Winter Dem Winterblues entgehen

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Licht beeinflusst das Wohlbefinden. Doch davon gibt es derzeit nicht viel. Und das drückt ganz leicht auf die Stimmung. Doch wie viel Tageslicht braucht ein Mensch? Das erklärt der Biopsychologe Peter Walschburger von der Freien Universität Berlin.

Berlin (dpa) - Licht beeinflusst das Wohlbefinden. Doch davon gibt es derzeit nicht viel. Und das drückt ganz leicht auf die Stimmung. Doch wie viel Tageslicht braucht ein Mensch? Das erklärt der Biopsychologe Peter Walschburger von der Freien Universität Berlin.

Wie wichtig ist Licht für den Menschen?

Walschburger: «Wir haben eine ganz intime Beziehung zum Licht. Es hebt unsere Stimmung und unsere Aktivität und es erhält uns gesund. Die innere Betriebsorganisation des Menschen hat sich wie bei allen Lebewesen an die Tag-Nacht-Schwankungen angepasst. Wo kein Licht ist, fehlt die Orientierung, und man kann nicht gut aktiv sein. In der Evolution hat sich deshalb unsere gesamte innere Betriebsorganisation bei Nacht auf Ruhe und Erholung ausgerichtet. Umgekehrt ist in den Tagphasen verstärkte Aktivität angesagt. Das Ganze wird von Zellen gesteuert, die wie innere Uhren funktionieren, und von Hormonen. Unsere gesamte Vitalität ist lichtabhängig. Deshalb leben wir in den Wintermonaten ein bisschen mehr auf Sparflamme und nehmen etwas zu.»

Wie viel Tageslicht brauchen wir?

Walschburger: «Für eine gute Stimmung möglichst viel, obwohl es natürlich Grenzen gibt. Wenn hellhäutige Typen zu viel Sonne abkriegen, kann zum Beispiel das Krebsrisiko steigen.»

Gibt es ein Minimum, das zum Beispiel der durchschnittliche Deutsche braucht?

Walschburger: «Zwischen einzelnen Menschen bestehen große Unterschiede. Viele, vor allem jüngere Menschen haben kein Problem mit wenig Licht, während andere Menschen höchst sensibel reagieren und in eine gedämpfte, niedergeschlagene Stimmung geraten. Solche Menschen sollten in die freie Natur hinausgehen und sich an den täglichen Rhythmus anpassen, also nachts bei Dunkelheit schlafen und sich morgens von dem beginnenden Tageslicht wecken lassen. Es gibt sogar Menschen, die so lichtempfindlich sind, dass man ihre depressive Stimmung mit Kunstlicht heben muss.»

Kann man den Körper mit künstlichem Licht austricksen?

Walschburger: «Ja, ganz klar. Der Mensch ist ein Anpassungskünstler. Wenn er sehr gesund, körperlich und geistig trainiert ist, dann kann er sich weit entfernen von den biologischen Normalbedingungen. Aber: Wenn jemand nachts tätig ist und tagsüber schläft, dann hat das seinen Preis. Denn er lebt gegen die üblichen biologischen, kulturellen und kommunikativen Gewohnheiten. Die wenigsten Menschen können auf Dauer die Nacht ohne Probleme zum Tag machen.»

Bald werden die Tage wieder länger. Ist die Gefahr einer Winterdepression oder eines «Winter-Blues» damit gebannt?

Walschburger: «Ja. In unseren Breiten gibt es schon im Januar wieder kalte und sonnenhelle Tage. Sie sind sehr wohltuend und können uns mächtigen Aufschwung geben.»

Winteranfang

Der astronomische und kalendarische Winteranfang ist am Tag der Wintersonnenwende. In diesem Jahr ist es am 22. Dezember um genau 6.30 Uhr MEZ so weit. Die Meteorologen haben «ihren» Winter bereits am 1. Dezember begonnen. Sie teilen die Jahreszeiten in jeweils drei Monate ein, um Wetterstatistiken besser vergleichen zu können.

Der kalendarische Winteranfang markiert den kürzesten Tag des Jahres. Auf der nördlichen Erdhalbkugel erreicht die Sonne dann den tiefsten Punkt ihrer Jahresbahn. Den größten Teil des Tages steht sie unterhalb des Horizonts, am nördlichen Polarkreis geht sie gar nicht auf. In Mitteleuropa scheint die Sonne an diesem Tag nur knapp acht Stunden - sofern es die Wolkendecke zulässt. Von nun an werden die Nächte aber täglich wieder kürzer, bis am 21. Juni 2012 (Sommersonnenwende) der längste Tag mit einem Mittsommerfest gefeiert wird.

Dass auch Feiern zur Wintersonnenwende eine alte Tradition haben, zeigen frühgeschichtliche Kultstätten wie das englische Stonehenge. Die Römer feierten am kürzesten Tag des Jahres ihren Sonnengott Saturn, die Germanen begingen das Julfest mit kultischen Feuern. Mit der Christianisierung in Mitteleuropa ersetzte das Weihnachtsfest zur Erinnerung an die Geburt Jesu die heidnischen Bräuche, das Licht als ein Symbol des Feiertages blieb.

news.de/dpa

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