Sa., 26.05.12

Fußfehlstellung 08.11.2011 Wenn der Schuh drückt

Wenn der Schuh drückt (Foto)
Zentimeter lange Absätze und spitzer Vorderschuh: Kein Wunder, dass 75 Prozent aller Patienten, die unter Fehlstellungen des Fußes leiden, weiblich sind. Bild: dapd

Von news.de-Redakteur Andreas Schloder

Wer schön sein will, muss leiden. Vor allem Frauen nehmen das Sprichwort zu persönlich und achten bei der Schuhwahl mehr auf optische Reize. Ganz zur Freude von Orthopäden und Ärzten, die wie nie zuvor Fehlstellungen der Füße durch falsches Schuhwerk behandeln müssen.

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High-Heels mit zentimeterlangem Absatz und spitz zulaufendem Vorderschuh: Wenn die Füße reden könnten, würden sie laut aufschreien. Denn schön ist nicht immer gesund. So ist es nicht verwunderlich, dass 75 Prozent aller Patienten, die unter schmerzhaften Fehlstellungen der Füße leiden, Frauen sind, wie Dr. Sven Schuchmann von der orthopädischen Klinik des Ortenau Klinikums Offenburg-Gengenbach erklärt.

«Das hat genetische Ursachen, da bei Frauen das Bindegewebe im Bereich der Gelenkkapseln und Fußsohle lockerer ist», sagt der Experte. In Kombination mit modischen, vorne spitz zulaufenden Schuhen sowie hohen Absätzen werde eine beginnende Fehlstellung der Zehen noch verstärkt.

Seit Jahren nehme die Zahl der Patienten zu, wie Schuchmanns Chefarzt Dr. Bruno Schweigert feststellt. Und die Patienten, die sich behandeln lassen, werden immer jünger. «Das hängt damit zusammen, dass der ästhetische Anspruch der Menschen an ihre Füße zugenommen hat», so der Chefarzt. Und auch der funktionelle, denn: «Gerade das Fußskelett ist von höchster Komplexität und verzeiht auf Dauer nichts.»

Schmerzhafte High-Heels

Beim Gehen werden Schweigert zufolge die Füße mit einem Vielfachen des Körpergewichtes belastet. Werden aber Schuhe mit Absätzen getragen, verschiebe sich die Gewichtsverteilung. «Rein mechanisch betrachtet führt ein Absatz am Schuh dazu, dass der Fuß wie auf einer schiefen Ebene nach vorne rutscht und die Hauptbelastung über den Vorfuß aufgefangen werden muss», beschreibt Schuchmann. Der Absatz führe auch dazu, dass sich die Achillessehne verkürzt und Beschwerden in dieser Region hervorruft.

Chefarzt Schweigert wird noch deutlicher: Der Fuß wird zudem in oft zu enge Schuhspitzen gedrängt. Dabei werden die Zehen bei dauerhaftem Tragen geradezu in eine Fehlstellung gezwungen. Die Folge: Diese Überlastungen führen zu Schmerzen und langfristig zu Leiden wie Senkfuß, Spreizfuß oder schiefen Zehen. In den schlimmsten Fällen helfe da nur noch eine Operation, um die Knochen wieder gerade zu «biegen».

Die häufigste Fehlstellung ist der sogenannte Hallux valgus. Zu deutsch: Schiefzehe, da die Großzehe deutlich zum Fußaußenrand abweicht. In fortgeschrittenen Fällen kann diese Fehlstellung der Großzehe zu einer schmerzhaften Arthrose im Grundgelenk führen.

In der Regel entwickeln sich Fehlstellungen des Fußes über einen langen Zeitraum von mehreren Jahren. «Hier ist es so, dass diese selbst lange Zeit keine Beschwerden verursacht, allenfalls ästhetisch stört. Kommt es dann zu ersten Druckbeschwerden im Schuhwerk, meist in den Herbst- und Wintermonaten, verstärkt sich der Leidensdruck rasant», weiß Schuchmann. «Deshalb sollten Patienten, die unter Schmerzen beim Gehen, Laufen oder sogar beim unbelasteten Fuß leiden, unbedingt einen Facharzt aufsuchen», fügt Schweigert hinzu. Dieser könne kann den Beschwerden diagnostisch auf den Grund gehen und die nötige Therapie einleiten.

Nicht immer ist gleich eine OP notwendig, um die Fehlstellungen in den Griff zu bekommen. Manchmal helfen auch gezielte Fußgymnastik, Physiotherapie und passgenaue Einlagen. Zudem raten die Experten zu einem selbst auferlegten High-Heels-Verbot.

Ist eine Operation unvermeidbar, wird der Fußchirurg im Vorfeld die Fehlstellung anhand von Röntgenbildern analysieren, «um letztlich auf diesem Wege mit dem Patienten zusammen zur individuell optimalen Lösung zu kommen», so Schuchmann. Die meisten Eingriffe finden ambulant statt, erfordern jedoch eine sechs- bis achtwöchige Nachbehandlung, was eine disziplinierte und motivierte Mitarbeit des Patienten voraussetzt. Egal, ob konservative Therapie oder OP: In der Regel werden die Kosten der Behandlung von den Krankenkassen übernommen.

Barfuß laufen, so oft es geht

Solange es Fehlstellungen gibt, werde die Diskussion um den Einfluss des Schuhwerks auch unter Experten nicht enden, sagt Schuchmann. Interessant sind ihm zufolge Untersuchungen, die zeigen, dass es bei Fehlstellungen weniger auf die Art der Schuhe ankommt als darauf, ob überhaupt Schuhe getragen werden. «So wiesen in schuhtragenden Bevölkerungsgruppen bis zu 30 Prozent der Menschen eine Hallux-valgus-Fehlstellung auf, während in nicht-schuhtragenden Bevölkerungsgruppen in Asien nur ein Prozent der Menschen an einer solchen Fehlstellung litt», so Schuchmann.

Deshalb rät der Experte, so oft wie es geht, barfuß zu laufen. «Noch dazu auf verschiedenen Untergründen wie Kies, Gras oder Sand. Das ist das beste Training für die Fußmuskulatur», empfiehlt Schuchmann. High-Heels seien jedoch nicht generell zu verteufeln. «Als guten Kompromiss empfehle ich, im Beruf, gerade bei stehenden Tätigkeiten, flache, bequeme Schuhe mit gut dämpfender Sohle zu tragen.» Damit wären die Füße die meiste Zeit des Tages gut versorgt. «Und sie nehmen es sicher nicht übel, wenn gelegentlich in der Freizeit oder am Abend Schuhe getragen werden, die eher ästhetischen als orthopädischen Ansprüchen gerecht werden.»

eia/news.de
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