So., 27.05.12

22.11.2011 Ärztin: Depression nach Geburt sehr gut heilbar

Ärztin: Depression nach Geburt sehr gut heilbar (Foto)
Ärztin: Depression nach Geburt sehr gut heilbar Bild: dpa

Depressionen nach einer Geburt sind nicht selten - und sehr gut heilbar, wie Oberärztin Susanne Simen vom Klinikum Nürnberg versichert. «Sechs Wochen Behandlungszeit reicht in der Regel aus», betonte die Leiterin der Mutter-Kind-Klinik.

Nürnberg (dpa) - Depressionen nach einer Geburt sind nicht selten - und sehr gut heilbar, wie Oberärztin Susanne Simen vom Klinikum Nürnberg versichert. «Sechs Wochen Behandlungszeit reicht in der Regel aus», betonte die Leiterin der Mutter-Kind-Klinik.

Eine Depression nach einer Geburt - die sogenannte postnatale Depression - wird oft nicht erkannt. Grund: «Eine Mutter wird alles daran setzen, dass sie für ihr Kind funktioniert. Und dann heißt es: 'Geht doch!'».

«Ganz viele Betroffene, auch die Angehörigen, manchmal selbst die Ärzte sagen: Das ist doch normal, dass man erschöpft ist, wenn man nachts nicht schlafen kann. Natürlich ist das normal, aber nur bis zu einem gewissen Grad», erläuterte Simen. Schwierig sei auch, dass sich die Betroffenen ihre Probleme oft nicht eingestehen wollten oder sich schämten, weil sie trotz des Neugeborenen nicht glücklich sind.

Postnatale Depressionen unterscheiden sich der Fachfrau zufolge deutlich vom sogenannten Baby-Blues. «Der Baby-Blues hält nur ein paar Tage an, davon sind etwa 40 Prozent der Frauen betroffen.» Postnatale Depressionen hingegen träten bei 10 bis 15 Prozent der Frauen auf, bis zu vier Prozent aller jungen Mütter erkrankten an einer schweren Episode.

Ein wesentliches Kennzeichen einer Depression sei das Nichts-fühlen-Können oder zumindest keine Freude mehr fühlen zu können, schilderte die Oberärztin. «Damit eng verwoben ist, keine Energie zu haben: Energie zum Fühlen, Energie zum Denken, Energie zum Essen, Energie, um überhaupt irgendetwas zu tun.» Zu diesen üblichen Symptomen einer Depression kommen bei jungen Müttern starke Hormonschwankungen; auch eine ungewohnte Reizbarkeit kann auftreten. «Typische Symptome sind auch das Früherwachen, die Mutter sitzt dann voller Panik und Zukunftsängste um fünf oder sechs Uhr hellwach in ihrem Bett», zählt Simen auf.

Webseite der Nürnberger Mutter-Kind-Klinik

Selbsthilfegruppe für Betroffene

Depressionen

Depression ist eine Krankheit, die etwa jeden fünften Bundesbürger im Laufe des Lebens ein- oder mehrmals trifft. Die Betroffenen sind nicht nur - wie jeder Mensch hin und wieder - «schlecht drauf» oder traurig. Sie leiden in der Regel zusätzlich an Antriebsstörungen, müssen sich also zu jeder Handlung zwingen. Innerlich fühlen sie sich oft leer, können keine Freude oder Trauer empfinden. Meist sind sie zudem nicht in der Lage, selbst kleinere Entscheidungen zu treffen. Hinzu können Ängste, Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle sowie Konzentrationsstörungen kommen. Körperlich kann sich die Krankheit etwa in Schlafstörungen, Schwindel, Bauchschmerzen oder Appetitlosigkeit bemerkbar machen.

Die Krankheit wird häufig immer noch tabuisiert, dabei sind aktuell etwa vier Millionen Menschen in Deutschland von einer schweren depressiven Episode betroffen. Nur eine Minderheit davon erhält die richtige medizinisch-psychologische Versorgung. Mit dieser sind Depressionen gut heilbar.

news.de/dpa
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