Haarausfall Löcher in der Haarpracht

Wenn am Kopf plötzlich runde kahle Stellen auftauchen, sprechen Experten von Alopecia areata, dem kreisrunden Haarausfall. Er trifft Männer wie Frauen gleichermaßen, egal welchen Alters. In vielen Fällen heilt die Erkrankung von selbst wieder aus.

Wenn die Haarpracht plötzlich löchrig wird (Foto)
Die Alopecia areata hat ein typisches Aussehen: Die haarlosen Kreise sind scharf abgegrenzt. Bild: dpa

Wenn im bislang dichten Haar ohne ersichtlichen Grund kreisförmige kahle Stellen auftauchen, ist das ein großer Schock. Die Erkrankung, die sich hinter dem meist urplötzlich auftretenden Phänomen verbirgt, heißt Alopecia areata (AA), zu Deutsch kreisrunder Haarausfall. In Deutschland sind etwa 1,4 Millionen Menschen betroffen.

«Die Alopecia areata ist eine entzündliche Haarausfallserkrankung und wird dem derzeitigen Forschungsstand nach als Autoimmunphänomen angesehen. Durch ihr charakteristisches Aussehen ist sie recht einfach zu erkennen», erklärt Uwe Schwichtenberg, Landesvorsitzender des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen in Bremen. So hätten die auftretenden haarlosen Kreise meist einen Durchmesser von zwei bis sechs Zentimetern und seien scharf abgegrenzt.

Heilung tritt meist von selbst ein

Der Verlauf der Erkrankung ist bei den Betroffenen sehr unterschiedlich. «Manche haben nur ein oder zwei kleine Stellen, andere ganz viele, die sich immer mehr ausweiten. Und in einigen wenigen Fällen kommt es auch zum kompletten Haarverlust», berichtet Anita Macionga-Knauer, die selbst seit mehr als 30 Jahren betroffen ist.

Unabhängig vom Ausmaß gelte, dass kreisrunder Haarausfall grundsätzlich nicht von körperlichen Schmerzen oder - wie bei einem Kopfhautekzem - von Juckreiz begleitet werde. Gerade bei Frauen meist enorm ist dagegen der seelische Schmerz, den die Erkrankung mit sich bringt. Macionga-Knauer sagt: «Es ist sehr schwer, mit dem Verlust der Haare klarzukommen. Man fühlt sich unattraktiv und sieht sich leider oft auch Negativreaktionen vonseiten des Umfelds gegenüber.»

Das allgemeine Risiko zu erkranken, liegt bei zwei Prozent. «Anders als viele andere Haarausfallerkrankungen ist sie reversibel, die Merkmale können sich also wieder zurückbilden», erklärt Hans Christian Hennies vom Cologne Center for Genomics an der Uni Köln. Ausschlaggebend dafür ist, dass AA nicht zu einer Zerstörung der Haarwurzel, sondern nur zu einer lokalen Entzündung führt, durch die das Wachstum der Haare gestört wird - dadurch fallen sie aus.

Grund ist wahrscheinlich eine fehlgeleitete Immunreaktion, die sich oft von selbst reguliert: «Tatsächlich kommt es bei mehr als 50 Prozent der Betroffenen innerhalb eines Jahres zu einer Spontanheilung, und auch danach können die Haare jederzeit anfangen, wieder zu sprießen - sei es von selbst oder durch eine Behandlung», sagt Schwichtenberg. Allerdings könne es zu Rückfällen kommen.

Ursache bisher nicht eindeutig geklärt

Die genauen Ursachen für die Erkrankung sind bisher unbekannt. Infrage kommen viele Faktoren, die auch zusammenwirken könnten: etwa starke Stresszustände, Allergien, das Bestehen von Schilddrüsen- oder Autoimmunerkrankungen. «Sicher ist das Vorhandensein einer genetischen Veranlagung, da Alopecia Areata familiär gehäuft auftritt», erläutert Hennies. Sollte es gelingen, diese einzelnen Genen zuzuordnen, könnten gezielte Therapien erarbeitet werden.

Solange der Ursprung nicht eindeutig geklärt ist, ist nur eine unspezifische Behandlung möglich. Gängig sind das Eincremen und die Unterspritzung der betroffenen Areale mit Kortison sowie eine spezielle Lichttherapie - die Creme-Puva-Behandlung. Kortison allerdings ist nicht unumstritten. «Die höchste Erfolgsquote hat die Immuntherapie mit der Chemikalie Diphenylcyclopropenon», erklärt Schwichtenberg. Über eine längere Zeit regelmäßig aufgetragen, erzeuge sie eine allergische Reaktion und könne dazu führen, dass die Immunzellen mit der fehlgeleiteten «Haarabwehr» aufhören.

«Diese Therapie ist aber nicht ohne, sie reizt die Kopfhaut enorm, und manche bekommen durch sie auch bleibende Hautprobleme», warnt Macionga-Knauer. Da die Chemikalie zudem nicht zwingend zu Verbesserung führe, rät sie dazu, sich genau zu überlegen, «ob man sich das zumuten will».

eia/rzf/ham/news.de/dpa

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