Lebensmittel Kalorienbomben auf einen Blick enttarnt

Neue Kennzeichnung von Lebensmitteln wird Pflicht (Foto)
Ab 2014 müssen die Nährwerte von Lebensmitteln genau gekennzeichnet werden. Bild: dpa

Ob die leichte Zwischenmahlzeit wirklich leicht oder das Schnitzel nur aus Versatzstücken zusammengeklebt ist - das muss künftig deutlich sichtbar sein. Auch Fett-, Salz- und Zuckergehalt müssen auf den Verpackungen ab Herbst 2014 schnell erkennbar sein.

Analogkäse und Klebefleisch werden zwar weiter in den Regalen liegen. Doch bei jedem Lebensmittel müssen Kalorien-, Zucker-, Fett-, Salz-, Eiweiß- und Kohlenhydrate pro 100 Gramm oder 100 Milliliter ausgewiesen sein. Diese Kennzeichnung ist ab Herbst 2014 Pflicht. Ab 2016 müssen auf der Rückseite aller Lebensmittel Nährwertkästen aufgedruckt sein.

Bei dem sogenannten Analogkäse aus Pflanzenfett muss der wahre Inhalt neben dem Markennamen auf der Vorderseite erscheinen. Und bei Klebefleisch, das mit Enzymen «verleimt» wird, muss sich künftig der Hinweis finden: «Aus Fleischstücken zusammengefügt.» Außerdem muss nicht nur bei Rind-, sondern auch bei Schweine- und Lammfleisch sowie Geflügel das Herkunftsland angegeben werden. Bei gefrorenem Fleisch, Fleischwaren und Fisch muss erkennbar sein, wann die Ware eingefroren wurde

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Mehr Informationen auf der Milchtüte

Für Stoffe, die Allergien hervorrufen können, gelten strengere Regeln: Sie müssen in der Zutatenliste hervorgehoben, beispielsweise farblich unterlegt werden. Auch bei loser Ware muss es einen Hinweis geben. Zudem müssen koffeinhaltige Getränke künftig klar als solche erkennbar sein.

Verbraucherschützer sind enttäuscht

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner begrüßte die Neuregelung als «wichtigen Schritt für den Verbraucherschutz», der es den Menschen erleichtere, «sich über die Zusammensetzung und Nährstoffgehalte von Lebensmitteln zu informieren, die richtige Auswahl zu treffen und sich ausgewogen zu ernähren». Auch die CDU-Europapolitikerin Renate Sommer begrüßte die Neuregelung: «Künftig werden die Verbraucher weitaus mehr und besser lesbare Informationen auf Lebensmitteln finden als bisher.»

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Am Verbraucher vorbei
Video: rzf/news.de/

Vielen Verbraucherschützern gehen die Neuerungen aber nicht weit genug. Sie hatten für die Einführung deutlich plastischerer Darstellungsformen, beispielsweise für die dreifarbige Lebensmittelampel geworben, über die Fett- und Zuckerbomben auch für Kinder auf den ersten Blick im Supermarkt erkennbar gewesen wären. Dagegen hatte sich die Industrie erfolgreich gewehrt und dafür, laut Verbraucherschützern, mehr als eine Milliarde Euro ausgegeben. Außerdem hatten viele Verbraucherschützer und auch Europaparlamentarier die Informationen eigentlich auf der Verpackungsvorderseite haben wollen.

ham/som/rzf/news.de/dapd

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