Stundenlang vor dem PC, aggresiv, depressiv und von Schlafstörungen geplagt. Wenn es Ihrem Kind so ergeht, leidet es vielleicht unter Internetsucht. Immer mehr Menschen sind davon betroffen. Doch es gibt Hilfe.
Eltern sollten sich möglichst früh und dauerhaft für die Internetaktivitäten ihrer Kinder interessieren. Nur so ließen sich die Warnsignale einer Onlinesucht erkennen, sagte Klaus Wölfling, psychologischer Leiter der Ambulanz für Spielsucht an der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Mainz. «Eltern sollten vor allem aufpassen, dass sich ihr Kind nicht isoliert und zurückzieht.» Beobachten Angehörige eine solche Entwicklung, sollten sie das Thema ansprechen, rät Wölfling. «Die Kommunikation zwischen Eltern und Kindern muss erhalten bleiben.»
Nach Worten des Experten bergen vor allem Onlinespiele ein Suchtpotenzial für junge Menschen. «Spiele bieten eine hohe Anbindung, denn sie fördern das Verlangen, immer neue Aufgaben zu lösen.» Auch soziale Netzwerke und Chats könnten süchtig machen. «Die Nutzer versuchen, eine gute Rolle einzunehmen, was ihnen im realen Leben vielleicht nicht so gelingt», sagte Wölfling. Im Internet hätten sie dann weniger schlechte Erlebnisse und die Chance, unzählige Freundschaften einzugehen. «Sie sind ja im Prinzip nie einsam, sondern finden immer ein offenes Ohr.»
Sucht ernst nehmen
Problematisch werde der Internetkonsum, wenn der Nutzer ein unwiderstehliches Verlangen entwickelt und nicht mehr selbst über Beginn, Ende und Dauer entscheiden kann. «Man macht weiter, obwohl man weiß, dass es schadet», sagte Wölfling. Wird das Internet verboten, könnten Entzugserscheinungen wie Aggressionen, Schlafstörungen oder Depressionen auftreten. In diesem Fall sollten Eltern eine Suchtberatungsstelle aufsuchen und sich über psychologische Therapiemöglichkeiten aufklären lassen, rät Wölfling.
Laut einer Studie des Bundesministeriums für Gesundheit sind vor allem junge Menschen im Alter zwischen 14 und 24 Jahren von Internetsucht betroffen. 2,4 Prozent gelten als abhängig, 13,6 Prozent als sogenannte problematische Internetnutzer.
Wie viele Stunden Internetkonsum für Kinder und Jugendliche unbedenklich seien, lasse sich nicht pauschal bestimmen: «Die Inhalte können auf jeden unterschiedlich wirken», sagte Wölfling. Doch erfahrungsgemäß seien nicht-abhängige Internetnutzer unter dreieinhalb Stunden am Tag im Netz unterwegs. Abhängige User kommen dagegen auf etwa acht Stunden.
Dabei müssten gefährdete Kinder das Internet nicht komplett meiden. Bereiche, die kein Suchtpotenzial bergen, könnten auch weiterhin abgerufen werden, sagte Wölfling. «Es geht darum zu erlernen, das Internet kontrolliert zu nutzen.» Das gelinge allerdings nur, wenn suchtgefährdende Seiten dauerhaft umgangen würden.
som/rzf/news.de/dpa
weshalb sind unsere Kinder im Internet unterwegs? Hätten sie das nötig, wenn ihnen der reale Alltag genügend angemessene Herausforderungen böte? Wenn unsere Erwachsenen endlich wertschätzend mit ihnen umgehen würden, müssten sie nicht so viel mobben und das auch noch scheinbar anonymisiert bzw hinter dem Computer in "sicherer" Entfernung - der Gemobbte kann sich kaum wehren - was ist das für eine Gesellschaft, die solche Kinder erzieht? Nicht die Kinder und Jugendlichen sind das Problem, sondern die Erwachsenen, denn die bestimmen deren Welt. Fangt endlich an an euch selbst zu arbeiten!
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