Organspende
Organspendemangel in Deutschland

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) will Organspenden neu regeln. Geplant ist, dass alle Krankenversicherten sich zu dem Thema äußern müssen. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) beantwortet wichtige Fragen zur Organspende.

Organspendemangel in Deutschland Bild: dpa

Frankfurt/Main (dpa) - Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) will Organspenden neu regeln. Geplant ist, dass alle Krankenversicherten sich zu dem Thema äußern müssen. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) beantwortet wichtige Fragen zur Organspende.

Wie viele Spenderorgane fehlen in Deutschland?

DSO: «Derzeit warten in Deutschland etwa 12 000 Patienten auf ein Spenderorgan, die meisten davon auf eine Niere. Es warten etwa dreimal so viele Menschen auf eine neue Niere, wie Transplantate vermittelt werden können.»

Wie lange warten diese Patienten im Durchschnitt auf ein Organ?

DSO: «Bei Nieren beträgt die durchschnittliche Wartezeit auf eine Transplantation etwa fünf bis sechs Jahre.»

Wie viele sterben, während sie warten?

DSO: «Jährlich sterben etwa 1000 Patienten. Einige Patienten müssen auch wegen schlechten Allgemeinzustandes von der Warteliste genommen werden.»

Wie viel Transplantationen werden durchgeführt?

DSO: «Die Zahl der Transplantationen in Deutschland lag 2010 bei 5083 inklusive Lebendspenden. Seit der ersten Nierentransplantation im Jahre 1963 sind in Deutschland 103 125 Organe übertragen worden.»

Wie ist die Organspende in anderen Ländern geregelt?

DSO: «In vielen europäischen Ländern gilt eine Widerspruchslösung. Das heißt, jeder kann zum Spender werden, der das nicht vorher ausdrücklich abgelehnt hat.»

In Deutschland gilt bisher die Zustimmungslösung: Um als Spender infrage zu kommen, muss man zu Lebzeiten ausdrücklich zustimmen. Was sind die Nachteile?

DSO: «Wenn sich der Verstorbene nicht dazu geäußert hat, müssen die Angehörigen entscheiden. Sie werden in einer extrem belastenden Situation mit dieser Frage konfrontiert und sind oft damit überfordert.»

Nun soll eine Entscheidungslösung eingeführt werden: Jeder muss einer Organspende zustimmen, sie ablehnen oder erklären, dass er sich nicht entscheiden möchte. Wird das mehr Organe bringen?

DSO: «Wir gehen definitiv davon aus, dass das ein Schritt nach vorn ist. Allerdings findet die DSO, dass auch die Rückseite des heutigen Spenderausweises erfasst werden sollte.» (Dort kann man zum Beispiel die Entnahme auf bestimmte Organe eingrenzen.)

Der Gesundheitsminister plant, dass die Krankenkassen ihre Versicherten befragen sollen. Ist das der richtige Weg?

DSO: «Ja, denn die Daten könnten dann gleich auf der elektronischen Gesundheitskarte erfasst werden. Wichtig wäre allerdings, dass auch die privaten Krankenkassen mitmachen.»

Stiftung Organtransplantation

Download eines Organspendeausweises (pdf)

Download Organspende-App

Ausweis immer dabei haben

Bei einem Unfall sollte ein Organspendeausweis schnell auffindbar sein. Das eigene Exemplar führe man deswegen am besten immer mit sich, rät Birgit Blome von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Der Ausweis im Checkkartenformat lässt sich zusammen mit Bankkarte und Personalausweis unkompliziert in der Brieftasche aufbewahren.

Außerdem sollte das persönliche Umfeld über die Spendenbereitschaft informiert werden. «Es ist wichtig, dass man in der Familie darüber spricht», sagt Blome. Wissen Freunde und Familie Bescheid, sei es möglich, auch nach dem Tod Organe zu spenden, selbst wenn kein Ausweis vorhanden ist.

Inzwischen gibt es den Ausweis auch als kostenloses App für das iPhone. Wie bei seinem Pendant aus Papier oder Plastik lässt sich damit die Bereitschaft zur Organspende für den Todesfall dokumentieren, aber auch einer Spende generell widersprechen.

news.de/dpa

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

0 Kommentare
Kommentar schreiben

noch 600 Zeichen übrig

Empfehlungen für den news.de-Leser