

Das Fiebermessen im Po gelinge allerdings nur, wenn das Thermometer festgehalten wird und das Kind möglichst still liegt, zum Beispiel beim Wickeln auf dem Wickeltisch. Mit digitalen Thermometern gelinge die Messung innerhalb weniger Sekunden. Geeignet seien auch Stirn- und Ohrthermometer. Deren Messungen seien jedoch oft ungenauer.

Diese Medikamente helfen

Wenn das Fieber bei kleinen Kindern mit einem Medikament gesenkt werden soll, raten Ärzte zu Zäpfchen. Denn eine Tablette zu schlucken ist für Kinder unangenehm. Außerdem ist nicht jeder Wirkstoff empfehlenswert. Der am besten verträgliche Wirkstoff für Kinder sei Paracetamol, das gleichzeitig schmerzlindernd und fiebersenkend wirkt.

Auch die Substanz Ibuprofen wirke im Doppelpack gegen Schmerz und Fieber und sei ähnlich gut verträglich. Acetylsalicylsäure sollte Kindern unter zwölf Jahren dagegen noch nicht gegeben werden. Studien zufolge kann die Einnahme zu dem sehr gefährlichen Reye-Syndrom führen. Bei dieser Erkrankung kommt es zu schweren Gehirn- und Leberschädigungen.

Ohne das Risiko von Nebenwirkungen könnten dagegen homöopathische Komplexpräparate gegeben werden. Die Wirksamkeit sei allerdings nicht immer garantiert.

kat/ham/sca/news.de/dapd

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • uwe schmidt
  • Kommentar 1
  • 20.03.2012 05:05

,, kalte wadenwickel bei hohem fieber alle 15 min gewechselt , hat mir damals schon mit 3 bis 5 jahren mehrmals dieses leben gerettet,, und das ohne medikamente,, habt nicht so viel angst und vertraut der natur, sie ist dem menschen eins und für diese wahreit stehe ich !

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