So., 27.05.12

Skandal in Frankreich 23.12.2011 Brust-Silikon eigentlich für Matratzen gedacht

Brustimplantate (Foto)
Das französische Gesundheitsministerium rät rund 30.000 Frauen, sich von den gefährlichen Brustimplantaten des Typs PIP vorsorglich zu trennen. Bild: istockphoto

Es ist ein Medizinskandal, der seinesgleichen sucht: Das französische Gesundheitsministerium rät rund 30.000 Frauen, sich von den gefährlichen Brustimplantaten des Typs PIP vorsorglich zu trennen. Es bestehe Krebsgefahr. Auch der Rest Europas tobt.

Kurz vor Weihnachten das richtige Geschenk für rund 30.000 Frauen: Das französische Gesundheitsministerium ruft die Damen dazu auf, fehlerhafte Brustimplantate der französischen Firma Poly Implants Prothèses (PIP) wieder herausoperieren zu lassen. Selbst dann, wenn keine Beschwerden bisher aufgetreten sind.

Gesundheitsminister Xavier Bertrand betonte, eine Entfernung solcher Implantate solle vorsorglich erfolgen, sei aber nicht dringlich. Zwar sei bislang keine erhöhte Rate von Krebsfällen nachgewiesen worden, doch bestehe das Risiko, dass die Implantate platzten und ein bedenkliches Silikongel austrete. Betroffen sind rund 30.000 Frauen in Frankreich, Großbritannien, Spanien, Portugal und anderen Ländern in Europa und Südamerika. Die Gesundheitsbehörden dort könnten nun ähnliche Empfehlungen aussprechen.

Frauen, deren Implantate geplatzt waren, und führende französische Schönheitschirurgen hatten die Regierung zum Handeln aufgefordert. Im November war eine Frau gestorben, die die fraglichen Implantate trug und an einer seltenen Form von Krebs erkrankt war.

Pro Jahr eine Million Euro eingespart

Etwa 2000 Französinnen haben Klage gegen das südfranzösische Unternehmen Poly Implant Prothèse (PIP) eingereicht. Ermittlern zufolge sparte die Firma jährlich eine Million Euro, indem sie für ihre Produkte Industriesilikon statt teureres medizinisches Silikon verwendete. Die Regierung in Paris untersagte im vergangenen Jahr die weitere Herstellung der Implantate, das Unternehmen wird derzeit abgewickelt.

Nach der Klagewelle in Frankreich haben auch zahlreiche Frauen in Großbritannien den Rechtsweg eingeschlagen. Auf der Insel sind nach Schätzungen der Gesundheitsbehörden bei mehr als 40.000 Frauen Implantate des Herstellers PIP eingesetzt worden. Die Klagen in Großbritannien richten sich gegen Krankenhäuser und Ärzte. «Die jüngsten Berichte haben unsere Klientinnen natürlich sehr besorgt, viele von leiden bereits unter schrecklichen Problemen infolge der Implantate», sagte einer der Anwälte.

Die Mediziner hätten nach Ansicht der Klägerinnen wissen müssen, dass es sich um minderwertiges Haushaltssilikon und nicht um medizinisch einwandfreies Material gehandelt habe. Angeblich soll das von PIP verwendete Silikon ursprünglich für Matratzen genutzt werden. Am Mittwoch bezichtigten Anwälte auch die Aufsichtsbehörde für Medizinprodukte. Sie sei trotz Bekanntwerden des Problems in Frankreich nicht eingeschritten.

Ebenso wie in Deutschland haben auch die britischen Gesundheitsbehörden einen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Reißen der Silikonimplantate und einem erhöhten Krebsrisiko für die betroffenen Frauen verneint. Man habe neun internationale Experten konsultiert, sagte eine Sprecher des Gesundheitsministeriums in London. Es gebe keine medizinisch belastbaren Hinweise auf eine erhöhte Gefahr.

Deutsche Zahlen noch nicht bekannt

Die deutschen Behörden zeigen sich noch zurückhaltend. Angesichts der Diskussion um ein mögliches Krebsrisiko durch Brustimplantate aus Frankreich warnt die zuständige Bundesbehörde vor Panik. In Deutschland seien 19 Fälle von Rissen in solchen Brustimplantaten bekanntgeworden, «aber diese Fälle stehen in keinerlei Zusammenhang mit einer Krebserkrankung», sagte der Sprecher des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Maik Pommer, mit Verweis auf eine frühere Erhebung. Wie viele Frauen in Deutschland Implantate des französischen Herstellers Poly Implant Prothèses (PIP) erhalten haben, sei dem Bonner Institut nicht bekannt.

In der Regel bekomme eine Frau nach einem solchen Eingriff einen Implantat-Pass mit Angaben zum Hersteller. «Verunsicherte Frauen sollten auf jeden Fall noch mal ihren implantierenden Arzt ansprechen», riet Pommer. Derzeit werde in Frankreich geprüft, ob es einen konkreten Zusammenhang beispielsweise zwischen gerissenen Implantaten und einer Krebserkrankung gebe. «In Deutschland sind uns jedoch keine Verdachtsfälle von Krebserkrankungen im Zusammenhang mit diesen Implantaten gemeldet worden.»

Auch die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen glaubt nicht, dass die PIP-Implantate für Deutschland sehr bedeutend sind. «Wir haben im April 2010 die Warnung an unsere Mitglieder weitergeleitet. Darauf haben sich zwei Chirurgen bei uns gemeldet, die mit PIP gearbeitet haben», sagte Chirurgen-Sprecherin Kerstin van Ark Zeitungen der WAZ-Mediengruppe.

sca/news.de/dapd/dpa
Leserkommentare (3) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Elster
  • Kommentar 3
  • 29.02.2012 19:07
 

Natur ist Natur und da sollte man es belasen.

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  • Rotzlöffel
  • Kommentar 2
  • 24.12.2011 13:32
 

Ich habe nicht die Spur von Mitleid für diese Frauen.Selber Schuld wenn man der Natur ins Handwerk pfuscht.

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  • heinrichIV
  • Kommentar 1
  • 23.12.2011 16:19
 

Don`t like silikon boobs - I like natural tits, so whats on, ha,ha,

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Skandal in Frankreich: Ministerium empfiehlt vorsorgliche Entfernung von Brustimplantaten » Gesundheit » Nachrichten

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