Trauerbewältigung Der Liebste geht, die Trauer bleibt

Trauer (Foto)
Trennungsschmerz, der über Jahre anhält: Komplizierte Trauer führt die Betroffenen in die Isolation. Bild: dpa

Andreas SchloderVon news.de-Redakteur
Es ist schwer, den Tod eines nahestehenden Menschen zu verarbeiten. Doch bei jedem Siebten heilt die Zeit keine Wunden. Dann gilt: Trauer macht krank. Wer gefährdet ist, lässt sich anfangs nur schwer erkennen.

Weihnachten steht vor der Tür: Viele Deutsche müssen den Heiligen Abend und die Feiertage zum ersten Mal seit langem ohne Partner oder Familie verbringen. Endgültig von Menschen Abschied zu nehmen, die einem ans Herz gewachsen sind, tut weh. Doch der Schmerz lässt normalerweise mit der Zeit in seiner Intensität nach - bei bis zu 15 Prozent aller Trauernden in der Bundesrepublik jedoch nicht.

Bei ihnen heilt die Zeit keine Wunden, der Trennungsschmerz ist genauso intensiv wie am ersten Tag. Und das über Monate bis Jahrzehnte hinweg. Psychologen sprechen von einer prolongierten, also verlängerten, Trauer.

Diese ist erst seit wenigen Jahren in den Fokus der Psychologie gerückt, zuvor gab es kaum Untersuchungen dazu. Der Grund ist einfach: Der Unterschied zwischen normaler und krankhafter Trauer ist in den ersten Wochen nach dem Verlust selbst für Experten schwer zu unterscheiden. Erst nach einem halben Jahr lassen sich die Symptome einer verlängerten Trauer feststellen.

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Kleinste Details reichen für Gefühlsausbruch

Kurz nach dem Ableben eines geliebten Menschen ist es Professorin Rita Rösner von der Ludwig-Maximilians-Universität in München zufolge normal, an den Verstorbenen zu denken und sich an schöne, gemeinsame Erlebnisse zu erinnern. Krankhaft Trauernde hingegen können ihre Gedanken selbst nach Jahren nicht aktiv steuern. Selbst kleinste Details reichen aus, um unkontrollierte Gefühlsausbrüche wie Weinen oder Schreien hervorzurufen - sei es der Name oder Bilder und Orte in einem völlig anderen Zusammenhang.

Die Hinterbliebenen können den Tod nicht akzeptieren, damit auch kein neues Leben beginnen. Der Weg in die Isolation ist die Folge, denn soziale Kontakte werden gemieden. Das kann auch dazu führen, dass das Grab nie aufgesucht wird oder aber das andere Extrem: jeden Tag. Manche sprechen auch noch täglich mit dem Verstorbenen, waschen seine Wäsche oder decken den Mittagstisch für ihn mit.

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Doch wer ist gefährdet? Professor Hans Jörg Znoj von der Abteilung für klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Bern zufolge können nur wenige offen ihre Ängste und Probleme ansprechen. So neigen viele dazu, diese mit Schlaftabletten oder Alkohol wenigstens in der Nacht für ein paar Stunden vergessen zu lassen. Ein Teufelskreis beginnt. «Festgestellt wird komplizierte Trauer häufig erst, wenn bereits andere psychische Erkrankungen das Leben des Betroffenen stark beeinträchtigen», wird der Experte in der Apotheken-Umschau zitiert. Dazu gehören Angst- und Panikstörungen sowie eine Sucht und Depression.

Hinterbliebene plagen Schuldgefühle

Zudem sind besonders Hinterbliebene betroffen, die schon vor dem Schicksalsschlag eine seelische Erkrankung hatten. Dabei spielt auch eine Rolle, wie der Vertraute ums Leben gekommen ist. Je dramatischer, umso schwieriger wird es, das Trauma zu überwinden. Denn die Zurückgelassenen kämpfen oft gegen Schuldgefühle an und hinterfragen, ob sie den Tod nicht verhindern hätten können.

Umso wichtiger ist es, die richtige Therapie zu finden. Der Schlüssel: Eine Verhaltenstherapie, denn verabreichte Medikamente wie Antidepressiva lindern Rosner zufolge nur die Symptome einer Depression, doch die Trauer bleibe. In der Therapie komme es darauf an, sich von Schuldgefühlen zu lösen und sich vom Toten zu verabschieden, aber gleichzeitig mit ihm verbunden zu bleiben.

kat/rzf/news.de

Leserkommentare (26) Jetzt Artikel kommentieren
  • Stefanie
  • Kommentar 26
  • 23.04.2014 23:21

Am 21.09.13 ist meine geliebte Mami von uns gegangen. Sie musste zwei ganze Jahre gegen Krebs kämpfen und hat mit nur 52 Jahren den Kampf verloren. Bis zu ihrem letztem Atemzug war ich an ihrer Seite. Was mich auf der einen Seite stolz macht sie nicht allein gelassen zu haben. Jedoch hab ich seither arge Schlafstörungen. Ich bin geplagt von Albträumen weil ich die schrecklichen Bilder meine Liebste Mami so zu sehen nicht aus dem Kopf bekomme. Der Schmerz will einfach nicht nachlassen. Es tut so schrecklich weh weil ich sie unendlich vermisse. Ich fühle mich ohne sie sehr leer und allein.

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  • Hedy
  • Kommentar 25
  • 20.12.2013 17:23

Habe meinen alles geliebten Mann am 06.11.2013 verloren.Bei ihm wurde vor 1 Jahr eine Herzklappenverkalkung festgestellt.EKG im Oktober war noch gut.Aber er hatte immer mehr luftnot.Vom 01.11 auf den 02.11.2013 bekam er fast keine Luft mehr.Ich holte die Rettung,auf dem Weg ins Krankenhaus mußte er reanimiert werden.Er wachte danach nicht mehr auf und verstarb am 06.11.2013.Ich kann es einfach nicht glauben,daß er nicht mehr wieder kommen kann.Wir waren über 32 Jahre zusammen.Vor allen Dingen habe ich große Angst vor den Feiertagen.Es ist abends sehr schlimm,wenn alles so still zu Hause ist

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  • katrin löwlein
  • Kommentar 24
  • 17.12.2013 17:08

ich habe meine Schwester verloren. Sie hatte Darmkrebs und ist nur 7 Monate nach der Diagnosen am 2.12.2013 gestorben. Sie war erst 47 Jahre. Ich denke den ganzen Tag an sie und muß ständig weinen. Ich kann mir nicht vorstellen diesen Verlust jemals zu verkraften. Sie fehlt mir so sehr und es tut mir so unendlich leid, dass ihr so viele Jahre ihres Lebens geraubt wurden. Sie wollte so gern weiterleben.

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