Neue Therapien Einschnitte bei Magenkrebs

Magenkrebs (Foto)
Ein Magenbakterium ist der Hauptauslöser für Magenkrebs. Dieser lässt sich jetzt aber leichter behandeln. Bild: dpa

Andreas SchloderVon news.de-Redakteur
Jährlich erkranken mehr als 17.000 Deutsche an Magenkrebs. Wird er zu spät erkannt, muss gleich der ganze Magen heraus operiert werden. Nun gibt es Fortschritte. Der Tumor kann in einem Stück entfernt werden - das Risiko eines Rückfalls verringert sich.

Obwohl Magenkrebs in den vergangenen Jahrzehnten seltener wurde, zählt die Erkrankung nach wie vor zu den häufigsten Krebsarten. Auch hier gilt: Je früher er erkannt wird, umso besser sind die Heilungschancen. Denn im fortgeschrittenen Stadium liegt die Sterberate bei etwa 70 Prozent. Vor allem Männer erwischt es. Als Risikofaktoren gelten übermäßiger Verzehr von Fleisch, geräucherten und gegrillten Lebensmitteln und der Genuss von Alkohol und Zigaretten.

Für Patienten mit Magenkrebs sind die Folgen im wahrsten Sinne des Wortes einschneidend. Eine zu spät gestellte Diagnose bedeutet für den Patienten fast immer, dass der gesamte Magen herausoperiert werden muss. Das Problem: Bisher können bei minimal-invasiven Eingriffen per Endoskop nur Teile, aber nie der gesamte Tumor entfernen werden. Das Risiko, wieder an Magenkrebs zu erkranken, ist damit sehr hoch.

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Doch es gibt Hoffnung. Das Zauberwort heißt Endoskopische Submukosa-Dissektion (ESD). Eine ESD wird wie eine Magenspiegelung vorgenommen. Über ein flexibles Endoskop verschafft sich der Arzt über den Mund des Patienten Zugang zu dessen Magen. Dann unterspült der Arzt mit Kochsalzlösung im Bereich des Tumors die Magenschleimhaut. Dadurch hebt sich diese von den unterliegenden Gewebeschichten ab. Anschließend umschneidet der Mediziner großflächig den erkrankten Bereich mit einem Messer und durchtrennt das Bindegewebe unter der Magenschleimhaut, die SubmucosaSchicht aus lockerem Bindegewebe unter der Schleimhaut. .

Gründlicher als die Drahtschlinge

Während die Technik in Japan bereits etabliert ist, entfernen deutsche Ärzte die Tumore mithilfe einer Drahtschlinge. Nachteil: «Mit dieser Schlinge können nur Tumore in einer Größe von bis zu einem Zentimeter entfernt werden. Mit der ESD aber Karzinome in einer Größe von bis zu sechs Zentimeter», erklärt Dr. Siegbert Faiss, Chefarzt an der Asklepios Klinik Barmbek in Hamburg. Wird der Tumor am Stück entfernt, lasse er genauere Rückschlüsse über weitere Risiken zu, so der Vorsitzende der Sektion Endoskopie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. «Wenn die Entfernung des Tumors im Ganzen mit anderen endoskopischen Verfahren nicht möglich ist, ist die ESD das Mittel der Wahl», ist der Experte überzeugt und empfiehlt daher, die neue Technik in Deutschland zu etablieren.

In einer Studie mit mehr als 90 Patienten haben Wissenschaftler am Klinikum Augsburg bereits Erfahrungen mit dem neuen Verfahren gesammelt: «Bei den Patienten, die wir mit der ESD behandelt haben, kam es deutlich seltener zu Rückfällen», berichtet Klinikdirektor Professor Helmut Messmann. Allerdings sei die Methode technisch auch sehr anspruchsvoll und erfordere viel Übung. «Die ESD sollte ausschließlich an speziellen Zentren mit entsprechender Erfahrung durchgeführt werden», betont der Experte.

Ursache für mehr als 90 Prozent aller Erkrankungen an Magenkrebs ist eine Infektion mit dem Magenbakterium Helicobacter pylori. Etwa ein Drittel der deutschen Erwachsenen sind nach DGSV-Angaben von diesem Bakterium befallen. Und dieser Keim hält sich hartnäckig: Er schützt sich durch seine Spiralform und besondere Beweglichkeit vor der aggressiven Magensäure.

Auch wenn der Parasit ausschließlich den Magen besiedelt, spielt er ebenso bei Krankheiten außerhalb des Magens eine Rolle. Dazu gehört ein Mangel an Blutplättchen. Bei den Betroffenen äußert sich das in fleckförmigen Blutungen auf der Haut. Auslöser ist ein durch das Bakterium hervorgerufener Angriff der körpereigenen Abwehr auf die Blutplättchen.

Frühzeitige Antibiotika-Therapie ist wichtig

Doch wie bekommen die Ärzte den Erreger in den Griff? Forscher haben in Studien herausgefunden, dass eine vollständige Beseitigung durch Antibiotika Krankheitsverläufe wie die Hautfärbung verbessern. Denn dadurch würde sich die Zahl der Blutplättchen wieder erholen. Diese sollte auch generell bei dem Bakterium eingesetzt werden, wie Professor Peter Malfertheiner erklärt.

Wie der Leiter der Uniklinik für Gastroenterologie in Magdeburg mitteilt, könne auch das Risiko verringert werden, neben schmerzhaften und komplizierten Geschwüre im Magen sowie Zwölffingerdarm- zudem Magenkrebs zu bekommen. Je eher mit der Antibiotika-Therapie begonnen wird, umso besser. «Denn es gibt einen Punkt, an dem man den Krebs nicht mehr verhindern kann», sagt Malfertheiner.

Die Therapie der Heliocobacter-Infektion dauere dem Experten zufolge sieben bis zehn Tage. Allerdings wird diese Behandlungsform in naher Zukunft ihre Wirkung verlieren. Denn die Keime zeigen gegen die bisher eingesetzten Antibiotika immer mehr Resistenz. Daher müssen neue Ansätze her, den Keim in den Griff zu bekommen.

ham/rzf/news.de

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