So., 27.05.12

Tote Babys durch Keime 01.12.2011 Der Westen lernt vom Osten

Frühchen auf der Intensivstation (Foto)
Die Behandlung von Neugeborenen auf Intensiv muss besser werden. Dazu hilft ein Blick in den Osten. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Andreas Schloder, Leipzig

Nach dem Tod dreier Frühchen in einem Bremer Krankenhaus, ausgelöst durch Keime auf der Intensivstation, herrscht Aufklärungsbedarf. Doch auch abseits davon gibt es auf Intensiv gravierende Probleme. Die Lösung? Ein Blick in Deutschlands Osten.

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Ob mangelnde Hygiene, zu wenig Personal oder gleich mehrere Faktoren die Ursache für die tragischen Todesfälle in Bremen waren: Die Intensivmediziner lässt der Fall nicht kalt. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) widmet ihren Kongress, der derzeit in Leipzig abgehalten wird, dieser Thematik. Aus Sicht der Fachgesellschaft zeigt das Beispiel in Bremen, dass die Versorgung von Neugeborenen verbessert werden muss - und sieht das Potenzial dafür nicht nur in der Hansestadt.

Im vergangenen Jahr haben über 1500 von insgesamt 680.000 Neugeborenen in Deutschland den ersten Lebensmonat nicht überlebt. Die häufigste Todesursache nach angeborenen Krankheiten ist die Frühgeburt. Zwar sei die Sterbensrate in den vergangenen 30 Jahren um das Fünffache gesunken, wie Professor Gerhard Jorch von der Universitätskinderklinik Magdeburg erklärt. Doch dem Kongresspräsidenten mache zu schaffen, dass die Sterblichkeit bei Babys in den Bundesländern sehr unterschiedlich sei.

Sachsen als Vorreiter

Der landesweite Vergleich bringt ein Ergebnis hervor, das auf den ersten Blick mehr als überrascht: Im Nordwesten der Republik ist die Sterberate drei Mal höher als in Mitteldeutschland. «Sachsen ist seit vier Jahren Spitzenreiter, was die geringste Sterberate auf der Intensivstation angeht», sagt Jorch.

Zusammen mit Thüringen und Sachsen-Anhalt sei der Freistaat dem NeonatologenArzt, der sich auf angewandte Kinderheilkunde, Neugeborenenmedizin, Frühgeborenenmedizin und Neugeborenenvorsorge spezialisiert hat. zufolge das beste Beispiel dafür, dass Qualität vor Quantität stehen muss. Während es in ganz Mitteldeutschland insgesamt nur sieben Intensivstationen für Frühchen gibt, sind es allein in Nordrhein-Westfalen ganze 40 Stationen - obwohl das Bundesland kleiner ist als die Mitte der Bundesrepublik.

«Die Kliniken müssen endlich aufhören, um Hochrisikopatienten zu konkurrieren. Wir brauchen im Umkreis von 100 Kilometern keine vier Frühchen-Intensivstationen», kritisiert der Professor und fügt hinzu: «Wir brauchen eine einzige, die dafür aber medizinisch wie personell auf dem allerhöchsten Niveau arbeitet.» Mitteldeutschland ist auch hier Vorreiter: Die Familien müssen bis zu 120 Kilometer bis zur nächsten Station in Kauf nehmen und trotzdem ist die Sterberate gering.

Doch woher rührt der qualitative Unterschied? Klaus Notz, Leiter der Bildungseinrichtungen an den Kreiskliniken Reutlingen, bringt es auf den Punkt: «Die Kliniken leiden unter dem Sparzwang. Und für Weiterbildungen müssen die Kliniken selbst aufkommen. Das ist grundsätzlich nicht gut», erklärt der Pflegeexperte.

Professor Jorch wird noch deutlicher: In der Intensivmedizin sei die erfolgreiche Behandlung der Neugeborenen zu zwei Dritteln der Verdienst des Personals. Umso dramatischer seien die Auswirkungen in Bremen gewesen. Denn Neugeborene sind deutlich weniger immunresistent. In der Klinik waren Keime am Werk, die ein Erwachsener gar nicht gespürt hätte. Mitteldeutschland hingegen kann auf ein Personal mit längerer Berufserfahrung als im Westen Deutschlands zurückgreifen, so Jorch.

Bis 2021 bis zu 500 Kinder mehr retten

«Um überall gleich gut zu werden, müssen wir die Ursachen für die Qualitätsunterschiede erforschen, besser regional zusammenarbeiten und Risiko-Schwangere stärker in den Blick nehmen», appelliert der Professor. Und spricht von der Initiative «Neo 21»: Bis 2021 soll die Sterberate der Neugeborenen durch eine bessere medizinische Versorgung von 1500 auf unter 1000 sinken. Besonders Frühgeborenen, die vor der 30. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen und durch Augen- und Hirnschäden bedroht sind, soll in Zukunft noch besser geholfen werden.

som/rzf/news.de
Leserkommentare (3) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Karoline
  • Kommentar 3
  • 03.12.2011 21:20
 

Ich war zwar nicht auf der Frühchenstation, aber durch Herzinfarkt meines Bruders auf der Intensivstation eines Berliner KHS. Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen als ein Besucher in Malerklamotten,total verdreckt das Nebenzimmer betrat.Am Eingang der Station gibt es Händedesinfektion, aber es interessiert keinen ob man das benutzt. Ich finde das schlimm!Da darf man sich nicht wundern wenn Keime eingeschleppt werden.

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  • erwin
  • Kommentar 2
  • 01.12.2011 13:46
 

Leider habe ich es bei einem längeren Kranken hausaufenthalt selbst erlebt egal ob Pflegepersonal oder Ärzte, dass es häufig am Verständnis für Hygiene fehlt und da sehr lax mit umgegangen wird von wegen Hände desinfizierenn ach einem Patienten Kontakt leider oft genug weigefehlt!Kein Wunder also!

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  • erwin
  • Kommentar 1
  • 01.12.2011 13:41
 

Am Geld darf und kann es wohl nicht liegen!Denn Wie Arbeitnehmer und Arbeitgeber von Kranken kassen mit Beiträgen abgezockt werden Muß Ja ausreichend Geld vorhanden sein!Da scheint es eher ein wirtschaftliches Problem zu sein, dass Investoren sehr dicht beieinander öglichst Viele Kliniken betreiben, um ein Großes Stück vom Kuchen abzubekommen!dabei aber die Qualität von allem auf der Strecke bleibt Hauptsache der Gewinn stimmt auch wenn es Menschen leben kostet Ich denke hier muß man sicherlich reglementierend eingreifen!Sowohl in hinsicht nach Klinik Dichte wie auch nach Qualität!

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