Weihnachten Die sieben Todsünden des Schenkens

Geschenke zum Fest (Foto)
Damit Weihnachten kein Reinfall wird, gilt es einige Schenkregeln zu beachten. Bild: dapd

Champagner für den trockenen Alkoholiker, drei Kilo Pralinen für die Freundin auf Diät? Bei Geschenken kann eine Menge schieflaufen, gerade an Weihnachten. Warum das so ist und wie es besser geht, lesen Sie hier.

«Geschenke sind eine Form von Kommunikation», sagt der Erlanger Soziologe Holger Schwaiger. Er hat sich ausführlich mit der Kultur des Schenkens auseinandergesetzt und weiß, worauf es ankommt.

Was sind für Sie die sieben Todsünden des Schenkens?

Holger Schwaiger: Es gibt für mich nur eine Todsünde - und zwar nichts zu schenken. Schenken bedeutet Kommunikation. Damit ist auch das Henne-Ei-Problem gelöst, wer der erste Schenker war, der das Pendel von Geben, Nehmen und Erwidern angestoßen hat. Der Mensch muss in allen sozialen Beziehungen und Umständen kommunizieren, ob nun mit Worten oder anders. Er kann es sich schlichtweg nicht leisten, auf Schenkkommunikation zu verzichten. Wer nichts schenkt, verweigert Kommunikation.

Weihnachtsgeschenke
Was Sie lieber nicht schenken sollten

Es kann aber doch eine Menge schiefgehen beim Schenken.

Schwaiger: Absolut. Wie das Sprechen kann auch Schenkkommunikation mächtig danebengehen. Es gibt große Enttäuschungen, wenn sich der Schenkende wenig oder gar keinen Kopf über seine Gabe gemacht hat und einfach irgendetwas unter den Weihnachtsbaum legt. Im Kern sagt das aus: «Du bist es mir nicht wert, dass ich mir über dich auch nur einen Gedanken mache.» Der tiefe Sinn des Schenkens ist aber, soziale Bindungen zu stärken. Wer dabei unachtsam ist, missachtet das. Dabei ist Schenken erheblich leichter als das Miteinanderreden.

Wieso denn das?

Schwaiger: In einer Kommunikationssituation, etwa einer lebhaften Diskussion, in der das schnelle Wort zählt, müssen wir blitzschnell reagieren. Sonst reißt die Kommunikation ab. Beim Schenken zu Weihnachten hingegen kennen wir alle das Datum 24. Dezember. Da kann man sich ganz in Ruhe drauf vorbereiten und auf die Situation einstellen. Das ist richtig bequem.

Und wie schenkt man richtig?

Schwaiger: Es geht darum, die Vorlieben und Wünsche eines anderen Menschen herauszufinden. Das ist nicht wirklich schwer. Wir geben ständig Signale von uns, was uns gefällt und was nicht. Man muss nur zusehen oder zuhören und sich das merken. Wenn sich eine solche Andeutung später in einem Geschenk materialisiert, läuft es perfekt.

Was halten Sie von Geschenkgutscheinen oder Geldgeschenken?

Schwaiger: Für mich ist das eine emotionale Bankrotterklärung. Der Sinn des Schenkens wird dabei völlig ausgehebelt.

Es gibt aber auch Verabredungen, sich nichts zu schenken.

Schwaiger: Das klappt meistens nicht. Wir sehen uns Weihnachten in der Zwangslage, etwas zu schenken. Weil das alle machen. Manche bauen finanzielle Limits ein, um die ökonomische Komponente rauszunehmen. Wir können uns darauf besinnen, was der eigentliche Wert ist: Ich schenke etwas Kleines, aber das von Herzen - also von emotionaler Größe. Unsere Redewendungen sagen, dass wir auch Zeit oder Gehör schenken können. Aber das wird nicht so sehr als Geschenk wahrgenommen. Mit Geschenken ist heute eher ein Nutzwert verbunden.

Gibt es überhaupt uneigennützige Geschenke?

Schwaiger: Die sozialromantische Vorstellung des Schenkens aus reiner Freigebigkeit ohne das Erhoffen einer Gegengabe - das war und ist reine Illusion. Wie bei jeder Kommunikation wollen wir natürlich etwas zurück. Wenn ich ein Geschenk verweigere oder Enttäuschung zeige, breche ich die Kommunikation ab. Wir erwarten mindestens Dank, gern Freude und am liebsten ein bisschen Überraschung.

Klingt nach hoher Schauspielkunst.

Schwaiger: Ja, das gehört zu den Ambivalenzen des modernen Schenkens. Kein Mensch ist wirklich überrascht, wenn er am 24. Dezember von jemandem ein Geschenk bekommt. Da ist schon das Prinzip einer kollektiven Heuchelei zu erkennen. Aber das gehört eben dazu.

Lesetipp: Schenken. Entwurf einer sozialen Morphologie aus Perspektive der Kommunikationstheorie, Holger Schwaiger, 162 Seiten, Uvk Verlag, 24 Euro.

eia/ham/sis/news.de/dpa

Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • Ulbricht
  • Kommentar 4
  • 19.12.2011 21:04

Wer mich beschenkt, dem kann ich auch nicht helfen. Ich mag's trotzdem!

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  • Ellipirelli
  • Kommentar 3
  • 19.12.2011 20:24

Der Krawattenheini hat wohl zuviel Geld,oder was? Dieser sch... Konsum-Terror,man hat schon zu vtun,daß man überlebt,und dann werden noch solche Propaganda-Heinis auf die Menschen losgelassen mit ihrer Kaufhaus-Religion..:-( Der sollte sich mal lieber drauf besinnen,was wirklich zählt und was das Weihnachtsfest in seinem Ursprung bedeutet.Wer für andere Leute was Gutes tun möchte,der kann es auch übers ganze Jahr verteilt machen,da reichen auch Kleinigkeiten oder mal Zuhören und füreinander da sein!

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  • tsss
  • Kommentar 2
  • 19.12.2011 17:44

.... manche menschen haben eindeutig zuviel zeit und werden dafür auch noch bezahlt .... uuunglaublich!!

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